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Kriminalität organisierter Banden : Polizei: Einbruchszahlen in SH erreichen Höchststand

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Banden aus Osteuropa und vom Balkan sind unterwegs. Was hat die Lage in SH mit Erfolgen der Hamburger Polizei zu tun?

Kiel | Mit einem Anstieg der Straftaten in den Herbst- und Wintermonaten hat die Polizei gerechnet – aber was derzeit in Schleswig-Holstein passiert, überrascht sogar erfahrene Ermittler. In den vergangenen zwei Wochen hat es im Durchschnitt täglich 42 Einbrüche gegeben – so viele wie niemals zuvor. Wie das Landespolizeiamt bestätigt, knackten Einbrecher vom 16. bis zum 22. November 307 Wohnungen. In der Woche zuvor sind 287 Delikte registriert worden. Ein trauriger Rekord: Üblicherweise liegen die Zahlen bei rund 150 Taten pro Woche.

Bereits das gesamte Jahr über hat sich die Kriminalitätslage dramatisch verschärft. „Mit Ausnahme des Januars waren die Fallzahlen in jedem Monat höher als 2014“, sagt Jürgen Börner, Sprecher im Landespolizeiamt. Verantwortlich dafür seien organisierte Banden aus Osteuropa und vom Balkan.

Die versucht die Polizei seit 2012 mit dem Konzept zur Bekämpfung von Wohnungseinbruchsdiebstahl (WED-Konzept) zu identifizieren. „Wir konnten die Festnahmezahlen steigern“, erklärt Börner. Immer wieder würden jedoch Täter erwischt, die zuvor bereits einmal festgenommen worden seien. Im Klartext: Die Maßnahmen greifen, aber es werden zu wenig Haftbefehle ausgestellt.

Die Opposition hingegen sieht in der jüngsten Entwicklung einen Rückschlag für das WED-Konzept. „Noch vor wenigen Monaten wollte uns die Landesregierung weismachen, das Einbruchskonzept wirke“, wettert FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. „Das Innenministerium aber ignoriert, dass für Erfolge mehr Polizisten gebraucht werden.“ Kubicki berichtet, dass es in seinem Heimatort Strande in den vergangenen beiden Wochen zwei Einbruchswellen gegeben habe und Bürger wegen „mangelnder polizeilicher Präsenz“ nun privat für eine bessere Sicherheit sorgten.

Für den Innenexperte der CDU-Fraktion, Axel Bernstein, verändert das polizeiliche Flüchtlings-Engagement die Sicherheitslage. „Über 500 Beamte sind abgestellt, offensichtlich fehlt die Präsenz auf der Straße“, sagt er. „Ich fordere den Innenminister auf, Polizisten nicht länger zum Bettentragen einzusetzen.“

So absurd es klingt: Die Entwicklung in Schleswig-Holstein könnte auch Folge von Erfolgen der Hamburger Polizei sein. Dort wurde im August die Soko „Castle“ mit 90 Ermittlern gegründet. Wie beim WED-Konzept gehören Analysten, Zivilfahnder und Beamte des Mobilen Einsatzkommandos dazu. „Wir wollen die Stadt für Einbrecher unattraktiver machen“, sagt die Soko-Chefin, Kriminaloberrätin Alexandra Klein.

Manfred Börner, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, stellt dazu fest: „Die Profis weichen zu uns aus, weil das Entdeckungsrisiko wegen des Personalmangels geringer ist.“

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erstellt am 25.Nov.2015 | 06:32 Uhr

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