Vorwurf der Tierquälerei : Probebetrieb im Bad Bramstedter Schlachthof

Polizisten durchsuchten am Dienstag den Betrieb in Bad Bramstedt.
Polizisten durchsuchten am 25. Februar den Betrieb in Bad Bramstedt.

Vor einer Woche wurde ein Schlachthof in Bad Bramstedt gesperrt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Tierquälerei und mangelnder Hygiene. Experten testen die Tötungsanlage.

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04. März 2014, 15:59 Uhr

Bad Bramstedt | Ein wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz geschlossener Schlachthof in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) hat am Dienstag die Arbeit wieder aufgenommen - allerdings nur für einen mehrstündigen Probebetrieb. Dieser sollte einem Gutachter die Überprüfung der Tötungsanlage unter realen Abläufen ermöglichen, wie das Agrarministerium in Kiel mitteilte.

Nach Darstellung des niederländischen Lebensmittelkonzerns Vion stellten die Gutachter dem Betrieb ein gutes Zeugnis aus. Das Unternehmen beantragte daraufhin beim Landkreis die Aufhebung der vom Ministerium angeordneten Produktionssperre. Gegen die Ordnungsverfügung aus Kiel sei ein Eilrechtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig eingeleitet worden, teilte ein Vion-Sprecher weiter mit.

Zuvor hatte der Sachverständige die Anlage als grundsätzlich geeignet eingestuft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Vorwürfen möglicher Tierquälerei und wegen des Verdachts mangelnder Hygiene gegen die Betreiber des Schlachthofs. Die Tötungen der Tiere sollen nicht gemäß den geltenden Gesetzesvorschriften erfolgt sein.

Der Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs hat das Ministerium noch nicht wieder zugestimmt. „Dies kann erst erfolgen, wenn die erforderlichen Gutachten ausgewertet und daraufhin überprüft worden sind, ob alle Mängel abgestellt wurden“, teilte eine Sprecherin mit. Zudem bestünden weiter Zweifel, ob beim Betreiber das entsprechende Problembewusstsein vorhanden sei und er „künftig in der Lage sein wird, angemessene Garantien für einen ordnungsgemäßen Betrieb zu geben“.

Nach Angaben des Kreises wurden drei Gutachter beauftragt, den baulichen Zustand und die Hygiene, die Betäubung und Tötung der Tiere sowie die „Abläufe der amtlichen Überwachung“ zu bewerten. Das Gutachten zur Hygiene werde bereits ausgewertet, hieß es.

Das Agrarministerium hatte die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und den Schlachthof nach einer Razzia am 25. Februar gesperrt. Bereits 2012 hatte es Ermittlungen gegen den Betrieb gegeben. Anlass war damals eine anonyme Anzeige. Das Verfahren sei aber eingestellt worden, sagte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Laut damaliger Auskunft der Veterinärbehörden hätten keine Beanstandungen vorgelegen.

Der Schlacht- und Zerlegebetrieb ist nach Angaben von Vion einer der größten Rindfleischbetriebe in Norddeutschland mit bis zu 500 Schlachtungen am Tag. An dem Standort arbeiten 330 Menschen. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die täglichen Verluste lägen bei 100.000 Euro. Am Mittwochnachmittag beschäftigt sich auch der Umwelt- und Agrarausschuss des Landtags mit dem Fall des Schlachthofs.

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