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Neue Technik für Streifenwagen : Polizei in SH heult wie in den USA

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schrillerer und lauterer Heulton, Blinklichter und Kameras: Die Polizei in SH wird mit 485 neuen Streifenwagen ausgerüstet. Die ersten Hightech-Wagen rollen vor Weihnachten auf die Straßen.

shz.de von
erstellt am 13.12.2013 | 06:50 Uhr

Kiel | Dieser Ton lässt auch einen gestandenen Leitenden Polizeidirektor zusammenzucken: Als gestern Mittag zum ersten Mal das neue Yelp-Signal der Streifenwagen in Kiel ertönt, erschrickt sich auch Joachim Gutt. Denn der Heulton, der Autofahrer zum Anhalten auffordern soll und an die Sirenen amerikanischer Streifenwagen erinnert, ist sehr viel schriller und lauter als das Martinshorn. „Wir müssen laut sein, damit wir besser wahrgenommen werden“, sagt Gutt und demonstriert die neue Technik.

Die Streifenwagen haben nicht nur neue Töne, es gibt auch zusätzlich rote Blitzlichter auf dem Dach, dazu Scheinwerfer im Kühler. Den elektrischen Dachbalken können die Beamten mit diversen Schriftzügen versehen, um auf sich aufmerksam zu machen. Dazu gibt es Scheinwerfer am Dach, die das Umfeld des Wagens ausleuchten, so dass die Polizisten bei Kontrollen die Hände frei haben. Nach und nach werden dazu alle Streifenwagen im Land mit einem Stop Stick ausgerüstet, der die Nagelbretter ersetzen soll. Die Polizisten werfen den ein Meter langen Stab auf die Straße. Fahren Flüchtende darüber, geht ihnen die Luft aus, weil sich mehrere hohle Röhren in die Reifen bohren. Die Luft entweicht langsam, das Auto bleibt lenkbar. „So können Unfälle vermieden werden“, sagt Gutt.

Nach und nach werden auch alle Streifenwagen mit Videokameras ausgerüstet, die an den Rückspiegeln befestigt sind. Bei Autobahnwagen gibt es eine zusätzliche Kamera, die nach hinten gerichtet ist. Per Knopfdruck startet die Aufzeichnung, etwa wenn Beamte einen Wagen stoppen. „Die Kollegen sagen dem Fahrzeugführer, dass er gefilmt wird. Es dient zu seiner und ihrer Sicherheit“, sagt Gutt. Wenn sich ein Fahrer ungerecht behandelt fühlt, können die Bilder als Beleg herangezogen werden, genauso wenn jemand Beamte angreift. „Ist das nicht so, werden die Aufnahmen nach 72 Stunden wieder gelöscht“, verspricht Gutt.

Innenminister Andreas Breitner (SPD) zeigte sich gestern angetan von der neuen Technik. „Das ist ein Beitrag dazu, die Arbeit der Polizei sicherer zu machen. Andere Länder haben bereits gute Erfahrungen damit gemacht, ich erwarte, dass das auch in Schleswig-Holstein so sein wird.“ Die Aufrüstung lässt sich das Land 4,8 Millionen Euro kosten. Jetzt gehen erstmal 117 Streifenwagen im ganzen Land in Dienst, bis Ende 2017 sollen 368 weitere folgen. Alte Streifenwagen werden aus Kostengründen nicht nachgerüstet.

In den kommenden Tagen werden die Polizisten in die Technik eingewiesen, vor Weihnachten rollen laut Joachim Gutt die ersten neuen High-Tech-Streifenwagen auf die Straßen. „Wir hoffen, dass die Menschen bei dem Yelp-Signal wissen, dass sie anhalten sollen, dazu blenden wir ja parallel das ,Stop-Polizei-Zeichen‘ ein“, sagt Gutt. Und wie glaubt der Landespolizeidirektor wird das funktionieren? Gutt: „Gut.“

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