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Atomkraftwerk Brokdorf : Plutoniumhaltige Brennelemente angekommen

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Ein Transport von plutoniumhaltigen Mox-Brennstäben nach Brokdorf hat die Diskussion über Atomrisiken neu entfacht. Jetzt ist die Ladung ohne Zwischenfälle eingetroffen.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2013 | 02:28 Uhr

Brokdorf | Entsprechende Angaben von Atomkraftgegnern bestätigte am Donnerstag ein Sprecher der Hamburger Polizei. Der Transport sei über die Straße erfolgt, Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Weitere Angaben machte der Polizeisprecher nicht. Die Mox-Brennelemente stammen aus dem belgischen Dessel. Sie wurden durch Hamburg nach Brokdorf gebracht.
Atomenergiekritiker halten Mox-Brennelemente für gefährlicher als Uran-Brennelemente, sowohl was den Transport angeht als auch den Betrieb in Kernkraftwerken.

Atomaufsicht verweist auf Betriebsgenehmigung


Der Leiter der Atomaufsicht im zuständigen Umweltministerium in Kiel, Wolfgang Cloosters, verwies darauf, dass die 1986 erteilte Betriebsgenehmigung für Brokdorf die Verwendung von plutoniumhaltigen Mox-Brennelementen erlaube. Dies sei erfolgt nach der Prüfung, dass Mox-Brennelemente die geforderten Sicherheitsbedingungen erfüllen.
Ein Drittel der 193 Brennelemente im Reaktor dürften Mox-Brennelemente sein, bei den anderen handle es sich um Uran-Brennelemente. Das Plutonium stamme aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen. Seit 2006 werde diese Wiederaufarbeitung nicht mehr gemacht.

"Geheimhaltungs- und Beschwichtigungspolitik"


"Dass Mox-Brennelemente in sicherheitstechnischer Hinsicht Unterschiede haben im Vergleich zu Uran-Brennelementen ist seit langem bekannt", sagte Cloosters. Bei den Jahresrevisionen in Brokdorf werden etwa jeweils 40 bis 48 der insgesamt 193 Brennelemente ausgetauscht. Bei zwei Transporten in der vergangenen Woche und jetzt am Mittwoch seien 12 Mox-Brennelemente nach Brokdorf gekommen. Das Anti-Atombündnis "ausgestrahlt" hielt den Behörden eine "Geheimhaltungs- und Beschwichtigungspolitik" vor. Weitere Mox-Transporte nach Brokdorf seien für 2014 und 2015 angekündigt.
"Wir fordern von der Landesregierung in Schleswig-Holstein als zuständige Atomaufsicht diese Transporte und den Einsatz des Plutoniums zu verhindern", sagte ein "ausgestrahlt"-Sprecher. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood protestierte in der Hamburger Hafencity gegen den Transport und brachte mehrere Banner an einem historischen Kran an.

Warnung vor möglichen Defekten


Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW forderte die sofortige Außerbetriebnahme von Atomkraftwerken wie Brokdorf, in denen Mox-Brennelemente eingesetzt werden. "Es gibt mehrere beunruhigende Befunde", meinte IPPNW-Atomexperte Henrik Paulitz. In einem Fall habe es eine Reaktorschnellabschaltung gegeben, die möglicherweise im Zusammenhang mit dem Einsatz solcher Brennstäbe stehe.
Neu sei Atomtechnikern offenbar auch, dass Mox-Brennelemente bei Leck-Störfällen innenseitig oxidieren könnten, so dass ein Zerbröseln der Hüllrohre drohe und die Kühlung somit beeinträchtigt werden könnte. IPPNW verwies auch auf Bedenken des Mox-Spezialisten Wolfgang Faber, der bei der Eon Kernkraft GmbH als Leiter für den Einsatz von Brennelementen verantwortlich ist. Cloosters sagte, ungeachtet der Betriebsgenehmigung für Brokdorf werde sich die Atomaufsicht mit den vorgebrachten Argumenten gegen Mox-Brennelemente auseinandersetzen.
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