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Hilfsprojekt „Armer Hase“ : Plüschohr auf Weltreise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei „Armer Hase“ reist ein plüschiges Langohr ganzjährig durch die Weltgeschichte. Auf Facebook verfolgen Zehntausende, wo sich der kleine Hoppler gerade befindet – und das alles, um bedürftigen Kindern zu helfen.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2014 | 12:52 Uhr

Bremen | Er ist zwar nur ein kleiner Stoffhase, dürfte jedoch den Neid manch eines von Fernweh geplagten Zeitgenossen erregen: Bei dem sozialen Netzwerk Facebook ist der plüschige Weltenbummler fast täglich vor neuen Kulissen zu sehen. Knapp 42.000 Anhängern verfolgen dort regelmäßig den Protagonisten des Projekts „Armer Hase“. Vor dem Capitol in Washington, in der Sonne Südafrikas mit Pinguinen am Strand, bei einer Tea Party in London, vorm Pariser Eiffelturm, auf dem Denkmal der Bremer Stadtmusikanten thronend, vor der Wiener Staatsoper mit schlackerndem Schnuffeltuch oder auf dem Oktoberfest: Der plüschige Mümmelmann kommt herum. Mal weht das Langohr an der Reling eines Schiffs im Wind, mal kniet es vor einer toten Kakerlake in Fuerteventura mit den Worten „Dieser Kamerad ist wohl hinüber“.

„Alleinauslöser“ der heiteren Fotos ist Richard Crasemann, Kreativchef der Hamburger Werbeagentur Heye und Partner. Die mit originellen Bildunterschriften versehenen Bilder knipst der 47-Jährige während seiner Geschäftsreisen ausschließlich an Originalschauplätzen. Die Bilder sollen zum Kauf des Stofftiers animieren. 20 Euro kostet ein Exemplar des knuffigen Langohrs. Der Erlös fließt vollständig dem Verein „Armer Hase“ zu, der Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien hilft.

Der Beginn des Projekts ist eher unspektakulär: Am 4. Juli 2011, einem verregneten Sommertag, findet Robert Pauli einen verdreckten Stoffhasen an einer Hamburger Bushaltestelle. Pauli tut das Plüschtier leid, er nimmt es mit zur Arbeit in die Werbeagentur. Als er Meister Lampe am Empfangstresen ablegt, rufen mehrere Mitarbeiterinnen kollektiv: „Der arme Hase!“

„Das Thema schien zu berühren. Außerdem musste es ja irgendwo ein Kind geben, dass nun sein Stofftier vermisst“, sagt Crasemann. Der schmutzige Hase wird in der Geschirrspülmaschine gewaschen, während auf Facebook eine Suchanzeige nach dem Besitzer geschaltet wird. Parallel dazu beginnt Crasemann, mit seinen drei Söhnen und dem Fundstück Unternehmungen wie das „Hasenmähen“ festzuhalten und entsprechende Bilder zu posten. Plakate werden gedruckt. „Das war eine Cinderella-Story. Aschenputtel sucht den Prinzen“, schmunzelt der Werbeprofi, der von sich sagt: „Ich bin ein Kindskopf.“

Nachdem sich ein TV-Sender einschaltet, kann mit der kleinen Josy endlich die Besitzerin ausfindig gemacht werden. Bei einer „Rückführungsaktion“ darf die Kleine das Langohr wieder in die Arme schließen. Eine Internetseite mit einer Datenbank vermisster und gefundener Kuscheltiere wird später von der Aktion inspiriert.

Crasemann möchte es nicht dabei bewenden lassen. Er macht den ursprünglichen Produzenten des Plüschtiers ausfindig, den französischen Hersteller Trusselier. Der 47-Jährige überzeugt den Inhaber, für eine limitierte Sonderedition auf Gewinne zu verzichten. Statt seines ursprünglichen Schnuffeltuches trägt die karitative Version nun ein T-Shirt mit der Aufschrift „aHa“ für „Armer Hase“. Genau so nämlich nennt sich der von Crasemann gegründete Verein, der mit dem Verkauf der Plüschtier Kindern aus Problemumfeldern hilft. Mit dem „Hasencamp von Gera“ griff man bereits dem Verein Schlupfwinkel unter dir Arme und finanzierte eine zehntägige Freizeit für Kinder aus Problemumfeldern.

Der eigentliche Clou aber sind die immer neuen „Hasen-Holiday“-Bilder auf Facebook, mit denen Richard Crasemann nach Feierabend die Fans an das karitative Projekt erinnert. Mal sieht man das Plüschohr an touristischen Hotspots in Chicago, Paris oder Moskau, mal gibt es kryptische Hinweise oder Koordinaten, durch die das nächste Reiseziel erraten werden soll. Auf einer Rubens-Ausstellung durfte der „Arme Hase“ an einem wertvollen Gemälde schnuppern, ein Pilot nahm den Weltreisenden mit ins Cockpit einer Boing 747. Der Mümmelmann reitet auf dem Rücken eines Hundes, saust im Mini-Hubschrauber durch die Lüfte, nimmt dank Stop-Motion-Technik ein Bad im Pool, oder auf dem Kopf des Hahnes der Bremer Stadtmusikanten Platz. Vier neue Hasenbilder pro Woche samt humorigem Begleittext sind keine Seltenheit. Wenn Crasemann den kleinen Gefährten hervorholt, erkennen ihn mittlerweile Touristen in aller Welt.

Konkurrenz bekommt der „Arme Hase“ inzwischen auf der Homepage des Vereins. Besitzer der limitierten Plüschausgabe laden hier ihrerseits Urlaubsfotos mit dem Mümmelmann hoch.

Mehr Info unter www.armerhase.de oder auf Facebook.

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