Landeskriminalamt : Panne: Leiche erst nach Monaten identifiziert

Hat das LKA Schleswig-Holstein geschlampt? Die Eltern von Davina Seyfried erheben schwere Vorwürfe gegen die Behörde. Innenminister Schlie räumte Versäumnisse ein.

Avatar_shz von
23. Juni 2011, 10:59 Uhr

Kiel | Das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein hat sieben Monate gebraucht, um die DNA ihrer im Oktober 2010 verschwundenen Tochter mit einer drei Wochen später vor Brunsbüttel angetriebenen Leiche abzugleichen. Sieben quälende Monate, in denen Eltern, Geschwister, Freunde und Bekannte der 26-jährigen Lehramtskandidatin aus Bremen gesucht und gehofft haben - vergeblich. Erst Anfang dieses Monats stellte das LKA in Kiel die DNA-Daten der Leiche aus dem Wattenmeer in die bundesweite Vermisstendatei ein. Dann stand innerhalb von Minuten fest: Bei der Toten handelt es sich um die seit dem 13. Oktober vermisste Bremerin.
Mittwoch beschäftigte sich der Innenausschuss des Landtags mit dem Fall. Innenminister Klaus Schlie (CDU) hat die Versäumnisse des Landeskriminalamtes dabei eingeräumt: "Es war eine unglückliche Kette von Versäumnissen", sagte Schlie vor dem Ausschuss. Anschließend entschuldigte er sich bei dem anwesenden Vater. Dieser nahm die Entschuldigung an. Er habe aber noch Fragen und erhoffe sich von dem für Donnerstag geplanten Gespräch mit Schlie noch Antworten, sagte er vor Journalisten.
"So etwas braucht nun mal seine Zeit", hatte das LKA in Kiel die lange Wartefrist im Bremer "Weser-Kurier" begründet. Marie-Claire Haag, Pressesprecherin der Bremer Polizei, widersprach: "Normalerweise dauert ein solcher Abgleich vielleicht einige Stunden, aber nicht Wochen oder Monate."
"Dafür muss jemand die Verantwortung übernehmen"
Auch für den Vorsitzenden des Rechts- und Innenausschusses, Thomas Rother (SPD), ist offenkundig, "dass da etwas völlig schief gelaufen ist." Daher setze er sich dafür ein, dass der Vorgang sorgfältig aufgearbeitet wird. Jetzt müsse geklärt werden, wann welche Dienststelle was unternommen habe. Möglicherweise sei einfach vergessen worden, die Ergebnisse in die Datenbank einzugeben. "Dann muss jemand die Verantwortung dafür übernehmen", so Rother. Möglich sei aber auch, dass es dienstliche Anordnungen gebe, den Fall als nicht vorrangig einzustufen. "Dann müssen die Verfahrensabläufe geändert werden", so Rother. Klar ist für den SPD-Abgeordneten: "Das darf in einem halbwegs geordneten Betrieb nicht passieren."
Er will vom LKA auch eine Erklärung dafür haben, warum plötzlich im Juni dann doch der Eintrag in die Datenbank erfolgte - nachdem die Familie der Verschwundenen offenbar in Eigeninitiative einen Magdeburger Kripo-Beamten eingeschaltet hatte. Gegenüber den Angehörigen der lange Zeit als vermisst geltenden jungen Frau sei das eine "untragbare Situation" gewesen, so der Landtagsabgeordnete.
"Das Leid der Familie hätte reduziert werden können"
Hinter den Kulissen tobte am Mittwoch im Kieler Landeshaus ein Kampf: Soll die Sitzung öffentlich stattfinden? Das Innenministerium hatte, wie es heißt, den routinemäßig Antrag gestellt, die Öffentlichkeit - und damit auch den Vater - bei der Sitzung auszuschließen. In der Sorge, es könnten die Persönlichkeitsrechte der Familie verletzt werden. Eine Freundin der Bremer Familie, Sabine Maßmann, zeigte dafür kein Verständnis: "Das sieht so aus, als sollte jetzt die Schlamperei des LKA auch noch vertuscht werden".
Rother war zuvor von zahlreichen Bürgern mit vorgefertigten Schreiben aufgefordert worden, sich in den Fall einzuschalten. Maßmann hatte dazu Vordrucke ins Internet gestellt. "Davinas Freitod konnte nicht verhindert werden, jedoch hätte das Leid der Familie auf ein Minimum reduziert werden können", heißt darin. Monatelang hätten Freunde und Bekannte Geld aufgewendet, für Flyer und Reisen zu Hinweis-Orten. Die intensive Suche nach Davina Seyfried war zu großen Teilen über soziale Netzwerke wie Facebook und StudiVZ gelaufen. Noch im April war durch einen Aufruf im Netz eine Suchaktion mit mehr als 70 freiwilligen Helfern organisiert worden. Bis zum Schluss hatten Regionalzeitungen und lokale Fernsehsender Hilfe-Aufrufe der Eltern und Geschwister veröffentlicht - doch da war Davina schon monatelang Tod.
(kim, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen