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Prozess um die feinen Ohren von Polizisten

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Kurioser Fall: Beamte aus großer Höhe beleidigt

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Elmshorn | Haben die Polizisten in Elmshorn (Kreis Pinneberg) gute Ohren, oder ist es zwischen zwei Hochhäusern in einer lauen Nacht tatsächlich ziemlich hellhörig? Mit dieser Frage muss sich das Elmshorner Amtsgericht derzeit beschäftigen - das eher kuriose Ende einer Partynacht.

Eigentlich wäre es eine Routine-Sache: Die 24-jährige Jasmin V. steht vor Gericht, weil sie zwei Polizisten mit der Abkürzung "ACAB" ("All Cops are Bastards") - zu Deutsch: "Alle Polizisten sind Bastarde" - beleidigt haben soll. Beide Polizisten wollen die Beleidigung deutlich gehört haben. Damit wäre die Sache klar. Doch als die mutmaßliche Pöblerin die Worte ausgestoßen haben soll, befand sie sich in einer Gruppe von acht Feiernden auf einem Balkon - zehn Stockwerke über den Polizisten, die am Hauseingang standen. Gesehen haben die Beamten die junge Frau nicht - aber gehört und an ihrer Stimme erkannt, so die Polizisten.

Rückblende: Der 2. September 2012, 3.35 Uhr. In einer Wohnung im zehnten Stock des Hochhauses feiern acht Freunde. Von der Musik genervt, rufen die Nachbarn die Polizei, die wenig später anrückt. Zu dem Zeitpunkt steht die Angeklagte Jasmin V. in der offenen Balkontür der Wohnung im zehnten Stock - das berichtet sie vor Gericht. Es ist ein lauer Abend, mehrere Gäste sind auf dem Balkon. "Jemand bemerkte unten Taschenlampen", sagte die 24-Jährige. Schnell sei man darauf gekommen, dass es sich um Polizisten handeln müsse. Einer der Gäste habe ein T-Shirt mit der Aufschrift "ACAB" getragen, "ich meinte nur: das ist doch voll peinlich, wenn jetzt die Polizei kommt." Dann hätten sie gewitzelt, was die Abkürzung noch so heißen könnte - etwa "All Cops are beautiful" ("Alle Polizisten sind hübsch"), man habe sich eben ein paar Bedeutungen ausgedacht. "Aber ich habe nicht ausgesprochen, was es eigentlich heißt und schon gar nicht gerufen. Vielleicht habe ich laut gesprochen, aber das hätte ich schon runter gröhlen müssen", stellte sie fest.

Angesichts des Höhen unterschiedes zwischen den Konfliktparteien war selbst die Richterin skeptisch, ob man die Angeklagte überhaupt hätte hören können. "Zu der Jahreszeit ist es hellhörig, wir hatten keinen starken Wind", gab einer der Beamten zu bedenken, ohnehin sei es "problemlos" möglich, sich "von dort oben mit jemanden unten zu verständigen". Für Verteidiger Christoph Heer reichte das nicht. Er stellte einen Beweisantrag, mit dem vor Ort gezeigt werden soll, dass "das Vernehmen der Stimme, auch zur Nachtzeit, nicht möglich ist". Ein nächtlicher Ortstermin oder das Gutachten eines Sachverständigen sollen Klarheit bringen. Bis dahin wurde das Verfahren ausgesetzt.

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