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Sicherheit in SH : Polizei schult Senioren gegen Kriminelle

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Senioren in Schleswig-Holstein werden als Multiplikatoren ausgebildet – sie sollen Mitmenschen nicht nur vor dem „Enkeltrick“ schützen.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 21:19 Uhr

Altenholz | Der kräftige ältere Herr im orangen Pullover setzt den großen Schraubenzieher an: „Hier an der Seite, da unten und hier oben“, wird er fachkundig angeleitet. Der Mann reißt kräftig am Werkzeug, dreimal knackt es laut, dann schwenkt das eben noch geschlossene Fenster einfach auf. Applaus aus dem Saal für den Probanden auf der Bühne. Doch hier geht es nicht um gute Tipps für den perfekten Einbruch, sondern um eine Demonstration, wie leicht und schnell herkömmliche, ungesicherte Fenster zu öffnen sind. Der Anleitende ist Kay Katzenmeier, Polizeiexperte für technische Einbruchssicherung, der erfolgreiche Fensteröffner einer von insgesamt 48 Teilnehmern der zweitägigen Schulungsveranstaltung „Sicherheitsberater für Senioren“ – kurz SfS. Diese läuft seit Dienstag im Auditorium der Fachhochschule für Verwaltung in Altenholz.

Ziel des vom Landespolizeiamt ausgerichteten und vom Rat für Kriminalitätsverhütung unterstützten Seminars ist es, landesweit Senioren als Multiplikatoren auszubilden, die später andere ältere Mitmenschen mit Rat und Tat vor Kriminalität schützen und deren Lebensqualität durch eine Verbesserung ihres Sicherheitsgefühls steigern sollen. Wichtiger Aspekt: das Aktivieren der Hilfe zur Selbsthilfe und zur Hilfe gegenüber anderen.

„Täuschen, lügen, tricksen – Strategien von Straftätern gegenüber älteren Menschen“ heißt etwa ein Vortrag, im Mittelpunkt stehen der altbekannte „Enkeltrick“ und seine modernen Varianten sowie Taschen- und Trickdiebstähle in der Öffentlichkeit. Die Teilnehmer lernen hier, dass sie in Kreisen Krimineller als sehr wohlhabend, höflich, vertrauensvoll und relativ wehrlos gelten – und deshalb so „beliebt“ sind. Auf dem Stundenplan stehen auch Themen wie Internetkriminalität, Gewalt in der Pflege oder altersbedingte Einschränkungen bei der Verkehrsteilnahme.

„Diese Veranstaltung ist eine gute Basis für alle Teilnehmer, um in die Arbeit einzusteigen“, sagt Organisator Harald Waldhör, zuständig für den Bereich Prävention bei der Landespolizei. Später sollen die geschulten Senioren sich am Heimatort – unterstützt von der Polizei – vernetzen und Kooperationen eingehen, etwa mit dem ADAC, der Verkehrswacht, dem Weißen Ring oder Wohlfahrtsorganisationen. Zu ihren Aufgaben gehört darüber hinaus das Organisieren und Halten von Vorträgen, Öffentlichkeitsarbeit und persönliche Beratung. „Wir brauchen für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt im Schnitt drei Sicherheitsberater“, so Waldhör. Über Anzeigen und in Zeitungsartikeln sei für die Ausbildung geworben worden, mit der Resonanz auf die Schulung ist er sehr zufrieden. „Unsere Teilnehmer kommen aus allen Regionen, nur der Kreis Stormarn ist noch ein weißer Fleck.“

Teilnehmer Gunter Buck las im Lokalteil unserer Zeitung einen Artikel über die Veranstaltung. Die Aufgabe als Sicherheitsberater scheint für den Kellinghusener wie gemacht zu sein: „Ich habe früher selbst im Polizeidienst gearbeitet, später 30 Jahre Seniorenwohn- und Pflegeanlagen geleitet“, erzählt der 66-Jährige.  Jetzt möchte er sein Wissen einbringen. Dinge wie den Enkeltrick habe es immer schon gegeben. Buck kann sich gut an eine Situation vor über 35 Jahren erinnern: „Meine Mutter hatte für mich für einen Computer Geld gespart und rund 500 Mark im Küchenschrank aufbewahrt“, so der Kellinghusener. „Ich habe sie bei einem Besuch noch gewarnt, ihr gesagt: Mutti, du bist zu leichtsinnig.“ Als er einige Tage später bei ihr anrief, war das Geld weg. „Eine unbekannte Dame hatte ihr vor dem Haus Hilfe mit dem Rollator angeboten.“ Angeblich wollte die Fremde einen Nachbarn besuchen, der jedoch nicht da war. Nun bat sie um Zettel und Stift, um dem Nachbarn etwas aufzuschreiben. Offenbar gab es eine zweite Person, seine Mutter wurde abgelenkt. „Erst später bemerkte sie, dass das Geld und der gesamte Familienschmuck gestohlen waren.“

Erst kürzlich ist Buck selbst beim Einkauf von Spendensammlern mit einem Klemmbrett zur Herausgabe von 20 Euro – angeblich für Taubstumme – gedrängt worden. Er ließ sich nicht darauf ein. „Später erfuhr ich, dass diese Leute in unbemerkten Momenten auch Geld und Wertgegenstände klauen.“  Für die Sicherheit zu Hause empfiehlt Gunter Buck einen eher ungewöhnlichen Kniff, den er schon bei seiner Großmutter angewendet hat: „Da lag immer eine Polizeimütze auf der Garderobe, die haben alle Fremden an der Tür sofort gesehen.“ Buck ist überzeugt: „Das hilft.“

Informationen: www.sfs.schleswig-holstein.de

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