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Talk am Tor : Rader Hochbrücke: "Auf Verschleiß gefahren"

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Die Parteien sind sich einig: In der Vergangenheit wurde in der Infrastruktur viel versäumt. Wie es jetzt weitergehen soll, diskutierten Politiker und Wirtschaftsvertreter bei "Talk am Tor".

shz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 11:26 Uhr

Büdelsdorf |
Der analytische Blick zurück beim "Talk am Tor" immerhin offenbarte parteiübergreifende Gemeinsamkeit. Ja, räumte Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) ein, die Sanierung der Infrastruktur sei 20 Jahre lang "verschlafen" worden. Man habe auf Straßen und Brücken - nicht nur in Schleswig-Holstein - "seit Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren", assistierte der CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp. In Sichtweite hinter dem Politiker-Duo: Die seit gut zwei Wochen für den Schwerlastverkehr gesperrte Rader Hochbrücke in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der akute Sanierungsbedarf des Bauwerks über dem Nord-Ostsee-Kanal - er ist längst zum Symbol für eine lange Zeit fehlgeleitete Verkehrspolitik geworden.
Auf Einladung des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z) und des Privatsenders Sat1 diskutierten Verkehrspolitiker und Betroffene am Dienstagabend über Wege aus der Krise in der Verkehrspolitik. Über 80 Zuhörer wollten die Debatte im Druckzentrum des sh:z mitverfolgen.
Zur Sanierung der Infrastruktur im Norden hatte das Kabinett am Vormittag immerhin 18 Millionen Euro extra bereit gestellt - eine Entscheidung, die auch Arp begrüßte, wenn denn das Geld auch wirklich vorrangig verwendet werde, um marode Landesstraßen wieder flott zu machen. Meyer nickte. Lobenswert sei die Initiative, fand auch Thomas Rackow vom Unternehmensverband Logistik in Schleswig-Holstein. Rackows Mitglieder ächzen wie die gesamte Wirtschaft im Norden bis hinauf nach Dänemark darunter, dass die Kanalbrücke im Zuge der A7 derzeit dicht ist. Eine Million Euro koste das die Logistik-Branche - pro Tag, rechnete Rackow vor.

Neue Elbquerung als Entlastung?

Betroffen schaut da auch der Grünen-Verkehrspolitiker Andreas Tietze. Nein, beteuert Tietze, Grüne hätten keine Straßenphobie. Doch statt "neue virtuelle Großprojekte" anzugehen, solle lieber die Substanz erhalten werden. Sogar einen kombinierten neue Straßen-Schienen-Tunnel unter dem Kanal bringt Tietze ins Gespräch - um auf Nachfrage einzuräumen, dass in diesem Fall die seit Jahrzehnten geplante neue Elbquerung bei Glückstadt im Zuge der A20 tatsächlich tot wäre. Das ließ der Hauptgeschäftsführer der IHK Kiel, Jörn Biel, nicht so stehen. Wäre die Elbquerung fertiggestellt, gibt Biel zu bedenken, "dann hätten wir die aktuellen Probleme nicht", jedenfalls nicht in dem Ausmaß. Verkehre hätten dann eine Ausweichmöglichkeit über die Elbe. Mit Blick auf die A7 rechnet Biel auch weiterhin mit Ungemach: "Nach der Sanierung der Rader Brücke beginnt der dreispurige Ausbau." Anders als sein Koalitionspartner Tietze stellte sich Verkehrsminister Meyer deutlich hinter das Projekt A20. "Wir werden noch in dieser Legislaturperiode die Abschnitte in Schleswig-Holstein einschließlich der westlichen Elbquerung fertigplanen", versprach er. Aber erst als Gesamtprojekt werde sie ihre volle Wirkung entfalten. Und das lasse sich nur im Verbund aller norddeutschen Länder erreichen.
Einig waren sich alle Teilnehmer der Diskussion, dass so schnell wie möglich mit den Planungen für einen Ersatz der Rader Brücke begonnen werden müsse. Per Tunnel könne dann auch leicht die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke unter den Kanal verlegt werden. Wie lange solche Planungen und der nötige Bau dauern würden, blieb offen. Vorschlag des Geschäftsführers im Arbeitgeberverband Flensburg-Schleswig-Eckernförde, Fabian Geyer: Sollen doch die Dänen das Projekt in Absprache mit der Bundesregierung planen, bauen und finanzieren. "Dann geht es bestimmt schneller", sagt Geyer, der die Debatte im Druckzentrum stumm beobachtet hat.

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