zur Navigation springen

Online-Sprechstunde : Plötzlich ausgebrannt

vom

Dr. Lothar Schuppert stand in der Online-Sprechstunde für Fragen zum Thema Burnout bereit. Hier sind die Antworten.

Tipp 1 - Arbeit organisieren./Tipp 2 - Auszeiten nehmen:/Tipp 3 - Ausgleich finden:/Tipp 4 - Ausgewogen essen:/Tipp 5 - Ausreichend schlafen: | Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür. Da gilt es, tief durchzuatmen und sich von dem Berufsalltag zu erholen. Denn wer im Job gestresst ist, unter Druck steht und zu viel arbeitet, riskiert krank zu werden. Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) hat fünf Tipps gegen das Burnout, ein chronischer Erschöpfungszustand und Folge einer übermäßigen psychischen Belastung. "Nordisch gesund" bietet zusätzlich eine Online-Sprechstunde zu diesem Thema: Am Montag, 21. Dezember, durften die Leser von shz.de dem Experten Dr. Lothar Schuppert, Chefarzt der Psychosomatik an der Reha-Klinik Damp, zu Problemen Ihres Berufsalltags befragen.
Leserin Hannelore M. kommt oft gereizt von der Arbeit nach Hause. Eine Freundin empfahl ihr Johanniskraut. Eine wirksame Hilfe?
Dazu Dr. Lothar Schuppert:
Sehr verehrte Frau M.,
vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage und Ihr Interesse an unserer Online-Sprechstunde. Johanniskraut ist ein sehr gutes und wirksames Medikament gegen Depressionen. Ob bei Ihnen eine Depression vorliegt und ob es sinnvoll ist, diese mit Johanniskraut zu behandeln sind Fragen, die nur der Arzt bzw. Facharzt beantworten kann, der Sie persönlich untersucht hat. Johanniskraut hat, wie alle wirksamen Mittel, auch Nebenwirkungen. Nehmen Sie es nicht ohne ärztliche Begleitung und Kontrolle.
Diese Medikamente greifen in den Stoffwechsel des Gehirns ein. Eine ähnliche Wirkung lässt sich durch regelmäßigen Sport, regelmäßige Entspannungsübungen, angenehme Geselligkeit, Licht und persönliche Erfolgserlebnisse erreichen. Das ist ein verhaltenstherapeutisches Konzept mit Änderung der Lebensweise.
Es kann auch sein, dass bei Ihnen keine Krankheit vorliegt, die mit Medikamenten oder Psychotherapie behandelt werden muss. Erschöpfung und Gereiztheit können Warnsignale sein, die Ihnen anzeigen, dass Sie etwas
ändern müssen. Ich rate Ihnen, sich einen Zettel zu nehmen und aufzuschreiben, was genau sie reizt und erschöpft. Wenn man die Ursachen
klar vor Augen hat, dann ergibt sich oft sehr schnell ein Lösungsansatz. Das Ziel sollte sein: an den meisten Tagen gehe ich von der Arbeit nach Hause und bin gut gelaunt, habe Lust und Energie um etwas zu unternehmen.
Leser Nico Jansen hat morgens oft Angst zur Arbeit zu fahren, weil er Angst vor den Kollegen und den zu erwartenden Aufgaben hat. Verwunderlich findet er dies besonders, weil er einer der Chefs des Unternehmens ist.
Dazu Dr. Lothar Schuppert:
Sehr geehrter Herr Jansen,
vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage und Ihr Interesse an unserer Online-Sprechstunde. Ich finde es gut, dass Sie so offen mit Ihren Gefühlen umgehen und sich auch offen mit solchen Gedanken konfrontieren. Das ist ein Zeichen für Stärke und Kompetenz im Umgang mit Gedanken und Gefühlen. Ich finde, Sie sind gut geeignet für eine Psychotherapie. Das kann ein großer Gewinn sein im Leben und sollte genauso selbstverständlich sein wie ein professionelles Berufs-Coaching.
Ich biete Ihnen einmal eine Deutung an: Angst habe ich vor allem vor dem, was in mir ist. Mein innerer Richter entscheidet letztlich, ob ich leben darf oder sterben muss, ob ich morgens aufwache oder nicht, ob ich an der Schweinegrippe sterbe oder gegen einen Baum fahre. Mein innerer Richter ist vielleicht sehr streng, nicht leicht zufrieden zu stellen, egal was ich leiste, er bleibt mir gegenüber kritisch und ich bin in Gefahr, auch durch kleine Fehler sein Wohlwollen zu verlieren. Angst machen mir meine eigenen destruktiven Anteile, das Zerstörerische in mir. Ich bin immer in Gefahr, mir alles kaputt zu machen, es mir mit allenzu verderben. Robbie Williams hat es einmal sehr schön beschrieben: Ich gehe auf die Bühne und habe Angst davor, durch einen einzigen falschen Satz meine Fans für alle Zeiten gegen mich aufzubringen.
