Schiffsunglück vor Amrum : "Pallas" - die Angst verjährt nicht

Der brennende Frachter treibt am 26. Oktober 1998 etwa 15 Seemeilen vor Sylt. Foto: dpa
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Der brennende Frachter treibt am 26. Oktober 1998 etwa 15 Seemeilen vor Sylt. Foto: dpa

54 Grad, 32,5 Minuten Nord, 8 Grad, 17,2 Minuten Ost - das ist die Position der "Pallas". Der vor zehn Jahren vor Amrum gestrandete Holzfrachter ist Sinnbild für die in Nord- und Ostsee durch Schiffsverkehr drohenden Gefahren.

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30. Oktober 2008, 01:47 Uhr

Amrum | Eine Folge von Fehleinschätzungen, verspäteten Reaktionen und falschen Maßnahmen. Am Ende dann ölverschmutzte Strände, verendete Vögel und eine 14 Millionen Mark hohe Rechnung für den Steuerzahler. Auch zehn Jahre nach der Strandung des Holzfrachters "Pallas" vor Amrum steht der Schiffsname für die Forderung nach einem besseren Küstenschutz. Und für die Angst der Menschen vor einer neuen Havarie mit womöglich schlimmeren Folgen.
Am 25. Oktober 1998, kurz vor Mitternacht, funkte der Kapitän auf Höhe Esbjerg SOS. Es brannte in einer Ladeluke. Von den dänischen Kollegen nur unzureichend über die Situation des Havaristen informiert und zunächst im Glauben, nicht zuständig zu sein, blieben die Beamten im Zentralen Meldekopf in Cuxhaven zunächst passiv.
"Pallas" läuft auf Grund
Vier Tage später lief das von der Besatzung verlassene und brennende Geisterschiff vor Amrum auf Grund. Auslaufendes Schweröl bedrohte den einzigartigen Sandstrand. Umweltschützer riefen Großalarm aus. Reporter belagerten die Insel und lieferten dramatische Bilder von toten Seevögeln. Die große Katastrophe schien gekommen.
"Da hatten wir das, wovor wir uns am meisten fürchten", erinnert sich Amrums Amtsvorsteher Jürgen Jungclaus. Seit jeher ist es die größte Sorge der Insulaner, dass ihr Strand am Übergang zwischen Wattenmeer und hoher See durch die Havarie eines Schiffes mit gefährlicher Ladung zur Sondermülldeponie wird.
Umweltfolgen - nur ein "Kataströphchen"
"Die Bilder, die damals gezeigt wurden, waren für uns eine Katastrophe. Das Signal lautete: Amrum ist völlig verschmutzt", sagt Jungclaus.
Dabei waren die Folgen für die Umwelt vergleichsweise gering. Ein "Kataströphchen" nennt es der Amrumer Buchhändler und Naturschützer Jens Quedens: "Die Medien haben das Thema hochgespielt. Nahaufnahmen von toten Vögeln vermittelten den falschen Eindruck von einer Ölpest." Letztlich verendeten 16.000 Seevögel. "Das ist nicht viel. In Dänemark werden jedes Jahr 60.000 Eiderenten geschossen", sagt Quedens. Die ausgelaufenen 100 Tonnen Öl seien nicht mehr als ein Tropfen in der Nordsee gewesen. "Unsere Feuerwehr hatte die Ölspuren an zwei Wochenenden weggeräumt."
Schiffsunglück als Ansichtskarte
Kleinverleger Quedens zog damals viel Unmut auf sich, als er Postkarten der brennenden "Pallas" herausbrachte. Geschäftemacherei mit der Katastrophe wurde ihm vorgeworfen. "Wir wollten nicht, dass Amrum ständig mit dem Unglück in Verbindung gebracht wird", sagt Jungclaus.
Die eigentliche Katastrophe spielte sich nach Ansicht der Amrumer hinter den Kulissen ab. "Es war ein unglaubliches Kompetenz-Wirrwarr", sagt Jungclaus. Mehrere Bundesbehörden, Landesämter und regionale Stellen hätten gemacht, was sie wollten. "So verging wertvolle Zeit, und wir hatten am Ende den Frachter vor der Insel." Unermüdlich kämpft er seitdem mit den übrigen nordfriesischen Inseln und Halligen für mehr Sicherheit im Schiffsverkehr. "Unsere zentrale Forderung nach einer einheitlichen deutschen Küstenwache ist aber immer noch nicht erfüllt."
Das Wrack der "Pallas" ist von Amrum aus bei gutem Wetter und Niedrigwasser weiter auf der Nordsee zu sehen. Ohne Aufbauten hat es die Form eines auftauchenden Wals. Und es wirkt wie eine Mahnung vor den Gefahren, die das Meer birgt. "Jederzeit kann ein Unglück größeren Ausmaßes eintreten", sagt Jungclaus. "Wir sind heute leider nicht besser darauf vorbereitet als vor zehn Jahren."

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