Brunsbütteler Schleuse : Ramsauer und die Suche nach dem Schuldigen

Bei seinem Besuch der Schleuse Brunsbüttel verspricht Verkehrsminister Peter Ramsauer einen zügigen Baubeginn der fünften Kammer. Nach knapp einer Stunde fliegt er wieder ab.

Avatar_shz von
17. März 2013, 11:14 Uhr

Brunsbüttel | Das wars. Verkehrsminister Peter Ramsauer war da. Zwei Stunden lang sah sich der CSU-Politiker am Freitag die maroden Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel an. Es ist 12.01 Uhr, als er mit seinem Helikopter wieder Richtung Berlin abhebt. Probleme hat der 59-Jährige bei seinem zweiten Besuch der Schleusen einige gesehen. Doch Lösungen hat er keine präsentiert. Ach doch: Er verspricht, alles Nötige für den Ausbau der fünften Schleusenkammer zu tun, für deren Spatenstich er das erste Mal vor einem Jahr in Brunsbüttel war.

Seitdem ist nicht viel passiert. "Keiner ärgert sich darüber mehr als ich", sagt Ramsauer, als er bei eisigem Wetter über die Schleusenanlage läuft. Es habe "vergaberechtliche Probleme" bei der Ausschreibung gegeben, die aber jetzt in den kommenden Wochen erfolgen soll. In sieben Jahren könnte die Kammer fertig sein, dann würden die alten Anlagen saniert. Ramsauer sich die Schleusen genau an, aber wo es hapert, kann er nicht sehen. Dass die Schleusentore nicht mehr auf Rollen laufen, sondern auf Holzbalken, die langsam verschleißen. Dass aus zwei maroden Toren ein funktionierendes gemacht wurde.

Ramsauer will keinen Schuldigen benennen

Ramsauer kneift die Augen wegen der strahlenden Sonne zusammen, aber er verschließt sie nicht vor der problematischen Gesamtsituation: "Über Jahrzehnte ist die Anlage auf Verschleiß gefahren worden", sagt der Minister - und sagt auch gleich zu, dass er "alle Mittel, die für den technisch einwandfreien Betrieb nötig sind", bereitstellen will. Zunächst sollen elf weitere Arbeiter ihre schon 60 Kollegen unterstützen, die bereits mit Notreparaturen beschäftigt sind. Dass der Nord-Ostsee-Kanal wie in der vergangenen Woche immer mal wieder für Schiffe mit einer Länge über 125 Meter geschlossen werden muss, werden sie kaum verhindern können.

Dass der Kanal in diesem schlechten Zustand sei, dafür will Ramsauer keinen Schuldigen benennen, sich selbst schon gar nicht. Jedenfalls sei es falsch zu denken, er als Oberbayer habe nur Verkehrsprojekte in Süddeutschland gefördert. "Wir haben vor Jahren schon aus einer Milliarde Extramitteln ein Drittel nur für den Schleusenneubau in Brunsbüttel bereit gestellt. Sie glauben gar nicht, was ich mir im Süden deswegen alles anhören musste", sagt Ramsauer.

Reinhard Meyer übt Kritik

Das interessiert seinen schleswig-holsteinischen Amtskollegen Reinhard Meyer (SPD) nur wenig. "Ich bin nicht zufrieden", sagt er nach den Gesprächen mit Ramsauer. Dessen kurzfristiges Krisenmanagement sei zwar in Ordnung, aber Meyer vermisst "eine langfristige Strategie zur Sanierung des Kanals. Wenn der Ausbau der Oststrecke und die Vertiefung erst nach 2021 angegangen werden sollen, dann ist das für einen Landesverkehrsminister nicht akzeptabel." Ramsauer habe ein Zeichen setzen können, dass ein funktionsfähiger Kanal eine nationale Aufgabe sei. "Das habe ich vermisst", sagt Meyer. "Sehr reserviert" habe der Minister reagiert, als er ihn darauf hingewiesen habe, dass jährlich ein Prozent des Bundesverkehrsetats für den Kanal zur Verfügung stehen müssten.

Ramsauer selbst ist da schon wieder auf dem Weg zum Hubschrauber. In Berlin warten wichtige Abstimmungen im Bundestag auf ihn. Brunsbüttel kann er vorher nochmal aus der Luft sehen - wie schon so oft. Ändern wird das an den Problemen am Kanal vorerst nichts. Denn da ist die Uhr schon weiter als eine Minute nach zwölf.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen