"Verfügbarkeitsmodell" : Private Investoren sollen A7 ausbauen

Beim Ausbau der A7 auf schleswig-holsteinischen Gebiet versucht es der klamme Bundesverkehrsminister mit privaten Investoren im "Verfügbarkeitsmodell".

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21. Juni 2012, 06:55 Uhr

Kiel/Hamburg | So ist in Deutschland noch kein Autobahnprojekt finanziert worden: Beim Ausbau der A7 auf schleswig-holsteinischen Gebiet versucht es der klamme Bundesverkehrsminister mit privaten Investoren im "Verfügbarkeitsmodell". Dabei wird der Auftrag zur Verbreiterung der Strecke Bordesholmer Dreieck bis Dreieck Nordwest (Hamburg) von vier auf sechs Spuren an ein Konsortium gehen, das nicht nur den Bau des 65 Kilometer langen Abschnitts besorgt, sondern auch für 30 Jahre dessen Betrieb übernimmt.
Der Bund leistet eine Anschubfinanzierung von 258 Millionen Euro. Für den Betrieb erhält die private A7-Projektgesellschaft dann über die 30-jährige Konzessionsdauer Geld aus dem Lkw-Maut-Aufkommen. "Der Investor erhält ein regelmäßiges Entgelt, muss dafür aber bestimmte Leistungen garantieren", so Marcus Kleiner, Leiter des Bereichs Infrastruktur bei der HSH Nordbank, die als Finanzier mit an Bord ist. Laut Kleiner macht der Bund der Projektgesellschaft strikte Vorgaben: Sie muss die Autobahn instandhalten, reparieren, von Eis und Schnee befreien, nach Ablauf der 30 Jahre in Topzustand übergeben - und all das solide finanzieren. Ist die A7 - etwa wegen langwieriger Baustellen - nicht verfügbar, darf der Bund dem Investor Zahlungen kürzen. Kleiner: "Im schlimmsten Fall gibt es für die Projektgesellschaft gar nichts." Genau darin liege der Anreiz für private Geldgeber, die Strecke optimal in Schuss zu halten. Profitieren sollen am Ende alle: Der Investor macht Profit, der Staat spart Geld und der Fahrer freut sich über eine breitere Autobahn in guter Verfassung.
Kleiner rechnet für das Gesamtvorhaben mit einem Kostenrahmen zwischen 450 und 500 Millionen Euro. Die HSH steht drei der fünf Bewerber als Finanzpartner zur Seite. Fünf Konsortien haben Gebote eingereicht, darunter die drei einheimischen Größen Hochtief, Strabag und Bilfinger/Berger. Den Zuschlag will der Bund Ende 2013 erteilen, der Ausbau soll Anfang 2014 beginnen.

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