18 Hektar Wald gerodet : Politik will Naturschutz besser kontrollieren

Keine Vernichtung von Waldgebieten mehr: Beim Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverband waren sich alle in wichtigen Punkten einig.

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13. Juni 2013, 11:54 Uhr

Lütjenholm | Trotz Debatte - alle Teilnehmer waren sich in wichtigen Punkten einig: Künftig keine Vernichtung von Waldgebieten mehr und eine konstruktive Zusammenarbeit von Politik, Naturschutz und Landwirtschaft zum Erhalt und der Vermehrung des ohnehin geringen Anteils an Waldflächen in Schleswig-Holstein. So lässt sich das Ergebnis der Diskussionsveranstaltung des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbands unter dem Titel "Naturschutz top, Waldbewirtschaftung flop?" zusammenfassen. Dazu trafen gestern im nordfriesischen Lütjenholm Vertreter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Stiftung Naturschutz, des Umweltministeriums sowie Umweltexperten der Parteien zusammen.

Aufhänger war die Fragestellung des Vorsitzenden des Waldbesitzerverbands, Hans-Caspar Graf zu Rantzau, ob eine nachhaltige Waldbewirtschaftung angesichts von großen Naturschutzprojekten eine Chance hat. Der aktuelle Anlass lag gleich um die Ecke, eine 18 Hektar große Waldfläche in den Gemarkungen Bordelum und Bargum mit einem 80-jährigen Bestand aus amerikanischen Sitkafichten und japanischen Lärchen. Jene war im vergangenen Jahr unter Protesten von Waldschützern und Waldbesitzern für ein Artenschutzprogramm der landeseigenen Stiftung Naturschutz gerodet worden. Dort soll eine früher existente Heidelandschaft wiederhergestellt und unter anderem die Wiederansiedlung des geschützten und im Land ausgestorbenen Goldenen Scheckenfalters ermöglicht werden.

"Es geht in Zukunft nur miteinander"

Die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz, Herlich Marie Todsen-Reese, verteidigte zwar die Umwandlung der Fläche als rechtmäßig und "im Rahmen des Auftrags der Stiftung zum Schutz der Vielfalt der Arten", zeigte aber Verständnis für den Unmut aus den Reihen der Anwohner, der Waldbewirtschafter und Waldschützer, bevor sie schloss: "Es geht in Zukunft nur miteinander." Reinhard Schmidt-Moser vom Umweltministerium betonte, dass sich Umweltschutz und Waldbewirtschaftung nicht ausschlössen: "Es geht beides."

CDU-Umweltexperte Heiner Rickers sah einen "Punkt erreicht, in dem wir handeln wollen". Deutlicher äußerte sich Sandra Redmann von der SPD: "Alle wollen mehr Wald, aber keiner betreibt es ernsthaft genug. Es darf im Forst nicht mehr eingegriffen werden." Eine bessere Einbindung der Politik in Entscheidungen bezüglich des Naturschutzes forderte Oliver Kumbartzki (FDP). Graf zu Rantzau zog zum Ende der Veranstaltung ein positives Fazit: "Ein Anfang ist gemacht. Die Politik muss sich als Kontrollgremium im Naturschutz etablieren." Entscheidungen dieser Größenordnung dürften nicht über Erlasse - wie im aktuellen Fall geschehen - sondern nur im Parlament getroffen werden.

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