Lübeck : Quecksilber-Fund bei Ausgrabungen

Bei Ausgrabungen in Lübeck sind Archäologen auf einen seltenen Fund gestoßen: Quecksilber. Das ist wissenschaftlich bedeutend - bringt aber Probleme.

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22. März 2011, 08:11 Uhr

Lübeck | Archäologen sind bei Ausgrabungen im Lübecker Gründerviertel auf einen äußerst seltenen Fund aus dem 14. oder 15. Jahrhundert gestoßen: In der Verfüllung einer holzausgesteiften Grube haben die Mitarbeiter des Bereichs Archäologie und Denkmalpflege Quecksilber gefunden. Es ist erst das zweite Mal, dass dieses Schwermetall bei archäologischen Untersuchungen in Deutschland gefunden wurde. Der Lübecker Fund datiert in das 14./15. Jahrhundert und wurde offensichtlich von einem hier produzierenden Handwerker in der Grube entsorgt. Quecksilber kam im Mittelalter unter anderem bei der Herstellung von Spiegeln oder bei der Feuervergoldung zum Einsatz. Für zwei Nachbargrundstücke sind in den schriftlichen Quellen Spiegelmacher belegt. Möglich ist aber auch, dass hier ein Apotheker oder ein Alchemist arbeitete.
Das Quecksilber soll jetzt vorsichtig geborgen und anschließend naturwissenschaftlich untersucht werden. Die genaue Zusammensetzung wird vermutlich genauere Informationen zum Produktionsprozess oder auch zur geographischen Herkunft des Schwermetalls ermöglichen. Quecksilber ist extrem giftig. Schon bei geringen Temperaturen kontaminiert es beim Verdunsten die umgebende Luft, weshalb es auch von den Grabungsmitarbeitern sofort nach Auffindung wieder mit einer dicken Sandschicht überdeckt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Bereich Umweltschutz wird jetzt ein Konzept erarbeitet, um das Quecksilber zu bergen und das bereits kontaminierte Erdreich fachgerecht entsorgen zu können.
(shz)

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