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SH und Hamburg : Positive Bilanz der Weihnachtsmärkte - „Die Leute haben keine Angst“

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„Man hat das Gefühl, dass die Leute sagen: Jetzt erst recht“, erzählt ein Veranstalter in Hamburg.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2016 | 07:27 Uhr

Hamburg/Kiel/Lübeck/Flensburg | Viele Weihnachtsmärkte im Norden schließen kurz vor dem Fest ihre Tore - und das mit einer positiven Bilanz. Auch vom Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche haben sich Besucher nicht abschrecken lassen, wie Veranstalter berichteten. „Man merkt, dass die Leute keine Angst haben“, sagte etwa die Sprecherin vom Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus, Heide Mombächer. Vielerorts wurden verstärkte Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

Millionenerfolg in Hamburg

<p>US-Außenminister John Kerry besuchte auch den Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg.</p>

US-Außenminister John Kerry besuchte auch den Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg.

Foto: dpa
 

Der „Historische Weihnachtsmarkt“ auf dem Rathausmarkt ist der größte in der Hansestadt. Etwas mehr als drei Millionen Besucher lockte er nach Veranstalterangaben in diesem Jahr. „Alle sind total zufrieden“, berichtete Mombächer. Um zehn bis zwanzig Prozent gestiegen seien bei manchen der rund 75 Händler, Schausteller und Kunsthandwerker die Umsätze. „Es hat wenig geregnet, es gab keinen Sturm. Und vor allem waren die Temperaturen immer über Null - da haben die Menschen immer ein bisschen mehr Muße.“ Auf mehr als 30 Plätzen hatten Veranstalter in der Hansestadt ihre Buden aufgestellt.

Zum „Weißen Zauber“ auf dem Jungfernstieg, wo weiße Zelte und der Blick auf die Alstertanne noch bis zum 30. Dezember warten, zog es auch US-Außenminister John Kerry, der dort während des OSZE-Treffens Olivenholz-Gefäße shoppte. Während auf dem Rathausmarkt am Freitag der letzte Glühwein ausgeschenkt werden sollte, geht es etwa bei den Nachbarn auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz und in der Spitalerstraße ebenfalls noch bis zum 30. Dezember weiter.

Über das „optimale“ Wetter freute man sich auch dort: „Glühwein war mehr gefragt als im Jahr zuvor, als es wärmer war“, sagte Benno Fabricius, Geschäftsführer der Hanse Event GmbH. „Es braucht nicht eisig kalt zu sein, denn die Verweildauer auf den Weihnachtsmärkten ist länger, wenn die Temperaturen über Null sind.“ Alle seien sehr zufrieden und das Interesse der Besucher sei ungebrochen. „Man hat das Gefühl, dass die Leute sagen: Jetzt erst recht.“

Kiel: Neues Weihnachtsdorf kommt gut an

Nächstes Jahr soll „Kilian“ wieder über den Rathausplatz fliegen.
Nächstes Jahr soll „Kilian“ wieder über den Rathausplatz fliegen. Foto: kim
 

Rund 900.000 Besucher lockte das von einem Privatveranstalter erstmals organisierte Weihnachtsdorf (bis 23.12.) auf dem Rathausplatz an. „Wir waren von der Resonanz extrem positiv überrascht“, sagte Veranstalter Wolfgang Sabrowsky. Rund 50 Stände waren aufgebaut worden. „Die Mischung von kulinarischem Angebot und Kunsthandwerk wurde richtig gut angenommen, mehr Gedränge wäre kaum möglich gewesen.“ Nach dem Anschlag in Berlin war der Andrang unverändert groß - mit der Haltung „Wir lassen uns das nicht nehmen, wir geben nicht klein bei“.

Der 44. städtische Weihnachtsmarkt in der Innenstadt war trotz der neuen Konkurrenz des Weihnachtsdorfes „zufriedenstellend“, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Die Besucher seien wegen der vielen Ein- und Ausgänge praktisch nicht zählbar, es dürften aber weniger als sonst gewesen sein wegen des neuen Dorfes. Die Stadt werde den Markt als “wesentliche Tradition in der Adventszeit„ fortsetzen, wolle ihn aber attraktiver machen.

