Nord-Ostsee-Kanal : Ramsauer will elf neue Stellen schaffen

Die große Südschleuse in Brunsbüttel ist wieder funktionstüchtig. Foto: dpa
Die große Südschleuse in Brunsbüttel ist wieder funktionstüchtig. Foto: dpa

Der Nord-Ostsee-Kanal ist für große Schiffe wieder offen. Verkehrsminister Peter Ramsauer will eine "Sondereinsatztruppe" für Schleusen-Defekte einrichten.

shz.de von
15. März 2013, 12:32 Uhr

Brunsbüttel | "Seit kurz nach 13 Uhr ist die große Südschleuse wieder in Betrieb", sagt Thomas Fischer vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Brunsbüttel. Acht Tage nachdem der Kanal für Schiffe mit mehr als 125 Metern Länge gesperrt wurde, können sie nun wieder die meistebefahrene Wasserstraße der Welt nutzen - pünktlich einen Tag vor dem angekündigten Besuch von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Der will sich am morgigen Freitagvormittag selbst ein Bild von dem desolaten Zustand der Anlagen machen. Er will eine "Sondereinsatztruppe" schaffen, die den Schleusenbetrieb aufrechterhalten soll. Die Crew solle sofort einsatzbereit sein, wenn weitere Reparaturen nötig sind, kündigte der Politiker am Donnerstag an. Der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sollen dafür elf zusätzliche Stellen bereitgestellt werden.

Ramsauer wehrt sich gegen Kritik

Er wehrt sich gegen Kritik an seinem Vorgehen beim Neubau einer fünften Schleuse am Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Er habe seit Jahren vor dem Kollaps auf deutschen Wasserstraßen gewarnt, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in einem Radio-Interview.

Ramsauer bezeichnete darin den NOK als negatives Beispiel für eine verfehlte Investitionspolitik bei der Verkehrsinfrastruktur. Dies könne nicht innerhalb kurzer Zeit behoben werden, erklärte der Minister. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Schleusen-Neubau in Brunsbüttel länger dauern und teurer als ursprünglich geplant werden soll.

Wagen der Schleusentore sind das Problem

Die seit Jahren immer wieder auftretenden Probleme in den beiden großen Schleusenkammern liegen fast immer an den Toren - genauer gesagt unter ihnen. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1914. Ein Schleusentor liegt auf einem Wagen, der mit Holzkufen auf Schienen rollt. Diese Schienen sind in Granit befestigt. So die Theorie. "Teilweise gibt es die Schienen schon nicht mehr", erklärt WSA-Sprecher Fischer. Das sei unter anderem am defekten Tor zur Elbe in der Nordschleuse der Fall. Deshalb bleibt diese Schleusenkammer gesperrt. Fischer: "Der Granit ist so bröckelig, dass sich daran keine Schienen mehr befestigen lassen." Die Motoren der Torwagen haben nicht genug Kraft, die Holzkufen auf dem bloßen Granit fahren zu lassen.

Jetzt haben die Ingenieure des WSA einen Plan, von dem sie hoffen, dass die Tore wieder ein paar Jahre ohne Ausfälle durchhalten. "Die Wagen sollen nicht mehr auf Holz fahren, sondern mit größeren Rädern direkt auf dem Granit. Ob das gelingt, weiß aber kein Mensch", sagt Fischer.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen