Verkehr : Plädoyer für eine Westküstenautobahn

Gegen Staus auf der A7 könnte eine Entlastung durch eine Autobahn in Nordsee-Nähe helfen. Foto: dpa
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Gegen Staus auf der A7 könnte eine Entlastung durch eine Autobahn in Nordsee-Nähe helfen. Foto: dpa

Der Tonderner Fuhrunternehmer und Kiesgrubenbetreiber Kurt Freiberg setzt seinen Lkw-Park auf beiden Seiten der Grenze ein. Er fordert eine bessere Straßenverkehrsanbindung.

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23. Mai 2008, 03:12 Uhr

"Wir fahren mit unseren Lastern täglich zehn Mal auf der Route Tondern-Esbjerg über die Landstraße A 11. Es ist echt eine Katastrophe. Es gibt Staus, jede Menge Kreisverkehre, dazu Verschleiß an Bremsen und Treibstoff", stöhnt Kurt Freiberg, Inhaber des Transportunternehmens Brdr. Freiberg, das 33 Lastzüge vor allem im deutsch-dänischen Grenzland über die Straßen rollen lässt, aber auch europaweit Straßengüterverkehrsleistungen anbietet.
IIm Lkw-Verkehr existiert die Grenze schon seit Jahren nicht mehr", so Freiberg, der während eines Besuchs in seinem Büro am Telefon zwischen Dänisch und Deutsch als Arbeitssprache wechselt. Er ist in Tondern in der deutschen Minderheit zweisprachig aufgewachsen. "Die Verkehrsanbindung ist momentan der entscheidende Faktor der Wirtschaftsentwicklung", so der Tonderner Unternehmer. Er verweist auf den rasanten Gewerbeausbau entlang der bestehenden Nord-Süd-Autobahn.
"Es muss die Autobahn von Heide nach Dänemark verlängert werden"
Er sieht die deutsch-dänische Grenzregion mit kurzen Wegen zu den Häfen Esbjerg, Apenrade, aber auch Hamburg, Kiel und Lübeck als gut positioniert an. Doch die derzeitige Verkehrspolitik sieht er äußerst kritisch. "Es muss entlang der deutsch-dänischen Westküste die Autobahn von Heide nach Dänemark verlängert werden", unterstreicht Freiberg und verweist auf die Überlastung der Nord-Süd-Autobahn, weil diese wegen der unzureichenden Kapazität der dänischen Landstraße A 11 (trotz des Kürzels keine Autobahn) und auch der anschließenden Bundesstraße 5 nicht nur den gesamten Güterverkehr, sondern auch die wachsende Zahl von Fahrzeugen der Fernpendler und Touristen aufnehmen muss.
Er kritisiert, dass man sich auf dänischer Seite beim Straßenausbau ganz auf die Anbindung Klipleff-Sonderburg fixiert. "Dabei gibt es dort heute drei Landstraßen, die Autobahn und Alsensund miteinander verknüpfen. Im Westen gibt es nur die A 11", betont er. Er bezweifelt, dass der Verkehr zum Beispiel von Flensburg nach Sonderburg auf die geplante Autobahn Klipleff-Alsensund verlagert wird, da dies mit vielen Kilometern Umweg verbunden ist.
Wunsch: eine engere Zusammenarbeit der dänischen und deutschen Verkehrspolitiker
Freiberg sieht beim aktuell diskutierten Konzept, die Autobahn Hamburg-Kolding durchgehend sechsspurig auszubauen, das Problem, dass alle Brücken und Zufahrten neu gebaut werden müssten und jahrelange Bauarbeiten den heute schon oft stockenden Verkehrsstrom weiter behindern würden.
Freiberg wünscht sich auch eine engere Zusammenarbeit der dänischen und deutschen Verkehrspolitiker, denn für den Verkehr von und nach Dänemark ist der geplante Bau der Autobahn A 20 von Lübeck über die Unterelbe von großer Bedeutung. "Eine Westküstenautobahn würde zur neuen Elbquerung führen und den Engpass Hamburg umgehen", so Freiberg, der Chancen für Verkehrsverlagerung auf die Schiene derzeit nur im Fernverkehr sieht und deshalb höchstens am Knotenpunkt Pattburg Aktivitäten im kombinierten Verkehr erwartet.
Zu den Gütern, die transportiert werden, gehört tonnenweise Giftschlamm
Die Verkehrssicherheit ist Freiberg ein sehr großes Anliegen. Gerade angesichts der strengen Auflagen bei Fahrzeiten und Pausen sei es wichtig, eine ausreichende Infrastruktur vorzuhalten. Sorgen bereiten ihm der schlechte bauliche Zustand vieler Zubringerstrecken nördlich und südlich der Grenze. So sei ein Fahrer auf dem Weg zur Arbeit in Süderlügum auf der besonders verfallenen „Betonstraße“ tödlich verunglückt. "Auch zwischen Tondern und der Autobahn herrschen aufgrund von tiefen Spurrillen teilweise lebensgefährliche Verhältnisse", schimpft der Fuhrunternehmer, der rund 60 Mitarbeiter beschäftigt.
Zu den Gütern, die transportiert werden, gehört tonnenweise Giftschlamm, der aus den Dünen bei Varde ins Ruhrgebiet zur Entsorgung gebracht wird ebenso wie Bücher aus der Großdruckerei in Leck oder Kies und Sand für die Bauwirtschaft. Freiberg wünscht sich auf der dänischen Seite der Grenze mehr Fahrradwege entlang der Landstraßen. Während auf deutscher Seite fast alle Bundesstraßen Radwege erhalten haben, sind die dänischen Hauptstraßen in Nordschleswig, was Radwege angeht, lückenhaft ausgestattet

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