Fehlerhafte Produktion? : Pfefferspray der Polizei ohne Wirkung

Das Pfefferspray der Polizei in Schleswig-Holstein soll wirkungslos sein. Foto: ddp
Das Pfefferspray der Polizei in Schleswig-Holstein soll wirkungslos sein. Foto: ddp

Bei vier Einsätzen in Flensburg zeigte ein Pfefferspray der Polizei keine Wirkung. An dem Produkt liege das aber nicht, sagt der Hersteller.

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12. Dezember 2009, 04:33 Uhr

"Das ist eine ganz gefährliche Kiste", sagt es Karl-Hermann Rehr frei heraus. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Schleswig-Holstein sorgt sich darum, dass das Pfefferspray seiner Kollegen im Land wirkungslos sein könnte. Bei vier Einsätzen in Flensburg konnten Polizisten die Angreifer mit dem Spray nicht zurück halten. Jessica Wessel vom Landespolizeiamt bestätigt: "Eine ganze Lieferung könnte ohne Wirkung sein." Das würde sämtliche Polizisten im nördlichen Bundesland betreffen.
Allerdings schränkt Wessel ein: "Es kann vorkommen, dass ein Mensch nicht auf das Reizgas reagiert, weil er unter Drogen oder Alkohol steht oder weil sein Adrenalinspiegel sehr hoch ist." Dass dies jedoch bei vier Einsätzen der Fall sein soll, scheint auch ihr verdächtig. Von Vorfällen in anderen Städten hat Wessel noch nichts gehört. Trotzdem: "Vorsichtshalber haben wir alle neuen Dosen zurück zum Hersteller geschickt." Um wie viele es sich dabei handelt, weiß sie nicht. Beim Hersteller in der Schweiz sollen die Produkte nun chemisch analysiert werden. Weil auf die Schnelle kein Ersatz verschickt werden kann, arbeiten die betroffenen Polizisten jetzt mit älterem Spray, das noch nicht abgelaufen ist.
Hersteller hat einwandfreie Ware zu liefern
Pfeffersprays haben ein Verfallsdatum. Die Kartuschen der Polizei werden daher regelmäßig ausgetauscht. "In den Waffenkammern werden die Sprühköpfe immer überprüft", sagt Wessel. Chemische Analysen finden allerdings nicht statt. "Es ist mit dem Hersteller vertraglich vereinbart, dass er Qualität liefert und die Produkte einwandfrei sind."
Hersteller ist die Schweizer IDC System AG. Sie beliefert auch die Polizei in anderen Bundesländern Deutschlands. Im IDC-Labor wurden die eingeschickten Muster der angeblich fehlerhaften Lieferung bereits getestet. "Sie entsprechen dem Anspruch der Polizei, chemisch ist alles einwandfrei", sagt Pressesprecher Andreas Bucher auf shz.de-Anfrage. Das soll laut Wessel auch ein unabhängiges Labor prüfen. Das Landespolizeiamt wertet die Einsätze derzeit aus. "Eventuell wurde das Spray auch falsch angewendet", so Wessel.
"Pfefferspray ist das einzige Mittel für Polizisten, um Angreifer fern zu halten, ohne die Schusswaffe einzusetzen", sagt GdP-Geschäftsführer Rehr. Er ist deshalb froh darüber, dass das Land "zügig reagiert hat und den Austausch vornimmt".

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