Namensforschung : Petersen häufigster Nachname in Schleswig-Holstein

Petersen ist der häufigste Nachname in Schleswig- Holstein. Rund 7100-mal steht er im Telefonbuch, hat eine Untersuchung ergeben. Auf Platz zwei: Schmidt.

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25. November 2008, 08:34 Uhr

"Petersen - das ist ein richtig schleswig-holsteinischer Name", sagte der Namensforscher der Universität Leipzig, Professor Jürgen Udolph, am Montag. In ganz Deutschland gebe es den Namen nur rund 13000-mal auf der Telefon-CD. "Das heißt, dass mehr als die Hälfte der Petersens im nördlichsten Bundesland wohnt."

Die mit rund 6700 Einträgen im Norden zweitplatzierten Schmidts - abgeleitet vom Beruf des Schmieds - gibt es deutschlandweit dagegen rund 200000-mal. Die Telefon-CD dient dem Wissenschaftler als Forschungsgrundlage. Udolph nimmt den Faktor 2,6 um die absolute Zahl der Menschen mit einem Namen zu berechnen.

Die Kombination aus männlichen Vornamen mit der Endung -sen sei typisch für den Norden. "Man spricht von einer patronymischen Bildung", erläuterte Udolph. Bei der Entstehung des Namens gab dieser an, wie der Vater des Namensträgers mit Vornamen hieß. Daran sei deutlich die Nähe zu und der Einfluss von Skandinavien zu spüren, wo besonders häufig patronymisch abgeleitete Familiennamen auftreten. "Im Dänischen ist das -sen, im Schwedischen - son." Petersen bedeute wörtlich übersetzt "dem Peter sein Sohn".
Thomsen, Jensen, Johannsen
Patronymisch gebildet ist auch die Nummer drei in der Hitliste der häufigsten Nachnamen in Schleswig-Holstein - Hansen (6500 Einträge im Norden, 16.000 in Deutschland). Weitere häufige patronymisch gebildete Namen sind Thomsen, Jensen und Johannsen. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) landete mit seinem Nachnamen auf Platz 30 der schleswig-holsteinischen Hitliste, drei Plätze hinter Welle-Nord-Morgenmoderator Jan Malte Andresen.

Die Müllers mit 4800 Einträgen landeten auf Platz vier, vor den Möllers mit 4300. Beide Namen haben laut Udolph den gleichen Ursprung - den Beruf des Müllers. "Möller ist die niederdeutsche Variante, Müller die hochdeutsche", erklärte der Namensforscher. "Das Niederdeutsche ist typisch norddeutsch und hatte seine Hochzeit zur Zeit der Hanse, wird aber vom Hochdeutschen zunehmend verdrängt", sagte Udolph. In ganz Deutschland gibt es im Telefon rund 268000 Müllers und 30000 Möllers.

"Trotz der wachsenden Mobilität und Globalisierung sind 70 bis 80 Prozent der Familiennamen immer noch dort zu finden, wo sie entstanden sind", berichtete Udolph. Die einzige Ausnahme entstehe durch Flucht und Vertreibung. So seien die Namen von Flüchtlingen etwa aus Ostpreußen fast auf das ganze Land verteilt.

Zehn Wochen lang spannte NDR 1 Welle Nord ihre Hörer mit der Top 50 der Hitliste der häufigsten Namen auf die Folter. Am Montag war das Finale. "Die Aktion hat die Hörer begeistert, wir haben für Gesprächsstoff gesorgt", sagte Moderator Andresen. In vielen E-Mails und Briefen an den Sender zu ganz gewöhnlichen Themen hätten die Leute Bezug auf die Aktion genommen, wenn sie etwa in der Grußformel hinter ihren Namen ihre Platzierung schrieben. "Namen sagen viel über Land und Leute aus", sagte Andresen.

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