Universität Hamburg : "Raketen-Moni" beugt sich Protesten

Meuterei an der Uni- Monika Auweter-Kurtz steht im Kreuzfeuer. Foto: dpa
Meuterei an der Uni- Monika Auweter-Kurtz steht im Kreuzfeuer. Foto: dpa

Studenten, Professoren und Politik fordern den Rücktritt der Hamburger Uni-Präsidentin. Die Proteste werden immer lauter - jetzt greift sogar die Polizei ein.

shz.de von
13. Juni 2009, 03:39 Uhr

Die Doppeltür zu ihrem Büro ist zugesperrt, die Pforte zu ihrem Sekretariat verschlossen. Die Polizei steht in Mannschaftsstärke vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg. Zu heftig sind die Proteste gegen die Präsidentin von Deutschlands fünftgrößter Hochschule, als dass Monika Auweter-Kurtz ein Risiko eingeht. "Ich muss sicherstellen, dass hier ein ordentlicher Betrieb stattfinden kann und dass niemand gefährdet wird", sagt sie - während etliche Studenten im Flur vor ihrem Büro seit einer Stunde mit den Füßen stampfen und wieder und wieder skandieren: "Das ist unser Haus, werft die Präsidentin raus!"
Nicht, dass Hochschulchefs so etwas normalerweise schreckte. Da sind sie anderes gewöhnt. Und trotzdem ist es an diesem Freitag anders, hat sich Auweter-Kurtz doch vorgenommen, Abbitte zu leisten und Besserung zu geloben. Denn die Studenten sind mit ihrem Protest nicht allein. Rund 120 Professoren - an der Hochschule gibt es für die rund 38.000 Studierenden rund 560 - haben sich wie die Hochschüler offen auf die Fahne geschrieben, Auweter-Kurtz abwählen zu lassen. Sie werfen ihr einen autoritären Führungsstil und einen Kasernenhofton vor. Selbst fünf der sechs Dekane haben ihr schon die gelbe Karte gezeigt.
Kritik am "Maulkorberlass"
In einem Brandbrief der Dekane an Auweter-Kurtz heißt es deshalb unter anderem, es müsse akzeptiert werden, dass es andere Meinungen gibt als die des Präsidiums oder die der Präsidentin. Und "wer eine solch andere Meinung - auch nach außen - vertritt, ist nicht schon deshalb störender Abweichler oder Heckenschütze". Nicht vergessen ist dabei die Aufforderung von Auweter-Kurtz vom März 2007, dass sich die Mitglieder aller Fakultäten vor öffentlichen Erklärungen doch mit der Pressestelle ins Benehmen setzen mögen - was später als "Maulkorberlass" die Runde macht.
Auweter-Kurtz steht schon seit ihrer Berufung im November 2006 im Feuer. Von Anfang an herrschte gegenüber der früheren Leiterin der Abteilung Raumtransporttechnologie der Universität Stuttgart Skepsis. So wurde der Expertin für Raketenantriebstechnik und Befürworterin von Studiengebühren eine zu große Nähe zur Rüstungsindustrie unterstellt, was ihr auch den Namen "Raketen-Moni" eintrug. Inzwischen beklagen Kritiker, sie betreibe eine Entdemokratisierung und fahre einen wirtschaftsnahen Kurs, der sich auf das Einwerben von Drittmitteln beschränke und technische Studiengänge bevorzuge.
"Ich bin keine Saniererin"
"Ich bin keine Saniererin", widerspricht Auweter-Kurtz schon seit Wochen. Doch Reformen seien notwendig. Denn obwohl die Universität Hamburg zu den größten des Landes zählt, zu den besten gehört sie nicht. Regelmäßig landet sie in Uni-Rankings auf den hinteren Plätzen, Exzellenz-Initiativen gehen stets weitgehend an ihr vorbei. Deshalb betreibe sie ihren Modernisierungskurs.
Die Frage ist nur wie: Zuletzt entzündete sich der Zorn in der Hochschule und auch im Stadtteil Hamburg-Rotherbaum an der "einsamen Festlegung" der Präsidentin, die gesamte Universität - statt zu sanieren - auf dem Kleinen Grasbrook im Hafen neu bauen zu wollen. Beobachter gehen davon aus, dass Auweter-Kurtz damit inzwischen die halbe Stadt gegen sich aufgebracht hat. Selbst Politiker von CDU und SPD sind schon auf Distanz gegangen, die Linken und die Gewerkschaft Verdi halten es wie die Studenten und 120 Professoren. Sie fordern ihren Rücktritt.
Doch so leicht gibt 58-jährige, gebürtige Stuttgarterin nicht auf. Noch während vor ihrer Tür die Studenten toben sagt sie, sie fühle sich weiter von den Kollegen und der Politik getragen. Dass es eine Reihe von Professoren gebe, "denen mein hohes Tempo und mein klarer Ton (...) missfallen", tue ihr sehr leid. Sie werde sich bemühen, den Diskurs mit Demut, Geduld und Gelassenheit zu führen. "Andererseits", betont sie, "bin ich aber auch fest entschlossen (...), die Modernisierung unserer Universität in den nächsten Jahren weiter erfolgreich zu betreiben".

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