Schwülwarmes Wetter : Pilz bedroht den Weizen

Eine befallene Weizenähre: Eine befallene Weizenähre: Der obere Teil  ist  bereits abgestorben.  Foto: Birr
Eine befallene Weizenähre: Eine befallene Weizenähre: Der obere Teil ist bereits abgestorben. Foto: Birr

Es ist schwülwarm und nass - ein Wetter, das vor allem den Winterweizen gefährdet.

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22. Juni 2013, 10:24 Uhr

Kiel/Rendsburg | Es herrscht ein Klima, bei dem der Warndienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Rendsburg aktiv wird. Es ist schwülwarm und nass - ein Wetter, das vor allem den Winterweizen gefährdet. Der befindet sich derzeit auf rund 165.000 Hektar in Schleswig-Holstein in der Blüte und bietet damit angesichts der aktuellen Witterung einen idealen Nährboden für bedrohliche Schmarotzer: Fusariumpilze. "Unseren Warndienst haben fast alle 4200 Bauern im Land, die Ackerbau betreiben, abonniert", sagt Kammersprecherin Daniela Rixen. So könnten sie rechtzeitig die Gefahr der Pilz-Infektion mit Pflanzenschutzmitteln abwenden.
Denn Fusariumpilze sind gefährlich. Deren Stoffwechsel bilden Gifte, "Mykotoxine", die bei Aufnahme über einen längeren Zeitraum sowohl Menschen wie auch Nutztiere krank machen. "Sie können krebserregend und erbgutschädigend wirken sowie das Hormon-, Nerven- und Immunsystem negativ beeinflussen", berichtet Tim Birr (32), Agrarwissenschaftler am Institut für Phytopathologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. "Bei höherer Konzentration kann es zu inneren Blutungen, Leber-, Nieren- und Hautschädigungen kommen."

Mykotoxine im Getreide sind hitzestabil,

Zusammen mit seinem Institutskollegen Christian Engel (29) nimmt Birr verstärkt die Naturgifte in der Landwirtschaft unter die Lupe. Birr hat dabei seinen Fokus auf die Fusariumpilze gerichtet, deren Verbreitung, Wirkung und Bekämpfung er an acht über Schleswig-Holstein verteilten Standorten in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer erforscht. Der 32-Jährige testet dabei drei Winterweizen-Sorten, die unterschiedlich resistent gegen Befall von Fusariumpilzen sind. Bereits jetzt wurden erste Ergebnisse den Landwirten präsentiert: So sollte Weizen nicht direkt im Folgejahr erneut auf demselben Feld angebaut werden. Die Bauern sollten Ernterückstände stets gründlich unterpflügen, um den Pilzen die Nahrungsgrundlage zu entziehen.
Trotzdem warnt Birr: "Unter den derzeitig anhaltenden Witterungsbedingungen ist von einer gesteigerten Infektionsgefahr durch Fusarien und damit erhöhten Mykotoxinbelastung des Ernteguts auszugehen." Die Landwirte sollten jetzt mit geeigneten Pflanzenschutzmitteln der Gefahr begegnen. Der Forscher will dabei dem Verbraucher gleichzeitig eine Angst nehmen: "Manche Stoffe in Kaffee oder Tee wirken toxischer als die Wirkstoffe gegen den Pilz."
Das Tückische: Mykotoxine im Getreide sind hitzestabil, sie überleben bis ins Brot. Deshalb muss das Getreide vor der Vermarktung auf Grenzwerte kontrolliert werden. Für Weizen gelten 1250 Mikrogramm pro Kilogramm. "Dies geschieht auch", sagt Torsten Frey, verantwortlicher Händler bei der Getreideabteilung der Hauptgenossenschaft Nord in Kiel. "Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in den vergangenen zwei Jahren Chargen aus Schleswig-Holstein wegen zu hoher Mykotoxin belastung vom Markt nehmen mussten."

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