Norderbrarup : Pferdeklappe: Hilferufe aus ganz Deutschland

Petra Teegen mit  Andalusier-Schimmel „Monty“, der aus Bayern zur Pferdeklappe gebracht wurde.
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Petra Teegen mit Andalusier-Schimmel „Monty“, der aus Bayern zur Pferdeklappe gebracht wurde.

Ihre schlechte finanzielle Lage treibt immer mehr Pferdehalter in die Not: Die Hilfseinrichtung im Kreis Schleswig-Flensburg nahm seit ihrem Start im Sommer bereits mehr als 40 Tiere auf. Die Betreiber können sich vor Anfragen kaum retten.

shz.de von
15. November 2013, 11:57 Uhr

Norderbrarup | „Ich schaffe es finanziell nicht mehr.“ Mit Tränen in den Augen musste sich ein Hamburger von seinem 25 Jahren alten Pony trennen. Abgerutscht in Hartz IV konnte er nicht mehr die Unterbringung für den Isländer bezahlen. Er versuchte, das Tier zu verkaufen, aber keiner wollte es haben. Da las er von der der ersten Pferdeklappe Deutschlands, eine Art Babyklappe für Pferde. Ins Leben gerufen wurde sie von Petra Teegen (60) und ihren Mitstreitern in Norderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg).

Die Pferdeklappe ist eine Weide an der Ruruper Straße. Dort können Pferdehalter in Not ihre Tiere anonym abstellen. Sie brauchen nur den Elektrozaun abschalten und das Hecktor öffnen. Begrüßt werden sie von drei Pony-Wallachen. „Das sind unsere Empfangsjungs, denn Pferde sind Herdentiere und brauchen Gesellschaft. Besonders in so einer Situation“, erklärt Petra Teegen, die sich seit Jahren um verwahrloste Pferde kümmert. An einem Pfahl  hat sie eine Notbox befestigt, in der sich ein Info-Brief befindet: „Du hast Dich entschlossen, Dein Pferd in unsere Hände zu geben. Wir kümmern uns um Dein Pferd, Du brauchst Deinen Namen nicht zu nennen, aber vielleicht kannst Du zu Deinem Tier wichtige Hinweise geben.“

Dann wird drauf hingewiesen, dass sich der verzweifelte Pferdehalter nicht sofort entscheiden muss, seinen Liebling endgültig abzugeben. Er kann sich dafür vier Wochen Zeit lassen, erst danach geht das Pferd in den Besitz des Vereins Notbox über, wird vom Tierarzt untersucht und kann vermittelt werden. „Ich habe eine Liste mit Leuten, die ein Pferd suchen. Wir prüfen, ob sie geeignet sind, erst danach geben wir das Tier ab“, berichtet  Teegen.

Seit dem Start der Pferdeklappe im Sommer dieses Jahres wurden bislang mehr als 40 Tiere aufgenommen, doch nur drei Besitzer stellten ihr Pferd völlig anonym und ohne Papiere auf die Koppel. Die meisten melden sich vorher telefonisch. Inzwischen kann Petra Teegen sich kaum vor Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet retten. In der vorletzten Woche meldeten sich allein drei Pferdehalter aus Bayern, die nicht mehr weiter wussten. Mit Beginn des Winters rechnet die Tierschützerin damit, dass die Hilferufe noch weiter zunehmen.

Es sind vor allem finanzielle Gründe, die zu diesem Schritt fuhren. „Stallmiete, Futter, Versicherung und Tierarzt – ein Pferd kostet etwa 300 Euro im Monat“, rechnet Teegen vor und erzählt von einer Frau, die vor der Entscheidung stand, ihre Wohnung oder die Pferdebox zu bezahlen. Außerdem besteht kaum Möglichkeit, ein Freizeitpferd zu verkaufen. Teegen: „Der Pferdemarkt ist fast tot.“ So haben Leute, die weggezogen sind, einfach  ihren Hengst auf der Hausweide zurückgelassen. Dies erinnert an die fürchterlichen Berichte aus Irland. Während der Krise hatten viele Pferdebesitzer ihre Tiere einfach in der freien Natur ausgesetzt.

In ihrer Not, so die Erfahrung von Petra Teegen, vernachlässigen einige ihre Tiere, sparen am Futter oder an den nötigen Impfungen. „Manche wollen sich die Probleme auch nicht eingestehen. Sie sind stolz auf ihr Pferd und es ist ihnen peinlich, es abgeben zu müssen“, sagt die Gründerin der Pferdeklappe, die von etwa 50 Vereinsmitgliedern unterstützt wird und bislang jedes Pferd vermitteln konnte. „Es macht mich zufrieden und glücklich, wenn ich ein Pferd gerettet und vermittelt habe. Das ist eine wirklich erfüllende Aufgabe.“

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