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Schlägerei in Rendsburg : Prügelopfer Angus: Sein Leben nach dem Koma

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Im Dezember 2007 war Angus Borowski in Rendsburg halb tot geprügelt worden. Jetzt sprechen die Eltern des 16-Jährigen.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2009 | 05:39 Uhr

Geesthacht/Rendsburg | Sieben Monate Koma, 13 Operationen, zwei Schlaganfälle und ein Herzstillstand - dass Angus Borowski überhaupt noch lebt, ist ein Wunder. "Die Ärzte haben uns damals keine Hoffnung gemacht", erinnert sich Marina Borowski. Die Mutter des 16-Jährigen ringt noch immer mit den Tränen, wenn sie an die Ereignisse in der Nacht auf den 9. Dezember 2007 denkt. In jener Nacht wurde ihr Sohn in Rendsburg von zwei Jugendlichen zum Krüppel geschlagen.
Marina und ihr Mann Jörg Borowski haben akzeptiert, dass Angus sein Leben lang ein Pflegefall bleibt. Aber sie haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich der Zustand ihres Sohnes noch verbessern wird. In einem neurologischen Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Geesthacht, in dem Angus derzeit betreut wird, habe er gute Fortschritte gemacht. Zwar sei seine linke Körperhälfte noch gelähmt und sein Sichtfeld stark eingeschränkt: "Aber er kann mit uns sprechen. Das ist sehr viel wert", sagt Jörg Borowski. Ziel seines Sohnes sei es, wieder laufen zu können und einen Schulabschluss zu machen. Dennoch: "Ohne Hilfe wird er niemals leben können."
Und genau das bereitet den Eltern Sorgen. Denn die Zukunft von Angus ist finanziell überhaupt nicht abgesichert. "Von den Tätern wird nichts zu holen sein", sind sich beide sicher. Sie fordern, dass die Versicherung des Schultz-Hencke-Heimes zahlt, in dem ihr Sohn seit dem 8. November 2007 untergebracht war. "Die Tat hat sich gegen Mitternacht ereignet. Zu dieser Zeit hätten Angus und die Täter, die ebenfalls in dem Heim wohnten, längst im Bett liegen müssen", sagen die Eltern und werfen der Rendsburger Einrichtung vor, die Aufsichtspflicht verletzt zu haben. Zumal ihnen zugesichert worden sei, dass ihr Sohn in den ersten sechs Wochen unter besonderer Aufsicht stehe.
Heim als Schutz vor schiefer Bahn
Mit gutem Gewissen hatten Marina und Jörg Borowski ihren Sohn in das Heim gegeben. "Er hatte begonnen, die Schule zu schwänzen und drohte, auf die schiefe Bahn zu geraten", berichtet der Vater. Er und seine Frau, die mit Angus damals in Berlin lebten, entschieden sich auf Empfehlung des Jugendamtes für das Heim im "ruhigen Rendsburg". Eine Fehlentscheidung. "Bei den Gerichtsverhandlungen haben wir erfahren, dass in dem Heim auch junge Gewaltverbrecher wohnten. Das wurde uns verschwiegen." So sei der 16-jährige, mehrfach vorbestrafte Haupttäter, der zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, erst zwei Wochen zuvor aus einer Psychiatrie entlassen worden.
Mit dem Versuch einer außergerichtlichen Einigung sind die Eltern, die inzwischen zu ihrem Sohn nach Geesthacht gezogen sind, gescheitert. "Jetzt ziehen wir vor Gericht." Unterstützung bekommen sie bei ihrem Kampf von Peter Schmid. Der Vorsitzende des Fördervereins zur Unterstützung schwerst erkrankter und behinderter Kinder will Bundespräsident Horst Köhler einschalten: "Es muss etwas passieren. Das Heim hat ganz klar die Aufsichtspflicht verletzt."

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