Fachkräftemangel : Personal ist knapp: Gastronomie in Not

Köche händeringend gesucht: 381 Küchenjobs sind in Schleswig-Holstein noch zu haben. Foto: dpa
Köche händeringend gesucht: 381 Küchenjobs sind in Schleswig-Holstein noch zu haben. Foto: dpa

Köche, Kellner, Hotelfachleute - in Schleswig-Holstein sind hunderte Stellen offen. Die Berufe im Gastgewerbe zählen traditionell zu den Top Ten der freien Jobs.

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28. März 2013, 08:56 Uhr

Kiel | Die Tourismus-Saison steht vor der Tür - und damit auch ein riesiges Problem: In der Branche herrscht extremer Fachkräftemangel. Köche, Kellner und Hotelfachleute sind rar geworden im Norden. Tatsächlich waren Ende Februar 954 sozialversicherungspflichtige Stellen im schleswig-holsteinischen Gastgewerbe unbesetzt, wie Horst Schmitt, Sprecher der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, am Dienstag erklärte. Es fehlten 381 Köche, 99 Hotel- und 474 Restaurantfachkräfte im Norden.

Und die Zukunft sieht nicht besser aus. Die Berufe im Gastgewerbe gehören zu den Top Ten bei den offenen Lehrstellen in Schleswig-Holstein. "Die unbesetzten Ausbildungsplätze von heute sind die fehlenden Fachkräfte von morgen", warnt Schmitt.

"Das Problem wird jedes Jahr schlimmer"

Auch Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Schleswig-Holstein, sieht die Gründe für den akuten Fachkräftemangel beim fehlenden Nachwuchs. Junge Menschen, die früher zu Hunderten aus Mecklenburg-Vorpommern nach Schleswig-Holstein kamen, um hierzulande im Gastgewerbe zu lernen, bleiben inzwischen wegen des demographischen Wandels und schwindender Schülerzahlen aus. Zudem ist der Fachkräftemangel im Nordosten noch drastischer. "Das Problem haben wir seit zwei bis drei Jahren, und es wird jedes Jahr schlimmer", sagt Scholtis.

Die IHK Schleswig-Holstein bestätigt den Trend: Insgesamt ging 2012 die Zahl der Lehrverträge im Land gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent zurück. Beim Gastgewerbe lag der Rückgang bei 8,5 Prozent, sagt IHK-Ausbildungsexperte Hans Joachim Beckers in Kiel. Zudem belegt eine Betriebsbefragung der Kammer, wie prekär die Lage jetzt schon ist: 2012 konnten landesweit 18 Prozent aller Betriebe ihre Stellen nicht besetzen - im Hotel- und Gaststättenbereich waren es dagegen 48 Prozent der Betriebe, "die keine geeigneten Kräfte einstellen konnten", so Beckers.

"Die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern"

"Der Beruf muss attraktiver werden, die Rahmenbedingungen müssen sich verbessern", fordert deshalb Finn Petersen, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Schleswig-Holstein-Nord. Das passiere doch bereits, sagt dagegen IHK-Experte Beckers. Gemeinsam mit dem Dehoga sei eine Qualitätsoffensive "Gastgewerbliche Ausbildung" gestartet worden, die langfristig Früchte tragen soll. Entscheidend sei dabei das Arbeitsklima, "und dass der Beruf Spaß macht", sagt Beckers.

Und das Gehalt muss stimmen, meint der NGG-Geschäftsführer. Ein ausgelernter Koch verdiene laut Tarif 1484 Euro brutto, im sechsten Jahr komme er auf 1844 Euro. Petersen: "Am Ende steht doch für jeden die Frage: Kann ich mit dem Beruf überleben, und kann ich damit meine Familie ernähren?"

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