Ratten in Flensburg : Pelzige Nager auf dem Vormarsch

Von der Kanalisation ungeniert ans Licht der Öffentlichkeit: Immer häufiger werden Ratten in Flensburg gesichtet. Foto: sh:z
Von der Kanalisation ungeniert ans Licht der Öffentlichkeit: Immer häufiger werden Ratten in Flensburg gesichtet. Foto: sh:z

Die Ratten-Population nimmt zu - auch in Flensburg. Die Nager huschen w am Bohlwerk über die Sandalen von Touristen. Jetzt nimmt die Stadt das Kanalnetz unter die Lupe.

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14. August 2010, 07:22 Uhr

Flensburg | Sie sind gar nicht scheu. Angstfrei gar. Pelzige Nager huschen wie selbstverständlich am Bohlwerk über die Sandalen von Touristen - und sind schon wieder verschwunden. Ungeniert bedienen sie sich in Vogelhäuschen oder Bio-Tonnen. Auf dem Eckener Platz, am Rathaus, selbst auf dem Gelände des St.-Franziskus-Hospitals wurden sie jüngst gesichtet. Fast nie kommen sie allein - Ratten sind gesellige Tiere. Experten sprechen schon von "Rattenautobahnen", die das Stadtgebiet durchziehen. Auch wenn sie zuweilen als Haustier gehalten werden, finden die meisten Menschen sie alles andere als possierlich. Und wer keine Katzen hat, holt sich bisweilen jemanden, der auf Bestellung tötet - einen Kammerjäger.
Auch die Stadt reagiert. Außendienstler des Technischen Betriebszentrums (TBZ) nehmen das Kanalnetz unter die Lupe, der Kanalmeister hängt an ausgewählten Stellen vergiftete Köder-Boxen aus. Der Grund liegt auf der Hand. "Die Ratten-Population nimmt zu - wenn auch nicht dramatisch", bestätigt Stadtsprecher Thomas Hansen auf Anfrage. 1200 Giftköder werden über das Jahr gerechnet in der Kanalisation des öffentlichen Straßenraums ausgebracht. Der Rattenbefall ist besonders in den Bereichen Wald-, Flur- und Dorotheenstraße virulent. "Wir haben in der Vergangenheit noch nie ein Problem damit gehabt", wundert sich Hansen. Klimatische Veränderungen könnten dafür die Ursache sein, aber auch ganz konkrete: Vor einigen Wochen gab es Tiefbauarbeiten in der Flurstraße. "Wahrscheinlich sind die Tiere dort aufgescheucht worden und haben sich Rückzugsgebiete gesucht", vermutet Klaus Deitmaring, Direktor des St.-Franziskus-Hospitals.
Im Übrigen würden auf dem Durchgang des Grundstücks zwischen Wald- und Dorotheenstraße sehr oft Essensreste achtlos fortgeworfen. "Das ist nicht neu, sondern eine alte Last", weiß Deitmaring, der über den sich ausbreitenden Rattenbefall in einem derart sensiblen Bereich alles andere als glücklich sein kann. Er betont jedoch: "Im Krankenhaus selbst hat sich nie eine Ratte blicken lassen, auch nicht im Keller." Das Krankenhaus hat auf seinem Areal schon länger 40 Fallen aufgestellt. Zudem wird nun verstärkt Gift gestreut. Angestellte leeren die Mülleimer bis zu zweimal täglich, in zwei Wochen werden sie allesamt mit einem Deckel fest verschlossen. "So sollte das Problem bald aus der Welt sein", hofft der Klinik-Chef. Bislang hat es bei der Stadt noch keine Beschwerden gegeben, die Ordnungsverwaltung sollte jedoch sofort alarmiert werden, wenn es heißt: Rattenschwanz in Sicht!

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