Diskotheken auf dem Prüfstand : Rassismus? Grieche testet Türsteher

Ein Mann (22) möchte am Wochenende einfach nur feiern - und darf nicht. Mal gibt es eine Quote für Ausländer, mal sieht er zu gefährlich aus.

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24. Januar 2009, 11:53 Uhr

Eutin | "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."

Artikel 3, Grundgesetz

Das Grundgesetz gilt in der ganzen Bundesrepublik - nur vor den Türen vieler Diskotheken im Norden offenbar nicht. Diese Erfahrung hat Pawlos S. (22) aus Eutin (Kreis Ostholstein) gemacht. Er sagt: "Ich bin in Deutschland geboren, habe aber einen griechischen Pass. Und am Wochenende feiern zu gehen, ist ein Problem." Der Zahntechniker ist im Norden herumgereist, schildert unserer Zeitung, vor welchen Diskotheken er "aussortiert" wurde.

Das "A 1" in Lübeck: "Die Türsteher sagen: ,Das wird heute leider nichts. Eine Begründung gibt es nicht. Dafür wird man darum gebeten, den roten Teppich vor der Tür zu verlassen." Das "Max" in Flensburg: "Dort wurde mir gesagt, ich sehe zu ausländisch aus. Die Ausländerquote für heute sei schon erfüllt."
"Der Chef würde dich wieder rausschmeißen"

Das "Atrium" (ehemals "Abaco") in Stockelsdorf: "Ich war mit vier Freunden dort. Die Türsteher erklärten uns, dass wir zu gefährlich aussehen würden. Dann entschuldigten sie sich. Es täte ihnen leid, weil sie ja auch Ausländer seien." .Das "Max" in Kiel: "Ich war mit drei Freundinnen dort, die dem Türsteher Diskriminierung vorwarfen. Ich durfte rein, aber er sagte mir, alleine hätte ich keine Chance gehabt."

Das "Lokhaus" in Neustadt: "Ich hatte zwei Freude aus Bosnien dabei. Sie haben einen deutschen Pass und denselben Geburtsort. Einer der beiden ist blond, der andere dunkelhaarig. Nur der Blonde durfte rein. Zu mir sagte der Türsteher: ,Ich kenne dich zwar, könnte dich reinlassen, aber der Chef würde dich wieder rausschmeißen."
"Es ist bitter, sich für seine Herkunft oder sein Aussehen schämen zu müssen"

Pawlos S. reicht es. Er sagt: "Es ist bitter, sich für seine Herkunft oder sein Aussehen schämen zu müssen. Ich arbeite und zahle Steuern und möchte nicht wie ein Schwerverbrecher behandelt werden. Außerdem ist es peinlich, Arbeitskollegen, die mit mir am Wochenende ausgehen wollen, absagen zu müssen, weil ich weiß, dass ich draußen vor der Tür stehen werde." Die Geschäftsführer des "A 1", Uwe Hanft und Holger Pfister, lassen über ihre Anwälte mitteilen, der Vorwurf diskriminierender Einlasskriterien sei "unzutreffend."

Nachfrage beim Inhaber des Neustädter "Lokhaus", Arwed Hilla (41). Warum wird so unerbittlich gesiebt, und ist das erlaubt? Er sagt: "Kommen Sie mir nicht mit dem Grundgesetz. Fast alle Unruhen gehen von einem bestimmten Personenkreis aus. Diese Leute bedrängen die Mädels und drehen durch, wenn man sie nur schief anguckt. Einem meiner Gäste wurde ein Glas ins Gesicht geschlagen, einem anderen der Kiefer gebrochen. Außerdem ist der Drogenhandel zu 80 Prozent in der Hand von Migranten. Ich weiß, dass meine Anordnungen an die Türsteher auch die Falschen treffen, und für den jungen Mann aus Griechenland finden wir eine Lösung. Aber ich will, dass es bei mir friedlich ist. Und bin nicht ich für die Sicherheit der Gäste verantwortlich?"

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