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Gartenkultur : Paradies am Rande der Stadt

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Blumen und Blüten stehen im Visier wie nie zuvor in Schleswig-Holstein: Am 25. April öffnet in Schleswig die erste Landesgartenschau ihre Pforten. Auch mit einem grenzüberschreitenden Blickwinkel bietet das Thema Garten spannende Geschichten

In den beiden Nachbarländern sind auf diesem Gebiet unterschiedliche Kulturen entstanden. So werden deutsche Gärten meist nach der Do-it-yourself-Methode angelegt, während junge dänische Familien auch schon mal einen Gartenarchitekten engagieren. Christine und Hans-Willi Geil aus Flensburg sind verliebt in ihren typisch deutschen Kleingarten. Seit nahezu einem halben Jahrhundert genießen sie ihr bescheidenes Stückchen Land am Stadtrand. Fürstliche Verhältnisse dagegen herrschen bei Familie Matzen aus dem dänischen Rørkær. Ihr stehen 6000 Quadratmeter zur Verfügung.
Bohnen schnippeln, Kartoffeln schälen - das überlässt Hans-Willi Geil seiner Frau Christine. "Gemüse putzen und Essen machen ist meine Aufgabe", sagt sie augenzwinkernd. Außerdem: "Mein Mann weiß gar nicht, wie das geht. Hans-Willi ist für die schweren Arbeiten im Garten zuständig." Bei den Geils herrscht noch die klassische Arbeitsteilung. Die beiden 76-Jährigen aus Flensburg haben seit fast 50 Jahren einen Kleingarten, der keine Wünsche offen lässt: Dort wachsen traditionelle Gemüsesorten, prächtige Blumen, und sie ernten leckeres Obst. "Ich stamme von einem Bauernhof und liebe die Natur. Ein Gemüsegarten ist für mich selbstverständlich - schon seit Kindertagen", erzählt Christine Geil.
Die Versorgung aus dem eigenen Garten entlastete damals, Ende der 50er Jahre, die Haushaltskasse vieler Familien. Vor rund 13 Jahren hat das Ehepaar sein Reihenhaus verkauft und sich eine Eigentumswohnung zugelegt - zwei Gärten wurden denn doch zu viel. "Heute habe ich einfach nur Spaß am Gärtnern - es ist meine Lebensaufgabe. Das Gemüse schmeckt besser als das aus dem Supermarkt, und die Kleingärtner-Gemeinschaft gefällt mir", schwärmt die Flensburgerin, die in den wärmeren Monaten täglich zum Kleingarten radelt. Das Fleckchen fruchtbare Erde in der "Kolonie Marienheim" am Rande der Stadt ist ihr Ein und Alles.
Wenige junge Familien
Hans-Willi Geil engagiert sich ehrenamtlich im Kleingartenverein. Er ist Rechnungsführer. "Da fällt immer was an. Wir vom Vorstand treffen uns fast täglich, ich kontrolliere Rechnungen und Buchungen, wir besprechen Aktionen, Feste und die Bewerbung von neuen Pächtern", sagt er und bedauert sehr, dass immer weniger junge Familien einen Kleingarten pachten: "Wir überaltern hier zunehmend."
Das Kleingärtner-Ehepaar schwärmt von früheren Zeiten, von den jährlichen Kinderfesten zum Beispiel. "Schade, dass immer weniger Kinder in die Kolonie kommen", findet Christine Geil, "dabei haben wir hier doch alles für die Lütten: einen Kinderspielplatz, Wege zum Radfahren, den Wald in der Nähe, ein Gemeinschaftshaus und natürlich die Gärten, die Natur". Das Ehepaar Geil hat selbst zwei Kinder und vier Enkelkinder, mit denen es in seinem Kleingarten so manch schöne Stunde verbringt. Ein Kleingarten bedeutet auch Verantwortung. Er muss gehegt und gepflegt werden. Das steht peinlich genau in der Vereinssatzung.
Einkochen und Einfrieren
Trotzdem ist die Gartenarbeit für Christine Geil pure Erholung. Sie freut sich auf das Frühjahr und den Sommer: "Das Säen übernimmt mein Mann. Ich halte die Beete sauber und ernte die Früchte." Erdbeeren sind als Erstes dran gefolgt von Rhabarber, und dann geht es Schlag auf Schlag: Kartoffeln, Erbsen, Karotten und Bohnen, Zucchini, Salat und Kürbis. Außerdem Tomaten und Gurken aus dem kleinen Treibhaus. Erntefrisch und garantiert chemiefrei sind jedes Jahr auch die roten und schwarzen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Äpfel und Pflaumen. Ernten, Saubermachen, Einkochen und Einfrieren für den Winter - typische Saison-Aufgaben eines Kleingärtners.
Christine Geil schildert ihren gärtnerischen Tagesablauf: "Ich radele am frühen Vormittag hierher und erledige die Gartenarbeit. Nach dem Mittagessen mache ich auf unserer windgeschützten Terrasse eine ausgedehnte Pause und fahre am Abend wieder nach Hause." Ihre selbst gemachten Marmeladen sind legendär und ein beliebtes Mitbringsel. Hans-Willi Geils Aufgabe ist die Kompostierung von Garten- und Gemüseabfällen. Darin geht er richtig auf: "Ich habe mehrere Behälter, schichte um, und heraus kommt wunderbare Blumenerde für unsere Balkonkästen zu Hause oder zum Düngen unserer Beete." Kunstdünger, nein danke! "Bei uns ist alles Natur." Jetzt freuen sich die beiden erst einmal auf den Frühling. Am 1. Mai wird gegrillt und gefeiert. Da kommen alle Kleingärtner der Kolonie und eröffnen gemeinsam die neue Saison in ihrem Paradies am Rande der Stadt.

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erstellt am 18.Apr.2008 | 06:29 Uhr

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