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Strahlung in Häusern in SH : Radon: Die unsichtbare Gefahr im Keller

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ist die Wärmedämmung zu dicht, kann sich das radioaktive Gas Radon ansammeln. Die Stahlung erhöht das Krebsrisiko.

Kiel | Die Gefahr ist nicht zu spüren, aber real: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat am Montag vor wachsender radioaktiver Strahlung durch das natürliche Edelgas Radon in Wohnhäusern gewarnt.

Neben dem Rauchen gilt Radon als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Grund sind die Vorschriften zum energiesparenden Bauen: Weil inzwischen zur besseren Wärmedämmung „hermetisch abgeschlossene Gebäude“ angestrebt würden, sagte BfS-Präsident Wolfram König, könne eingedrungenes Radon „nicht mehr im natürlichen Luftaustausch etwa durch Fensterritzen“ entweichen. „Die Radon-Problematik wird dadurch größer“, warnte er.

Schon jetzt hält König die radioaktive Strahlung in Gebäuden für eine unterschätzte Gefahr. „Fünf Prozent der Lungenkrebstodesfälle in Deutschland führen wir auf Radon zurück – das sind 1900 Tote jährlich“, sagte er. Dass es darüber bisher „keine Debatte“ gebe, liege nur daran, „dass das Risiko im Alltag nicht wahrnehmbar ist“, sagte König.

Belastete Gebiete in SH.
Belastete Gebiete in SH.
 

Radon dringt aus dem Erdboden in Häuser ein, wenn die unten nicht gut abgedichtet sind. Die Belastung ist daher im Keller und Erdgeschoss am größten und nimmt nach oben hin ab. Regional ist das Risiko in früheren Uran-Bergbaugebieten in Ost- und Süddeutschland besonders groß, weil dort die Radon-Belastung des Bodens am höchsten ist. Doch auch in Schleswig-Holstein gibt es laut BfS stark belastete Spots – südlich von Kiel, westlich von Neumünster, nördlich von Hamburg und nahe der Grenze von Schleswig-Flensburg zu Nordfriesland. „Kein Bundesland ist frei von der Radon-Problematik“, sagte König.

Allen Bauherren und Eigentümern empfiehlt das BfS daher eine gute Abdichtung des Hauses zum Erdreich. „Ein Betonplatten-Fundament mit einer Folie erschwert den Zutritt von Radon“, erklärte König. Auch häufiges Lüften sei ratsam. Dagegen würden Risse in der Bodenplatte oder im Mauerwerk, undichte Rohre und zugige Kellertüren das Eindringen des Gases begünstigen. Ähnliche Hinweise gab eine Sprecherin des Kieler Umweltministers Robert Habeck. „Ein besonderer, weitergehender Radonschutz ist in Schleswig-Holstein aber nicht erforderlich“, sagte sie.

Als künftigen Radon-Richtwert für Wohngebäude forderte BfS-Chef König 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft – und damit einen strengeren Wert als die EU, die in ihrer Richtlinie für Strahlenschutz 300 Becquerel erlaubt. Bis 2018 muss Deutschland die Richtlinie umsetzen, kann dabei aber einen niedrigeren Wert festlegen. Die tatsächliche Durchschnittskonzentration von Radon in Häusern liegt derzeit bundes- wie landesweit bei 50 Becquerel.

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erstellt am 26.Okt.2015 | 20:07 Uhr

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