Ölwehrübung auf der Elbe : Probleme mit Strömung und Flachgewässern

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne, links) nimmt am Sonnabend in Kollmar (Kreis Pinneberg) Torf, das Ölplacken darstellen soll. Foto: dpa
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Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne, links) nimmt am Sonnabend in Kollmar (Kreis Pinneberg) Torf, das Ölplacken darstellen soll. Foto: dpa

Popcorn auf der Elbe, Plastikvögel am Strand: Was sich wie ein Ulk anhört, hatte einen ernsten Hintergrund. Feuerwehren, THW und freiwillige Helfer übten die Bekämpfung einer Ölpest.

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02. September 2012, 10:25 Uhr

Kollmar | 500 Tonnen Öl auf der Unterelbe nach einer Schiffskollision - das war am Sonnabend das Szenario einer großen Katastrophenschutzübung zwischen Wedel und Glückstadt. Rund 500 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, der DLRG und anderen Dienststellen waren nach Angaben des Umweltministeriums im Einsatz, um die mit sieben Kubikmetern Popcorn simulierte Umweltkatastrophe zu bannen. Der Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz, Johannes Oelerich, zog anschließend eine positive Bilanz: "Die Vorbereitung und Durchführung haben prima geklappt." Nach seinen Worten war es die bislang größte Ölwehrübung in Schleswig-Holstein.
Umweltminister Robert Habeck (Grüne) nahm selbst an der Übung teil. Gekleidet in weißen Schutzanzug mit Brille, Mundschutz und türkisfarbenen Gummihandschuhen sammelte er am Strand von Kollmar (Kreis Steinburg) Torf ein, der Ölreste darstellen sollte. Auf der unter Naturschutz stehenden Elbinsel Pagensand landete der Grünen-Politiker mit dem Hubschrauber und "rettete" Vögel aus Plastik. Diese sollten ölverschmutzte Tiere darstellen. "Trotz des Einsatzes modernster Technik, trotz Ölsperren, Ölauffanggeräten, speziellen Schiffen und Amphibienfahrzeugen wäre in einer echten Situation immer viel Handarbeit zu leisten", erklärte der Minister. Moderne Technik wurde allerdings auch erprobt, so etwa das Geländefahrzeug "Polaris".
Krafstofftank eines Containerschiffs schlägt leck
Bei dem Szenario wurde angenommen, dass bereits vier Tage zuvor ein großes Containerschiff einen kleineren Frachter auf der Elbe bei Stadersand gerammt hat und der Kraftstofftank des Containerschiffs leckgeschlagen ist. Gezeitenströme verteilen das Öl zwischen Glückstadt und Wedel. Als Vorlage habe nicht ein bestimmtes Unglück gedient, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Die Unterelbe stelle für die Rettungsdienste jedoch eine besondere Herausforderung dar.
Schiffsverkehr, Strömungen, Wattgebiete und viele Nebenflüsse und Einmündungen erschwerten die Bekämpfung einer Ölverschmutzung. Das habe sich auch bei der Übung am Sonnabend gezeigt, erklärte Oelerich. "Bei der Absperrung von Nebengewässern gibt es eine Grenze, wenn Ölsperren mit flachgehenden Booten bei starker Strömung in Position gebracht werden sollen." Die Helfer müssten sich im Ernstfall auf ganz verschiedene Landschaftsformen einstellen: Naturschutzgebiete, Schlickwatt, Sandstrand und Uferbefestigung wie Deiche. Gerade im Erkennen solcher Probleme sah der Küstenschutz-Direktor aber den Sinn der Aktion: "Es ist wie bei jeder Übung, dass einige Mängel bei technischem Gerät und Kommunikationsmitteln erkannt werden und für die Zukunft vermieden werden können."
Habeck betonte: "Schiffsunfälle sind eine reale Gefahr für unsere Meere. Darauf müssen wir vorbereitet sein, um im Ernstfall alles tun zu können, um unsere Umwelt zu schützen." Der Minister, der die Übung auch von einem Speedboot aus beobachtete, zeigte sich begeistert vom Engagement der vielen Helfer aus allen Teilen Schleswig-Holsteins. "Das Beeindruckendste war, wie viele Ehrenamtliche im Einsatz waren", sagte er.

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