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Grenzpendler : Ralf Thomsen und sein "Traumjob" in Dänemark

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Der Arbeitsmarkt in der deutsch-dänischen Grenzregion hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Immer mehr Deutsche und Dänen kreuzen täglich die Grenze, um zur Arbeit zu fahren - zurzeit rund 12 000 Grenzpendler.

shz.de von
erstellt am 28.Mär.2008 | 04:33 Uhr

Dabei fahren weitaus mehr Deutsche nach Dänemark als umgekehrt und auch die Jobs sind anders. Die Dänen, die in Deutschland arbeiten, sind gut ausgebildet, besser qualifiziert und bringen von Haus aus eine Zweisprachigkeit mit. Der deutsche Arbeitnehmer wählt Dänemark, weil er im Landesteil Schleswig keine Anstellung findet oder weil er im Nachbarland mehr verdienen kann. Beispiel: Ralf Thomsen aus Tarp. Mehrere Jahre hat es gedauert, bis er seinen Traumjob als Busfahrer in Dänemark fand. Auch Bente Urbanski aus dem dänischen Vojens hat sich für eine Tätigkeit im Nachbarland, bei Danfoss in Flensburg, entschieden.
Der Blick über die Förde ist immer eine der schönsten Perspektiven auf dem Weg zur Arbeit. Ralf Thomsen (46) aus Tarp im Kreis Schleswig -Flensburg macht sich auf den Weg nach Sonderburg in Dänemark. Auf der Fahrt jeden Morgen ein Blick über die Flensburger Förde. Die rund 120 Kilometer Fahrstrecke Tag für Tag, die machen ihm nichts aus, sagt er. Schließlich kann er endlich seinen Jugendtraum verwirklichen: Busfahrer! Der Weg dahin war steinig und langwierig. Ralf Thomsen hat nie aufgegeben. Seit einem Jahr fährt er für das dänische Busunternehmen "Rutebilselskabet Haderslev" im Bereich Sonderburg. "In Deutschland hatte ich keine Perspektiven mehr, mein Zeitvertrag bei einem Busunternehmen wurde nicht verlängert, Arbeitszeiten und Bezahlung stimmten auch nicht mehr", erinnert er sich, "also habe ich mich in Dänemark umgesehen. Dort werden zuverlässige Busfahrer gesucht." Nach einem dreimonatigen Dänischkursus und mehreren Vorstellungsgesprächen klappte es: "Ein paar Tage später konnte ich anfangen."
Wochenlang Behörden abgeklappert
Aber zunächst einmal war alles fremd: andere Sprache, anderes Land, andere Währung. Die entspannte dänische Mentalität der Fahrgäste war es, die ihm den neuen Anfang leichter machte. "Einmal sprach mich ein Fahrgast an und sagte du kører forkert (du fährst falsch) - aufgeregt hat sich niemand, im Gegenteil. Alle Fahrgäste warteten geduldig, bis ich mit dem Bus wieder auf der richtigen Route war." Ralf Thomsen hat viel Spaß an seiner Arbeit und sich in Dänemark inzwischen "eingefahren". Überhaupt fühlt sich der Grenzpendler fast wie zuhause: "Hier beim Busunternehmen arbeiten sehr viele Deutsche, die ich in den Pausen treffe. Und morgens, auf der Fahrt zur Arbeit, wimmelt es auf den dänischen Straßen nur so von Autokennzeichen mit FL, SL und NF". Der Arbeitsplatzwechsel war für ihn schwierig und er wollte schon die Flinte ins Korn werfen: "Ich befand mich mitten in einer Zahnbehandlung, als ich den Job gewechselt habe. Weder die dänische, noch die deutsche Krankenkasse wollten die Kosten übernehmen. Ich musste wochenlang warten und ständig die Behörden abklappern, bis alles geklärt war." Thomsens Resumée: "Bei den Krankenversicherungssystemen beider Länder sollte dringend nachgebessert werden."
Dänische Fahrgäste nörgeln nicht
Heute läuft alles rund. Ralf Thomsen bekommt ein höheres Gehalt als in Deutschland und die Arbeitszeiten sind besser geregelt. Jetzt wünscht sich der zweifache Familienvater noch eine feste Route, dann ist alles gut. Die dänischen Mitarbeiter des Busunternehmens akzeptieren ihren deutschen Kollegen. Inzwischen arbeitet hier auch ein Franzose, ein Mann aus dem Tschad und mehrere Kollegen aus dem Kosovo - ein bunt gemischter Haufen, der die Fahrgäste von A nach B bringt. Ralf Thomsen hat in seinem Berufsleben schon vieles ausprobiert und jetzt seine Berufung gefunden. Er gerät ins Schwärmen, wenn er über seine Arbeit spricht: "Wir sind hier nicht nur verantwortlich fürs Fahren, sondern auch für die Busse: Auftanken, Öl und Luftdruck prüfen, dazu noch den Bus von innen sauber halten." Das gefällt ihm gut und er hat auch Händchen dafür ("Weil ich mich schon immer mit Motoren und Technik beschäftigt habe"). In Deutschland möchte er nicht mehr arbeiten - "es sei denn, die Bedingungen für Busfahrer würden sich grundlegend ändern". Außerdem gefallen ihm dänische Mentalität und Lebensart. "Die dänischen Fahrgäste - ob alt oder jung - bedanken sich für die Fahrt. Sie drängeln, schubsen und nörgeln nicht, wenn sich der Bus mal um ein paar Minuten verspätet", sagt’s und steuert die nächste Haltestelle in der Sonderburger Innenstadt an.

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