Großer Ansturm in Lübeck

Rund zwei Millionen Menschen kamen nach Angaben der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) bislang auf die Lübecker Weihnachtsmärkte. „Vor allem an den ersten drei Adventswochenenden war der Ansturm groß. Aber auch der 4. Advent und die übrigen Tage vor dem Weihnachtsfest waren gut besucht und glücklicherweise nicht durch den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin negativ beeinflusst“, sagte der Geschäftsführer der LTM, Christian Martin Lukas.

Auch die Schausteller äußerten sich zufrieden. „Wir haben keine negativen Auswirkungen des dramatischen Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf die Stimmung der Besucher festgestellt“, sagte der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Lübeck und Umgebung, Holger Bock. Die Schausteller rechnen mit ähnlichen Umsätzen wie im Vorjahr, allerdings war die Adventszeit in diesem Jahr eine Woche länger als in den Vorjahren. Fünf der zehn Lübecker Weihnachtsmärkte haben noch bis zum 30. Dezember geöffnet, darunter der traditionelle auf dem Markt am Rathaus.

Flensburg: Umsätze wie noch nie

Dänen lieben den Flensburger Weihnachtsmarkt.
Dänen lieben den Flensburger Weihnachtsmarkt. Foto: Dommasch
 

Die Händler auf dem Flensburger Weihnachtsmarkt waren zum Ende der Adventszeit sehr zufrieden. Viele der Beschicker hätten von Umsätzen geschwärmt, die sie noch nie erzielt hätten, sagte Gorm Casper, Chef der Tourismusagentur Flensburger Förde. „Wir gehen davon aus, dass wir bis an die Million rankommen“, sagte er zu den Besucherzahlen. „Das hängt stark mit dem dänischen Zuspruch zusammen“, sagte Casper über den Weihnachtsmarkt mit 67 Buden. Während die Stände auf dem Südermarkt vor Weihnachten schließen, ist der Markt auf dem Holm und der Großen Straße noch bis 31. Dezember geöffnet.

Neumünster: Kuschelig am Lagerfeuer

Der Weihnachtsmarkt und die Eisbahn von oben.
Der Weihnachtsmarkt und die Eisbahn von oben. Foto: Bettina Brodersen
 

Das Wetter spielte einigermaßen mit, die Umsätze und Besucherfrequenz stimmen so weit, nur der Schreck über den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt sitzt noch in den Knochen: Die vorläufige Bilanz der Weihnachtsmarkt-Organisatoren fiel halbwegs positiv aus. „Wir sind relativ zufrieden, weil die Bürger uns weiterhin die Treue halten“, sagt Ludolf Fock, Präsident der Schausteller Schleswig-Holstein.

Für Weihnachtsdorf-Organisator Ingo Kluge fällt die Bilanz „eindeutig positiv“ aus. Das Konzept des Hüttendorfes habe sich auch nach neun Jahren bewährt. „Ein deutliches Signal ist, dass alle Mieter nächstes Jahr dabei sind“, sagt Kluge, der die „gute Stube“ mit Getränken und Sitzmöglichkeiten betreibt. Das Wetter sei genau passend gewesen: „Schnee sieht schön romantisch aus, aber auf den Holzhackschnitzeln wird es dann glatt.“ Er hat beobachtet: „Tagsüber sind die Leute in relativ hohem Tempo unterwegs. Wenn wir gegen 15.30 Uhr das Lagerfeuer anfachen, führt das bei vielen Menschen dazu, dass sie innehalten, sich stoppen, sich Ruhe und Zeit nehmen.“

Premiere hatten die Buden auf dem Gänsemarkt vor der Holsten-Galerie, die ebenfalls von Ingo Kluge organisiert wurden. Hier fällt die Bilanz gemischt aus. Nadine Schwerin, Juniorchefin des Schwenkgrill-Teams Peter Schneider: „Fürs erste Mal war das zufriedenstellend, aber hier gibt’s viel Laufkundschaft. Wenn’s kalt ist, wollen die Leute nur rein ins Warme.“ Verkäuferin Petra Preuß von Heinz Rühmann sagte: „Hier ist nichts los, die Leute laufen vorbei, nur Stammkunden kaufen, und es gibt noch nicht mal Musik. Das ist ein Zusatzgeschäft.“

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