Tribüne der Emotionen : Protest und Siegeszeichen zum ECE-Center

Äußerlich völlig gelassen verfolgte Jens Kohlmorgen vom Investor ECE von der Zuschauertribüne aus die Debatte. Emotionen erlaubte er sich erst nach der Entscheidung. Foto: Ziehm
Äußerlich völlig gelassen verfolgte Jens Kohlmorgen vom Investor ECE von der Zuschauertribüne aus die Debatte. Emotionen erlaubte er sich erst nach der Entscheidung. Foto: Ziehm

Selten war die Zuschauerempore im Neumünsteraner Ratssaal so begehrt wie bei der Entscheidung zum Einkaufszentrum. Ruhig blieb es dort am Dienstagabend nicht.

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21. März 2013, 09:28 Uhr

Neumünster | So begehrte Plätze gibt es sonst wohl nur in der Bundesliga, etwa bei Dortmund gegen Bayern. Schon eine gute halbe Stunde, bevor der Stadtpräsident dieses "Spiel" eröffnete, strömten die ersten Besucher auf die Zuschauerempore über dem Ratssaal. Wohl niemand, der eine der 55 Zuschauer-Tickets ergattert hatte, wollte sich entgehen lassen, die historische Entscheidung pro oder contra Einkaufszentrum live mitzuerleben.

An Spannung mangelte es nicht, auch wenn sich die Partie in den ersten 90 Minuten durch überlange Redebeiträge doch recht hinzog. Selbst der SPD-Vorsitzende Fred Brocksema, der zugunsten von Altbürgermeister Dr. Uwe Harder auf seinen Sitzplatz auf der Empore verzichtet hatte und die Debatte stehend verfolgte, verließ irgendwann entnervt den Saal.

Vor der Tür wetterte er erst einmal auf BFB-Fraktionchef Jörn Seib, der im Plenum zu einer Marathonrede angesetzt hatte: "Man muss nicht die ganze Center-Geschichte über sechs Jahre noch einmal erzählen, um zu einer Aussage zu kommen", sagte Brocksema. "So schafft man Politikverdrossenheit."

ECE-Vertreter verziehen keine Miene

Grünen-Drahtzieher Sebastian Fricke spielte auf der Tribüne unterdessen mit seiner Tochter auf dem I-Pad und achtete mit einem Auge darauf, was seine Frau Olga "unten" in der gespaltenen Grünen-Fraktion machte. Fricke, wie seine Frau überzeugter Befürworter des Centers, gab sich darüber hinaus aber recht gelassen: "Alle Worte sind gesagt, von hier oben können wir ohnehin nicht mehr viel steuern", begründete der Grüne das entspannte Spiel mit dem Töchterchen. Noch "cooler" gaben sich lediglich die drei Vertreter von ECE, Jens Kohlmorgen, Marcus Janko und Timm Balzerowitz. Mit keiner Miene reagierten sie auf die teils emotionsgeladene Debatte.

Erst als Stadtpräsident Strohdiek zur namentlichen Abstimmung aufrief, kam wieder Bewegung in die Reihe auf der Tribüne. Gespannt beugten sich die Besucher noch ein wenig weiter über das Geländer, einige hielten die historische Szene auf dem Handy fest. Bei der Abstimmung hielten sich dann das Kopfschütteln und die geballten Fäuste als Siegeszeichen fast die Waage. Fast so wie im Stockwerk tiefer.

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