Missbrauch in Reinfeld : Rätsel um verschwundene Akte

Der Fall des damals 10-jährigen Mädchens aus Reinfeld (Kreis Stormarn) hatte ein Nachspiel im Innenausschuss des Landtages. Grund war eine verschwundene Akte.

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17. März 2011, 07:25 Uhr

Kiel | Der Fall des damals 10-jährigen Mädchens aus Reinfeld (Kreis Stormarn), an dem sich der Stiefvater zwischen 2003 und 2006 mehr als 40 Mal sexuell verging, hatte am Mittwoch ein Nachspiel im Innenausschuss des Landtages. Der Grund: Die Untersuchungsakte war drei Jahre lang verschwunden. Offenbar ging sie auf dem Weg von der Polizei zur Lübecker Staatsanwaltschaft verloren - und der Täter blieb jahrelang unbestraft.
Erst im August 2009 wurden die Strafverfolger durch eine Nachfrage des Jugendamtes auf den Fall aufmerksam, nahmen die Vernehmungen neu auf und verurteilten den 43 Jahre alten Stiefvater zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe. Wegen der rechtswidrigen Verfahrensverzögerung mussten ihm neun Monate der Strafe erlassen werden. "Wir werden jetzt genau prüfen, welche Sicherungsmechanismen eingebaut werden müssen, damit so ein Vorfall sich nicht wiederholen kann", kündigte Innenminister Klaus Schlie (CDU) an. Politisch sei er nicht verantwortlich, weil die Vorgänge sich vor seinem Amtsantritt abspielten.
Auch eine Befragung der Beteiligten durch den Ausschuss konnte das Rätsel nicht lösen. "Es gibt keinen Hinweis, dass die Akte bei uns angekommen ist", beteuerte Sönke Voss von der Staatsanwaltschaft Lübeck. Als das Mädchen 2006 bei einem Ladendiebstahl aufgegriffen wurde, machte sie eine Aussage über den Missbrauch. Die Polizei nahm das Mädchen sofort aus der Familie und legte die später verschwunden Akte zu dem Fall an.
(kim, shz)

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