Drei Prozent Zinsen : Quickborn leiht sich Geld bei Bürgern

Quickborn hat sich schon  insgesamt 200.000 Euro von seinen Bürgern gepumpt.
Quickborn hat sich schon insgesamt 200.000 Euro von seinen Bürgern gepumpt.

Diese Idee ist einmalig in Schleswig-Holstein: Um die laufenden Ausgaben zu finanzieren, sammelt die Stadt Quickborn Geld bei ihren Einwohnern ein - und zahlt dafür gute Zinsen.

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13. August 2009, 12:11 Uhr

Quickborn/Kiel | Not macht erfinderisch: Weil die 20.000 Einwohner zählende Stadt Quickborn nicht mehr weiß, wie sie Schulbauten und Personal bezahlen soll, leiht sie sich neuerdings Geld bei den Bürgern und zahlt dafür drei Prozent Zinsen. "Da eine Kommune nicht pleite gehen kann, ist die Anleihe sicher und der Zinssatz im Vergleich höher, als er derzeit für ähnlich sichere Anlagen geboten wird", wirbt Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) bei den Einwohnern für dieses unorthodoxe Finanzierungsmodell, das landesweit einmalig sein dürfte.
Mit Erfolg: Es wurden schon Darlehnsverträge über insgesamt 200.000 Euro unterschrieben. Dafür zahlt die Stadt weniger Zinsen, als auf dem Kapitalmarkt in Zeiten der Kreditklemme fällig wären. "Zudem bleiben die Zinsen am Ort und gehen nicht an irgendwelche Banken", ergänzt Kämmerin Meike Wölfel.
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Im Kieler Innenministerium zeigte man sich gestern überrascht. "Wir werden die Stadt Quickborn um einen Bericht bitten, um die Rechtmäßigkeit zu prüfen", erklärt Ministeriumssprecher Thomas Giebeler. Ob es sich um ein Bankgeschäft handelt, das dem Kreditwesengesetz unterliegt, ist zurzeit noch unklar. Marc Ziertmann vom Schleswig-Holsteinischen Städtetag hingegen ist begeistert: "Das ist ein spannender Prozess aktiver Bürgerbeteiligung und ein Paradebeispiel für kommunale Selbstverwaltung", sagte er.

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