LKA Schleswig-Holstein : Polizei rüstet gegen Internetbetrug auf

Frank Müller, Dezernatsleiter Computerkriminalität beim LKA Schleswig-Holstein.
Frank Müller, Dezernatsleiter Computerkriminalität beim LKA Schleswig-Holstein.

Online-Kriminalität verursacht größeren Schaden als Drogendeals. Der Bund der Kriminalbeamten schlägt Alarm: „Wir haben zu wenig Personal.“

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25. November 2013, 08:50 Uhr

Kiel | Der Norden im Visier von Hackern und Online-Betrügern: 6430 Cyberangriffe registrierte die Polizei in Schleswig-Holstein 2012. Den größten Anteil daran hat der Waren- und Warenkreditbetrug. Kriminelle richten im Internet einen höheren finanziellen Schaden an als Drogendealer, warnte der Chef des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke jüngst. Zwar rüstet die Polizei im Norden gegen die professionellen Täter auf, Experten sehen dennoch Verbesserungsbedarf.

„Wir haben zu wenig Personal, um aktiv nach Straftaten zu suchen“, sagte Karl-Gustav Günther, Sprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in Schleswig-Holstein. Die vorhandenen Beamten könnten sich zurzeit nur um die Aufklärung bereits begangener Straftaten kümmern. Für einen optimalen Schutz seien Online-Streifenpolizisten, sogenannte Web-Patrols, nötig. „Dazu fehlt uns aber die Kapazität. Wir sind mit den Ermittlungen voll und ganz ausgelastet“, sagt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamts in Kiel (LKA). Kenner der Szene gehen davon aus, dass die Polizei bei den Ermittlungen gegen einen Hacker in Bad Oldesloe mit mehr Personal auch mehr Mittäter hätte fassen können. Dem im August dieses Jahres festgenommenen 20-Jährigen wird vorgeworfen, Konto- und Kreditkartennummern gestohlen sowie durch das Verschicken von Phishing-Mails 25.000 Euro ergaunert zu haben. Gegen ihn läuft ein Verfahren.

Nach Angaben des Innenministeriums gibt es im LKA aktuell 20 Beamte, die digitale Spuren sichern und auswerten. Dass die Polizei Kriminellen im Internet unterlegen ist, verneint Frank Müller, Leiter des Dezernats Computerkriminalität: „Wir sind gut aufgestellt und brauchen uns nicht zu verstecken.“ Allerdings sei er froh, dass die Politik erkannt habe, wie wichtig kompetente und spezialisierte Polizeiarbeit im Internet ist. Nach Plänen des Innenministeriums soll die IT-Abteilung trotz geplanter Stellenkürzungen bei der Polizei wachsen.

Das LKA bildet im kommenden Jahr die „Zentrale Organisationseinheit Cyber Crime“ als neue Sachdienststelle. „Wir sind dabei, die IT-Beamten an einem Ort im LKA zu bündeln und auch stärker Spezialisten von außen wie Informatiker zu integrieren“, sagt Müller. Die neue Einheit soll zentraler Anlaufpunkt für Polizeidienststellen, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen in Schleswig-Holstein sein. Doch neben der technischen und personellen Ausstattung seien vor allem mehr rechtliche Befugnisse wichtig. „Wir können die Forderung nach der Vorratsdatenspeicherung nur unterstützen. Gerade im Bereich Kinderpornografie würde uns das wichtige Ansätze liefern“, so Müller.

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