Büdelsdorf : Razzia bei insolventer Baufirma IBG

Beim Unternehmen IBG-Haus in Büdelsdorf wurden die Geschäftsräume durchsucht. Foto: Iwersen
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Beim Unternehmen IBG-Haus in Büdelsdorf wurden die Geschäftsräume durchsucht. Foto: Iwersen

Bundesweite Razzia: Die Geschäftsräume der insolventen Baufirma IBG Holding GmbH in Büdelsdorf wurden am Mittwoch durchsucht.

shz.de von
15. November 2012, 03:34 Uhr

Büdelsdorf | Die Insolvenz der Baufirma IBG Holding GmbH aus Büdelsdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde hat eine große bundesweite Durchsuchungsaktion ausgelöst. Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten am Mittwochvormittag neben dem Hauptsitz in Büdelsdorf auch in Neu Isenburg, Hennigsdorf und Essen Geschäftsräume sowie Privathäuser der Verantwortlichen des Unternehmens. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts auf Betrug, Insolvenzverschleppung und Steuerhinterziehung, wie die Staatsanwaltschaft Kiel am Mittwoch mitteilte.
Bei der Aktion waren insgesamt waren 65 Kriminalbeamte, sieben Staatsanwälte und mehrere Beamte der Steuerfahndung im Einsatz. Auslöser der Ermittlungen waren Anzeigen von Bauherren und Handwerkern. Die Durchsuchungen erstreckten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf Gebäude in Büdelsdorf, Neu Isenburg (Hessen), Hennigsdorf (Brandenburg) und Essen (Nordrhein-Westfalen).
Auf 670 Baustellen ruht die Arbeit
Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Reinhold Schmid-Sperber aus Kiel betragen die Verbindlichkeiten der gesamten Gruppe zwischen 40 und 50 Millionen Euro. Zur IBG Holding gehören zehn Tochterfirmen. Doch die Summe der Außenstände könnte sich noch deutlich erhöhen, sagt Anwalt Schmid-Sperber: "Die große Unbekannte für uns ist die Frage der Gewährleistungsansprüche." Denn Bauherren können innerhalb von fünf Jahren nach Fertigstellung ihres Hauses noch Mängel bei IBG monieren.
Auf bundesweit 670 Baustellen von IBG ruht die Arbeit. Darüber hinaus sind 1000 Verträge bereits geschlossen, zu denen die Arbeiten aber noch nicht begonnen haben. Wie es damit weitergeht, kann Schmid-Sperber noch nicht sagen. Für Donnerstag hat IBG eine Pressekonferenz angekündigt.
Hunderte Bauherren in Deutschland sind betroffen
Die 1994 gegründete Baufirma hatte am 2. November beim Amtsgericht Neumünster ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Davon betroffen waren insgesamt neun Gesellschaften. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist bereits eingesetzt worden.

Nach dpa-Informationen konnte die IBG im September keine Gehälter mehr an ihre Mitarbeiter zahlen. Obwohl das Geld fehlte, sollen im August noch neue Verträge abgeschlossen worden sein. Von der IBG-Pleite sind nicht nur die mehr als 150 Mitarbeiter des Unternehmens betroffen. Auch Hunderte Bauherren in ganz Deutschland bangen um ihr Geld und ihre Häuser.
"In fast allen Fällen muss teuer nachfinanziert werden"
Nach Informationen der Verbraucherschutzorganisation "Bauherren-Schutzbund" (BSB) geht es bundesweit um rund 700 Bauten in unterschiedlichen Bauphasen. "Ein großer Teil befindet sich im Stadium zwischen Fundament/Bodenplatte und Rohbau", sagte der BSB-Vorsitzende Peter Mauel.
Problem für die IBG-Kunden sei, dass sie den Hausbau sehr hoch vorfinanziert hatten: Die Verträge sahen vor, dass sie "weitaus mehr Geld" zahlen mussten als die Gegenleistung wert war, sagte Mauel. Nach seiner Kenntnis hat ein Großteil der Büdelsdorfer Kunden Häuser in der Preisklasse von 165.000 Euro gekauft. In der Regel seien 85.000 Euro angezahlt worden, die IBG-Kunden hätten aber nur einen Gegenwert von 35.000 bis 40.000 Euro erhalten. Wenn sie den Bau jetzt in Eigenregie fertigstellen wollten, fehle ihnen Geld.
"In fast allen Fällen muss teuer nachfinanziert werden", sagte Mauel. Doch das sei für viele Bauherren ein Problem, da sie bei der Finanzierung oft "auf Kante gerechnet" hätten. Zahlreichen privaten Bauherren drohe jetzt ein hoher wirtschaftlicher Schaden, das Risiko nicht fertiggestellter Häuser mit erheblichen Mängeln und große Rechtsunsicherheit.

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