Karl-May-Spiele in Bad Segeberg : Premiere am Kalkberg: Der Wilde Westen ruft

Blutsbrüder: Howard Carpendale als Old Shatterhand und Jan Sosniok als Winnetou reiten bei der Premiere durch die Kalkberg-Arena.
1 von 4
Blutsbrüder: Howard Carpendale als Old Shatterhand und Jan Sosniok als Winnetou reiten bei der Premiere durch die Kalkberg-Arena.

Mit Winnetou und Old Shatterhand bringen die Karl-May-Spiele den Wilden Westen nach Bad Segeberg - seit 1952 in jedem Sommer. Doch das Stück der 63. Saison gab es selten.

shz.de von
29. Juni 2014, 11:44 Uhr

Bad Segeberg | Der Wilde Westen riecht nach Pommes und Popcorn. Die Kriegsbemalung gibt es gleich hinter dem Einlass. Für den Indianerüberfall und knallende Colts ist am besten gewappnet, wer Wolldecke und Regenjacke dabei hat. Und wo eben noch Countryrock von The BossHoss aus den Lautsprechern dröhnte, macht jetzt eine der berühmtesten Filmmelodien unmissverständlich klar: Das Abenteuer beginnt - Winnetou und Old Shatterhand reiten wieder durch die Kalkberg-Arena. Die Blutsbrüder von Bad Segeberg haben am Wochenende die 63. Saison der Karl-May-Spiele eröffnet.

Für die beiden Hauptdarsteller Jan Sosniok (46) als Apachenhäuptling Winnetou und Wayne Carpendale (37) als Old Shatterhand ist es nach der im vergangenen Sommer besiegelten Blutsbrüderschaft die zweite gemeinsame Spielzeit am Kalkberg. Mehr als 322.000 Zuschauer hatten ihre Vorstellungen von „Winnetou I“ gesehen - nun knüpfen sie mit Silberbüchse und Henrystutzen unmittelbar an jene Geschichte an. Mit einem „selten gespielten Schatz aus der Feder von Karl May“, wie Ute Thienel, Geschäftsführerin der Festspiele, zur Premiere am Samstagabend betont. „Unter Geiern - Der Geist des Llano Estacado“ steht seit 1952 erst zum dritten Mal auf dem Spielplan der Karl-May-Spiele. Regisseur Norbert Schultze jr. indessen bringt seine nunmehr 14. Inszenierung in dem Freilichttheater auf die Bühne - und erntet dafür begeisterten Applaus von den 7500 Zuschauern am ausverkauften Premierenabend.

Rund zwei Stunden lang entführen er und 80 Mitwirkende das Publikum - besonders für Familien unterhaltsam - in das 1864 angesiedelte Wild-West-Abenteuer von Karl May (1842-1912), auf das auch andere Festspiele gerade setzen: Elspe im Sauerland zeigt es seit Mitte Juni.

Der Segeberger Llano Estacado ist eine Wüstenlandschaft mit Kakteenfeld, in der es jede Menge Action und Stunts, wilde Reitkünste und Pulverdampf, aber auch Humor und Witze gibt. 23 Pferde, ein Adler und ein Geier sind dabei, wenn es Winnetou und Old Shatterhand mit skrupellosen Gangstern - den „Geiern“ - zu tun bekommen. Im Llano Estacado führen diese Reisende bewusst und gefährlich in die Irre. Außerdem hat ein Indianerstamm das Kriegsbeil ausgegraben. Und zu allem kommt noch der Geist des Llano Estacado hinzu, dem Winnetou plötzlich gegenüber steht.

Als Winnetou und Old Shatterhand das erste Mal durch die Arena reiten, schauen auch zwei besondere Premierengäste genau hin: Gojko Mitic, der selbst 15 Jahre lang den edlen Apachen am Kalkberg gab, und Schlagersänger Howard Carpendale, Vater von Wayne. Auch Gaststar Christian Kohlund (63) kennen die Zuschauer wie den Ex-„GZSZ“-Darsteller Sosniok und den einstigen „Landarzt“ Carpendale vor allem aus dem Fernsehen, etwa aus dem ARD-„Traumhotel“. Anders als die Blutsbrüder kommt er in einer Kutsche eingefahren - als falscher Priester und aktueller Bösewicht.

Zwei am Eröffnungsabend ebenfalls gefeierte Publikumslieblinge indessen sind den Segebergern aus der eigenen Arena bekannt: Joshy Peters (56) gehört bereits seit 27 Jahren zum Ensemble und sorgt diesmal als Buffalo Bill mit Reit- und Schießkünsten, Messerwerfern und Jongleuren für eine zusätzliche Wild-West-Show in der Wild-West-Show. Uwe Karpa (68) war schon Kantor und Quacksalber, nun zieht er als Professor Schmalfuß in den Wilden Westen - mit explosiven Experimenten und sächsischem „ei verbibbsch“, mit Kalauern und Gags, die besonders den Kindern Spaß machen.

Nach einem packenden Finale, in dem es Kanonen, Schießereien und Explosionen gehörig krachen und qualmen lassen und Schauspieler und Stuntmen sich in wilde Kämpfe stürzen, beenden Fackelschein und Feuerwerk die erste Vorstellung - gefolgt von begeistertem Beifall. 72 Mal wollen die Karl-May-Spiele ihre Produktion bis zum 7. September aufführen und hoffen, dass ihre Geschäftsführerin mit ihren Begrüßungsworten recht behält: das Wetter stehe „unter einem absolut gutem Stern“. Zumindest bei der Premiere bleiben die, die trotz Fußball-WM aufgebrochen sind, trocken. Die Regenjacke braucht es nicht auf dem ersten Kriegspfad.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen