Schulen und Büros in SH : Postillon meldet „Hitzefrei für alle“ – nur Satire oder doch echt?

Mit den steigenden Temperaturen wächst die Hoffnung der Schüler auf Hitzefrei.
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Mit den steigenden Temperaturen wächst die Hoffnung der Schüler auf Hitzefrei.

Heute wird es heiß. Überall wird geschwitzt. Da fällt Arbeiten und Lernen schwer. So ist Hitzefrei geregelt.

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02. Juli 2015, 11:17 Uhr

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen, der Schweiß perlt auf der Stirn. Der Sommer ist in Schleswig-Holstein angekommen! Wenn das Thermometer schon am Morgen die 20-Grad-Marke überschreitet, werden die Rufe nach Hitzefrei lauter. Der Postillon meldet am Donnerstagmorgen Hitzefrei für alle ab 14 Uhr. Leider nur Satire. Oder gibt es tatsächlich eine Chance auf einen frühen, sonnigen Feierabend?

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Posted by Der Postillon on  Donnerstag, 2. Juli 2015

Laut Angaben des Bildungsministeriums gibt es offiziell kein Hitzefrei mehr in Schleswig-Holstein. Es gibt aber noch Hoffnung für Schüler. Im Erlass zum Thema Unterricht bei besonderen Witterungsverhältnissen heißt es: „[...] im Sommer entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter im Rahmen der Fürsorgepflicht, ob und in welchem Umfang Unterricht erteilt werden kann. Ministeriumssprecherin Beate Hinse erklärt: „Im Winter entscheidet die Schulbehörde bei Glättegefahr über Schulfrei. Im Sommer geht das nicht.“ Der Grund: 27 Grad können an einer Schule mit großen Glasfronten zu unerträglicher Hitze führen, während in einem alten Bau mit dicken Betonwänden womöglich weiter gelernt werden kann. Bislang weiß Hinse allerdings noch von keinem Hitzefrei-Fall in diesem Jahr.

Anders sieht es in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen aus: In der Grundschule „An den Eichen“ in Boizenburg im Elbtal, wo es am Donnerstag mit über 30 Grad in Mecklenburg-Vorpommern am heißesten werden soll, wurde der Unterricht nach der vierten Stunde gestrichen. Die Lehrer mussten trotzdem arbeiten. Sie wurden zur Betreuung von Kindern eingeteilt, die nicht eher nach Hause konnten, oder sie sortierten Schulbücher und bereiteten schon das neue Schuljahr vor, wie die stellvertretende Schulleiterin Susanne Knakowski sagte. Am Elbe-Gymnasium in Boizenburg fiel für die Schüler der siebenten bis neunten Klasse der Nachmittagsunterricht aus, wie Schulleiter Gerald Kersten berichtete. Für Klasse zehn bis zwölf gebe es hingegen keine Änderungen. „Wenn die Hitze länger läuft, werden wir über verkürzten Unterricht nächste Woche nachdenken“, sagte er. Diesen gibt es seit Donnerstag bereits am Goethe-Gymnasium Schwerin. Die eigentlich 45-minütigen Unterrichtsstunden dauern dann nur 30 Minuten. In Niedersachsen wurden bereits am Mittwoch Schüler der Osnabrücker Angelaschule nach Hause geschickt.

Wer nicht mehr die Schulbank drückt, kann wohl leider kaum auf einen frühen Feierabend hoffen. Hitzefrei im Büro kommt äußerst selten vor, weil die meisten Büros mittlerweile klimatisiert sind. Erst wenn die Lufttemperatur im Raum 35 Grad überschritten hat, darf laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz (Baua) nicht mehr gearbeitet werden. Steigt das Thermometer über diesen Wert, dürften Beschäftigte zum Beispiel verlangen, einen anderen Raum zugewiesen oder frei zu bekommen. Bei Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad müsse der Arbeitgeber erforderliche Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten treffen, erläutert Kersten Bux von der Baua. Dazu gehöre etwa, eine Gleitzeitregelung einzuführen oder ausreichend Getränke zur Verfügung zu stellen. Die Vorgaben in der Arbeitsstättenregel seien allerdings nur Richtwerte. Sind Mitarbeiter durch Hitze besonders gefährdet, muss der Arbeitgeber solche Maßnahmen unter Umständen auch schon bei geringeren Temperaturen veranlassen.

Heiß hergehen wird es am Wochenende bei den Brückenarbeiten auf der A7 bei Hamburg-Schnelsen. Doch die vorausgesagten Tagestemperaturen von bis zu 36 Grad sind wohl auch dort kein Problem. Der Abriss der Brücke an der Heidlohstraße und der Aufbau zweier Behelfsbrücken für Autos und Fußgänger werde wie geplant stattfinden, sagte der Sprecher des federführenden Baukonsortiums Via Solutions Nord, Caspar Hamel. Für die Arbeiten wird die Autobahn von Freitagabend bis Montagmorgen in beiden Richtungen voll gesperrt. „Technische Probleme gibt es wegen der Hitze nicht, die Maschinen halten das problemlos aus“, erklärte Hamel. Für die Menschen seien die Temperaturen allerdings unangenehm. Aber: „Es gibt ja kein Hitzefrei auf dem Bau“. Ein Großteil der Arbeiten werde zudem des Nachts stattfinden. Beim Brückenabriss in Schnelsen am vorletzten Wochenende habe er nur einmal zwei Arbeiter zehn Minuten lang mit Schippen werkeln sehen. Ansonsten sei alles mit Baggern und anderen Maschinen erledigt worden. Moderne Bagger seien auch schon mit Klimaanlagen ausgerüstet.

Für alle, denen kein Hitzefrei vergönnt ist, hat shz.de Tipps gegen die Hitze zusammengestellt. So kommen Sie gut durch die heißen Tage. Wer im Stau steht, sollte folgendes beachten.

(mit dpa)

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