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Feste Querung : Planung für Fehmarnbelt-Tunnel auf 10.000 Seiten

vom

Die feste Fehmarnbelt-Querung rückt ein weiteres Stück näher. Die dänische Projektgesellschaft legt in Kiel die Planungsunterlagen vor. 2015 soll der Bau beginnen - wenn alles läuft wie geplant.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 16:13 Uhr

Kiel | Das Milliardenvorhaben feste Fehmarnbelt-Querung geht in eine neue Etappe: Die dänische Projektgesellschaft Femern A/S übergab am Freitag in Kiel die Planungsunterlagen. Der Bau eines Tunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland sei nicht nur ein deutsch-dänisches Vorhaben, sondern habe europäische Dimension, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Das nun anstehende Planfeststellungsverfahren für das derzeit größte Verkehrsprojekt in Nordeuropa wird mindestens eineinhalb Jahre lang dauern. Dabei wird geprüft, ob alles sachlich und rechtlich in Ordnung ist.

Wenn alles wie geplant läuft, soll der Bau des knapp 18 Kilometer langen Tunnels zwischen Puttgarden und Rødby im Sommer 2015 beginnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2021 vorgesehen. Den Straßen- und Eisenbahntunnel bezahlt Dänemark allein, weil das Nachbarland an dem Projekt das größere Interesse hat. 5,5 Milliarden Euro sind dafür veranschlagt. Deutschland muss nur für seine Hinterlandanbindung aufkommen. Dafür wurden zunächst 800 Millionen Euro veranschlagt, doch eine Verdopplung der Kosten wird befürchtet.

19 Aktenordner mit insgesamt 10.000 Seiten sind das Ergebnis vierjähriger Vorarbeiten der dänischen Planungsgesellschaft. Mehr als 8000 davon betreffen Umweltfragen. Femern-Vorstandschef Claus Baunkjaer sprach in Kiel vom wichtigsten Meilenstein für das Projekt seit Vertragsunterzeichnung zwischen Deutschland und Dänemark vor fünf Jahren. „Das ist ein sehr guter Tag für das Projekt.“ 

Baunkjaer lobte die Zusammenarbeit mit dem schleswig-holsteinischen Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr, der nun die Unterlagen prüft. Nach deren öffentlicher Auslegung sind Einwendungen gegen das Großvorhaben möglich, das in Ostholstein auf starken Widerstand stößt und auch von den an der Landesregierung beteiligten Grünen abgelehnt wird.

Die Landesregierung sei sich der Befürchtungen sehr bewusst, sagte Minister Meyer. Über den Verlauf der Bahntrasse von Puttgarden in Richtung Hamburg will er mit Bahnchef Rüdiger Grube am 1. November in Lübeck sprechen. Es geht um die Frage, ob die Trasse entlang der Badeorte an der Lübecker Bucht verlaufen soll oder weiter davon entfernt.

Der Fehmarnbelt-Tunnel soll die Reisezeit zwischen den Großräumen Hamburg und Kopenhagen/Malmö deutlich verkürzen. Der Bau muss noch definitiv genehmigt werden - in Dänemark mit einem speziellen Baugesetz durch das Parlament, in Deutschland mit dem Planfeststellungsbeschluss. „Wir müssen die Chancen gerade in Norddeutschland auch nutzen“, sagte Verkehrsminister Meyer. Die neue Verbindung werde die Qualität des Wirtschaftsstandorts verbessern. „Wir wollen als Schleswig-Holstein nicht nur Transitland sein.“ 

Die Grünen bekräftigten ihre ablehnende Haltung. „Für uns ist heute kein Jubeltag ­schon gar nicht vor dem Hintergrund der von Scandlines angekündigten Klage wegen Wettbewerbsverzerrung seitens Femern/AS und dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen in Schleswig-Holstein“, sagte der Verkehrspolitiker Andreas Tietze. „Die Fehmarnbelt-Querung ist und bleibt für uns ein Milliardengrab.“

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