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Flensburg : Prähistorisches Rasseln im Bandland

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Archäologe Dr. Bernd Zich verbindet seinen Beruf mit seinem musikalischen Hobby: Mit Rasseln, die rund 3000 Jahre alt sind, spielt er Songs der Rolling Stones nach.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2010 | 12:15 Uhr

Flensburg | Der Rhythmus stimmt. Tschicka schicka tschicka schicka - "please allow me to introduce myself..." So beginnt einer der berühmtesten Songs der "Rolling Stones", und natürlich haben ihn auch die Flensburger Steine im Repertoire. Bernd Zich, obwohl eigentlich Bass-Mann, schüttelt das Intro von "Sympathy for the Devil" recht passabel. Etwas lauter dürfte es gern sein, doch das lassen seine Instrumente nicht zu. Die Rasseln, die Zich schüttelt, sind rund 3000 Jahre alt und kommen dieser Tage zu ganz neuen Ehren.
Zich ist seit drei Jahren Abteilungsleiter im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale). Die komplette Ausstellung wird derzeit neu aufgebaut und modernisiert. Zu den Exponaten gehört eine kleine Sammlung kleiner Figuren aus Ton. Sie sind hohl und mit kleinen Steinchen oder Tonkugeln gefüllt. Es sind Rasseln, frühe Musikinstrumente der Vorfahren der Menschen aus dem Bereich des heutigen Sachsen-Anhalts. Einige haben die Form eines Vogel, eine sieht wie ein Fisch aus, wieder andere sind einfach nur runde Hohlkörper. "Die ganz kleinen Hohlfiguren könnten auch Kinderspielzeug gewesen sein", meint Zich, "denn sie wurden in Kindergräbern gefunden. Und sie sind noch etwas leiser." In der Tat: Man muss schon nah am Ohr schütteln, um das leise Rasseln zu hören.
"Wir wollen die Geräte nicht nur zeigen, sondern auch hörbar machen"
Jetzt hat Zich die Sammlung quasi an sich selbst ausgeliehen und mit auf einen Heimaturlaub nach Flensburg genommen. Denn jetzt müssen sich die prähistorischen Percussionsgeräte im Ernstfall bewähren: Es geht ins Studio. "Wir wollen die Geräte nicht nur zeigen, sondern auch hörbar machen", erläutert der musikalische Museumsmann. Da die Besucher nicht selbst rasseln dürfen - die Dinger sind zu selten und zu wertvoll - werden die Geräusche gesampelt, also digital aufgenommen. Das macht man im Studio, und zwar mit Profis. Jetzt kommt Zichs zweites Leben als Bassmann der "Rohling Schdons" ins Spiel. Er macht sich das Know-how seines Bandkollegen Frank Grube zunutze und geht mit den kleinen Tonfiguren in dessen "Bandland"-Studio. Zum Schütteln bittet er einen, der wie kein anderer dauerhaft einen Ryhthmus halten kann: "Schdons"-Drummer Michael Fecker, Flensburger Schlagzeug-Legende, einst Weltrekordler im Dauer-Trommeln. "Wie ein Uhrwerk!", lobt Zich.
In der fertigen Ausstellung können die Besucher ab 2011 kleine Schubladen öffnen, in denen die Rasseln liegen. Mit dem Öffnen ist dann automatisch der Klang zu hören. Vielleicht sogar noch mehr - "wir denken darüber nach, etwas Zeitgeist mit reinzubringen", deutet Bernd Zich an. Zum rhythmischen Rasseln könnte man etwa einen passenden Text rappen. Näheres ergibt sich vielleicht im Studio. Ein Besuch des Landesmuseums lohnt sich in jedem Fall auch vorher schon - immerhin gibt es dort die weltberühmte Himmelsscheibe von Nebra zu sehen.

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