Ich hoffe, ich habe Ihnen Lust machen können, sich mit diesen inneren Spannungsfeldern auseinander zu setzen. Psychotherapie kann ein sehrlustvoller und intellektuell reizvoller Prozess sein und kann Ihnen helfen, mit Ihren Ängsten noch besser umzugehen, als Sie es jetzt schon tun.
Ich wünsche Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest.
Unser Leser "Herr Ahlers" möchte wissen, ob Rauschen und Fiepen im Ohr Anzeichen für einen Burnout sein können.
Dazu Dr. Lothar Schuppert:
Sehr geehrter Herr Ahlers,
vielen Dank für Ihre freundliche Anfrage und Ihr Interesse an unserer Online-Sprechstunde. Die Zunahme der Ohrgeräusche kann ein Zeichen für drohenden Burnout sein. Burnout tritt häufig in den ersten Berufsjahren auf und hängt oft mit einem sehr hohen inneren Leistungsanspruch zusammen, später schützt die Routine und ein gelassener Umgang mit den eigenen Idealvorstellungen. Das Zentralnervensystem reguliert ständig viele Funktionen, den Blutdruck, den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Abwehrsystem, die Geräuschwahrnehmung, die Muskelspannung.
Ist das Zentralnervensystem überlastet durch Stress, dann macht es Fehler. Die Fehler treten an der erblich bedingt schwächsten Stelle des Körpers auf, der eine bekommt gehäuft Infekte, der andereOhrgeräusche, ein anderer Schlafstörungen, Muskelverspannungen oderBluthochdruck. Wir nennen das funktionelle Störungen, auch psychovegetative Störungen, weil zunächst nur eine Funktion gestört ist. Mit der Zeit kann aus einer Funktionsstörung ein Struktur-Schaden entstehen; der Bluthochdruck kann zum Herzinfarkt führen, das Ohrgeräusch zum Hörsturz mit bleibendem Hörverlust, muss es aber nicht!
Ich will Ihnen keine Angst machen. Jeder Mensch überlastet immer mal wieder sein Zentralnervensystem, bekommt dann einen Infekt oder eine Muskelverspannung oder auch einmal Ohrgeräusche oder schläft eine Nacht schlecht. Das heilt folgenlos aus und ist kein Grund zur Besorgnis, solche Fehlregulationen können wir niemals 100%ig vermeiden. Treten die Störungen häufiger auf oder kommen Störungen in mehreren Systemen zusammen, dann sollten Sie das ernst nehmen und Ihren Stress reduzieren. Stellen Sie zunächst fest: was belastet mich im Moment am meisten und versuchen Sie die Haupt-Stressoren zu vermindern. Gelingt Ihnen das nicht, dann holen Sie sich professionelle Hilfe, sprechen Sie Ihren Hausarzt an.
Ich wünsche Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest.
Nordisch gesund
"Nordisch gesund" bietet regelmäßig Online-Sprechstunden an. Sie ergänzen das Gespräch mit dem Arzt in der Praxis. Schreiben Sie Ihre Frage über die Kommentar-Funktion auf. Innerhalb von zwei Tagen steht die Antwort ins Haus - diesmal von Dr. Lothar Schuppert von der Reha-Klinik in Damp.
Tipps zur Prävention
Hier fünf Tipps, wie Sie den Berufsstress besser in den Griff bekommen:
Zeitmanagement verhindert Zeitdruck. Allein das Aufschreiben der Aufgaben bewirkt Wunder. Lernen, Arbeit abzugeben, wenigstens einige Aufgaben zu delegieren, ist wichtig - ein Gefühl der Unersetzlichkeit ist oft der Beginn eines Burnouts.

Gezielte Entspannung kann das Burnout vorbeugen. Das heißt, sich pro Tag 20 Minuten nur für sich selbst Zeit zu nehmen, keine Arbeit zu erledigen, abzuschalten und nicht erreichbar zu sein. Gerade die Weihnachtsfeiertage sollte jeder Mitarbeiter nutzen, um zur Ruhe zu kommen und Kraft für das neue Jahr zu tanken.
Bewegung und frische Luft bauen Stress ab. Auch während den Weihnachtsfeiertagen sollte man sich jeden Tag etwas vornehmen.
Wer gesund, langsam und in Ruhe isst, tut seiner Gesundheit einen Gefallen. Zudem sollte Völlerei vermieden oder am Morgen und Abend auf gesunde, leichte Kost wie Salat, Gemüse und Joghurt gesetzt werden.
Wer langfristig vor lauter Arbeit zu wenig schläft, verliert Energie. Rund sieben bis acht Stunden bedeuten ausreichend Schlaf. Ideal wäre zudem noch, vor Mitternacht zu Bett zu gehen. Gesundheitsthemen finden Sie in der Ausgabe von "nordisch gesund", die am 7. Januar 2010 erscheint.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Dez.2009 | 07:59 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen