Brokdorf : Polizei löst Sitzblockaden auf

Mit einer Sitzblockade sperrten Demonstranten die beiden Tore des AKW ab.
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Mit einer Sitzblockade sperrten Demonstranten die beiden Tore des AKW ab.

Friedlicher Protest: Rund 200 Umweltschützer haben am Samstag vor dem Kernkraftwerk Brokdorf demonstriert. Am Nachmittag und in der Nacht löste die Polizei die Sitzblockaden auf.

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20. Juni 2011, 11:33 Uhr

Wie die Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer" mitteilte, bildeten die Atomkraftgegner vor beiden Toren des Kraftwerks Sitzblockaden. An einer Zufahrt stellten Demonstranten zudem eine Pyramide aus drei Stangen auf die Straße, eine Aktivistin hängte sich in die rund fünf Meter hohe Konstruktion.
Polizeisprecher Michael Baudzus sagte, die Blockaden würden zunächst als Versammlung gewertet und geduldet. Erst wenn die Demonstranten Beschäftigte am Betreten oder Verlassen des Kraftwerksgeländes hinderten, würden die Beamten einschreiten.
Um kurz vor 17 Uhr war die erste Blockade aufgelöst
Dies war dann beim Schichtwechsel am Nachmittag der Fall. Die Polizei forderte die Demonstranten daraufhin auf, ihre Blockaden freiwillig aufzugeben und drohte andernfalls mit Zwangsmaßnahmen. Um 15.56 Uhr ertönte per Lautsprecherdurchsage der Polizei die letzte Aufforderung an die Demonstranten, den Platz zu verlassen. Wer nicht freiwillig ging, wurde ab da an von den Einsatzkräften weggetragen und erhielt Platzverweise. Die Aktivistin, die sich in der Stahlkonstruktion befand, wurde mit Sicherungsleinen abgeseilt. Um kurz vor 17 Uhr war die Blockade aufgelöst.

Nach dieser ersten Räumung blockierten Aktivistinnen und Aktivisten der Initiative X-tausendmal quer
in der Nacht zu Sonntag erneut beide Zufahrtstore. An jedem Tor saßen gegen 22.15 Uhr etwa 100 Menschen. Gegen 23.30 Uhr begann die Polizei, am Haupttor zu räumen. Kurz vor 1 Uhr morgens fuhren etwa 20 Busse mit den Arbeitern für die Nachtschicht der Revisionsarbeiten auf das AKW-Gelände. Die Blockierer wurden danach freigelassen. Ihnen wurden diesmal ausdrücklich Platzverweise für beide AKW-Tore erteilt.
Am Nebentor des AKW übernachteten mehr als 80 Menschen und hielten es auch am Sonntagmorgen noch blockiert. Vierzig Aktive besetzten außerdem seit etwa 6.30 Uhr wiederum die Straße zum Haupttor. Ein ungestörter Schichtwechsel ist also erneut nicht möglich.
Das AKW Brokdorf ist seit Mittwoch vorübergehend zur Jahresrevision abgeschaltet. Für die Arbeiten, die knapp drei Wochen dauern sollen, hat der Betreiber E.ON auch zahlreiche Beschäftigte von außerhalb verpflichtet.
AKW symbolisch umzingelt
Vor dem Beginn der Blockaden waren die Kernkraftgegner in einem Demonstrationszug von ihrem Camp nahe der Ortschaft Wewelsfleth zum Atomkraftwerk aufgebrochen. Sie begründen die Proteste mit den ihrer Ansicht nach unzureichenden Beschlüssen der schwarz-gelben Bundesregierung zum Atomausstieg.
"X-tausendmal quer" hatte die zunächst für Pfingsten angekündigte Blockade in Brokdorf um eine Woche verschoben, nachdem der AKW-Betreiber E.ON den Beginn der Revision nach hinten verlegt hatte. Das Bündnis "Block Brokdorf", das ebenfalls für das Pfingstwochenende zu Blockaden aufgerufen hatte, sagte seine Protestaktion dagegen ganz ab. Am Pfingstsonntag hatten stattdessen etwa 400 Kernkraftgegner das AKW Brokdorf symbolisch umzingelt. (pwü, ddp, shz)

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