PR-Lüge aus Tirol : PR-Ethik-Rat rügt Pistenraupen-Fake von Seefeld

Die richtige Pistenraupe im falschen Seefeld. Statt ins Skigebiet nach Tirol brachte der Spediteur die Maschine nach Schleswig-Holstein.
Nur ein Fake: Die Pistenraupe stand im falschen Seefeld. Verfahren hatte sich aber niemand.

Gelogen, um der Aufmerksamkeit willen: Eine Pistenraupe wird angeblich aus Versehen ins falsche Seefeld geliefert.

shz.de von
15. Februar 2017, 11:00 Uhr

Seefeld | Die PR-Lüge um eine Pistenraupe in Seefeld sorgte im November erst für Schmunzeln - und dann für Kopfschütteln. Der Tourismusverband Olympiaregion Seefeld hatte sich die Geschichte ausgedacht und in Umlauf gebracht: Eine Pistenraupe sei angeblich aus Versehen statt nach Seefeld in Tirol nach Seefeld in Stormarn geliefert. Nichts daran war wahr, der Pressesprecher präsentierte sogar falsche Bilder und einen Kabarettisten, der sich in Interviews als Lkw-Fahrer „Zladko“ ausgab. Auch shz.de berichtete über den Fall. Jetzt hat der PR-Ethik-Rat in Österreich eine Rüge gegen den Tourismusverband ausgespochen. Der sh:z hatte im November Beschwerde eingelegt.

Gerade in Zeiten von Fake-News, postfaktischen Argumentationen und „Lügenpresse“-Vorwürfen ist diese Art der Irreführung fatal. Journalisten wurden bei ihren Recherchen zu den Fall gezielt belogen. shz.de hat den Rechercheweg der Redaktion hier offengelegt.

In der Begründung der Rüge heißt es: „Der Tourismusverband Olympiaregion Seefeld mag mit der Aktion keine Irreführung der Medien und MedienrezipientInnen beabsichtigt haben. (...)“. Trotzdem bleibe „die Tatsache, dass die Durchführung und Umsetzung der Aktion so erfolgte, dass sich mehrere Medien nachweislich in die Irre geleitet fühlten. Der springende Punkt ist nach Ansicht des PR-Ethik-Rates zudem, dass diese Irreführung andauerte, d. h. die - in der Stellungnahme so bezeichneten - Missverständnisse wurden über mehrere Tage hinweg nicht aufgeklärt trotz vieler konkreter Nachfragen von Medien. Vielmehr wurden die Medien im Glauben gelassen, dass es sich bei der Irrfahrt der Pistenraupe um einen skurrilen Irrtum handle.“ Der Tourismusverband habe seinen Ruf beschädigt.

Der Verband hatte in einer Stellungnahme gegenüber des PR-Ethik-Rats begründet, es habe sich um einen „Werbgag/Gimmick“ gehandelt, „den wir für ein Video und nicht als Falschnachricht umsetzen wollten“. Die Irrfahrt sei „lediglich die Storyline für eine filmische Inszenierung, aber nicht für eine geplante PR-Kampagne“ gewesen. Geschäftsführer Elias Walser hatte sich für den Vorfall entschuldigt.

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