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Familiendrama im Kreis Segeberg : Polizei: Mutter aus Oering starb durch Messerstiche

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Tatverdächtiger ist der eigene Sohn. Er wurde in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 15:55 Uhr

Oering | Die in Oering (Kreis Segeberg) am vergangenen Donnerstag getötete Frau ist an den Folgen von Messerstichen gestorben. Dies bestätigte am Montag die Polizei offiziell unter Hinweis auf das Obduktionsergebnis. Als Tatverdächtiger war der 20-jährige Sohn der 40 Jahre alten Frau in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden. Ein Richter habe am Freitag einen entsprechenden Unterbringungsbeschluss gefasst, sagte ein Polizeisprecher.

Die Familientragödie hat die kleine Gemeinde Oering im Kreis Segeberg erschüttert. Sie hatte mit einem Streit begonnen und endete mit Messerstichen. Arnold K. (20), der ältere Sohn der vierköpfigen Familie, war mit seiner  Mutter (40) aneinandergeraten. „Gegen 18.45 Uhr ging  ein Notruf  ein“, so Polizeisprecher Oliver Pohl. „Der Anrufer sagte, dass sein Bruder seine Mutter angreifen würde.“

Die Szenen, die sich im Haus abspielten, müssen schrecklich gewesen sein: Der kleine Bruder, 15 Jahre alt, wählte den Notruf. Dann lief er nach draußen und wartete vor dem Haus auf Hilfe. Drinnen lag seine Mutter im Todeskampf – der Notarzt konnte sie nicht mehr retten.

Ein Nachbar berichtete: „Ich habe die Mutter um ihr Leben schreien hören, diese Schreie werde ich nie wieder aus meinem Kopf bekommen.“ Er sei nach nebenan gelaufen, um zu helfen. An der Straße habe das jüngste Kind der Familie gestanden und gesagt, die Polizei sei bereits unterwegs.

Die Leiche der Frau wird aus dem Haus getragen.
Die Leiche der Frau wird aus dem Haus getragen. Foto: Danfoto

Polizeisprecher Pohl: „Als der Rettungsdienst vor Ort eintraf, lebte die schwer verletzte Mutter noch, verstarb aber kurze Zeit später trotz sofort eingeleiteter Reanimation.“ Nach Informationen des sh:z soll der Sohn so heftig zugestochen haben, dass das Messer im Körper der Mutter abbrach.

Der Großvater der Familie, der mit seiner Ehefrau in der zweiten Hälfte des schmucken weißen Doppelhauses lebt, hatte den rasenden Enkel gestoppt und festgehalten, bis die Polizei eintraf. Das Leben seiner Tochter konnte er dadurch jedoch nicht retten. „Sie war so eine nette Frau“, sagt der Nachbar. „Mir kommen schon wieder die Tränen.“

Thomas Steenbock, Bürgermeister von Oering, reagierte entsetzt: „Wir alle sind tief getroffen und schockiert, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.“ Nach dem Fund einer Babyleiche im Oktober in nahen Sülfeld sei dies nun das zweite Verbrechen, das die ländliche Gegend erschüttere. „Die Familie lebt hier seit vielen Jahren“, sagt der Bürgermeister. „Es waren nette Nachbarn, die aber lieber für sich geblieben sind und sich nicht groß in die Dorfgemeinschaft eingebracht haben.“

Das Motiv für die Bluttat ist derzeit noch unklar. Quer durch die Familie, bei der es sich um Spätaussiedler handeln soll, hat es offenbar seit längerer Zeit tiefe Risse und Zerwürfnisse gegeben. Der Vater, der bei der Hamburger Müllabfuhr arbeitet, soll nahezu täglich lautstarke Auseinandersetzungen mit seinem Sohn gehabt haben. „Die Mutter saß im Supermarkt an der Kasse, finanzierte das Nichtstun ihres Sohnes“, berichtet ein weiterer Nachbar. „Sie hat viel Leid ertragen müssen, auch weil sie sah, dass ihr Sohn den geraden Weg im Leben wohl nicht schaffen würde.“ Der junge Mann sei für seinen Drogenkonsum bekannt.

„Er hat Abitur, machte ein Fernstudium“, heißt es von anderer Seite. Sein großes Hobby ist die Musik. In seinem Zimmer unterm Dach arbeitete Arnold K., der sich auf seiner Facebook-Seite als DJ/Producer/Remixer bezeichnet, viele Stunden an Remix-Versionen von Hits. Vielleicht hat auch das für Zündstoff in der Familie gesorgt.

Der junge Mann wurde dem Haftrichter vorgeführt. „Die Staatsanwaltschaft Kiel hat einen Antrag auf Unterbringung gestellt“, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Wegen verminderter Schuldfähigkeit soll der Tatverdächtige in die Psychiatrie.

 

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