zur Navigation springen

Sturm in Deutschland mit Video : Orkan „Niklas“ in SH: Unwetter-Warnung aufgehoben, aber leichte Sturmflut möglich

vom

Der Orkan richtet in fast ganz Deutschland viel Schaden an. shz.de hat ein Video auf Sylt gedreht.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 10:50 Uhr

Hamburg/Kiel/Flensburg | Orkantief „Niklas“ wütete auch im Norden. Mittlerweile scheint sich die Lage aber zu beruhigen. Der Deutsche Wetterdienst hat die Unwetter-Warnung von orkanartigen Böen für SH aufgehoben. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat allerdings vor einer leichten Sturmflut an der deutschen Nordseeküste und im Elbegebiet gewarnt. Das Hochwasser in der Nacht zum Mittwoch werde an der Nordseeküste 1,00 bis 1,50 Meter und im Hamburger Elbegebiet um 1,50 Meter höher als das mittlere Hochwasser ausfallen.

Damit wäre der Wasserstand an der unteren Grenze, die als Sturmflut gilt. Der Scheitelpunkt wurde in Hamburg-St. Pauli gegen 3.28 Uhr erwartet. In Hamburg wurde damit gerechnet, dass die Elbe über die Kaikante am Fischmarkt schwappt. Die Verkehrsleitzentrale riet Autofahrern, ihre Fahrzeuge nicht auf tiefer gelegenen Parkplätzen abzustellen.

Unsere Kollegen haben in einem Video ein paar stürmische Impressionen von Sylt festgehalten.

Sturmtief „Niklas“ hat den Feuerwehren im Norden fast 850 Sturm-Einsätze beschert. Allein die Hamburger Feuerwehr zählte am Dienstagnachmittag knapp 500 Einsätze. Es seien etliche Bäume auf Straßen, Häuser und Oberleitungen gestürzt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Im Stadtteil Eidelstedt wurde das Dach eines Mehrfamilienhauses komplett abgedeckt. Im Holzhafen in Billbrook drohte ein Boot zu sinken. Am frühen Dienstagabend kamen immer noch neue Einsätze hinzu, wie der Sprecher sagte. Es sei aber niemand verletzt worden. „Niklas“ fegte am Dienstag mit orkanartigen Böen über Schleswig-Holstein und Hamburg.

In Schleswig-Holstein mussten die Rettungskräfte wegen des Sturms bis zum Abend rund 350 Mal ausrücken. Die meisten Einsätze gab es im Süden und im Westen des Landes: In den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn waren es knapp 100 Einsätze, im Kreis Pinneberg rund 130 Einsätze, im Kreis Steinburg 50 und in Dithmarschen rund 20, wie die Regionalleitstelle West in Elmshorn mitteilte. In Nordfriesland mussten die Feuerwehren nach Angaben der Rettungsleitstelle Nord in Harrislee zu knapp 30 Sturm-Einsätzen ausrücken. Dabei ging es hauptsächlich um das Beseitigen umgekippter Bäume beziehungsweise lockerer Dachziegel von Gebäuden, sagte ein Sprecher.

Bei der im Umbau befindlichen Westseite des Marktes in Heide löste sich ein schweres Stück der Dachkonstruktion und wehte direkt auf die Straße. Nach Auskunft des Pressesprechers der Feuerwehr Heide wurden zwei Personen leicht verletzt in das Heider Krankenhaus verbracht. Der Marktplatz wurde aus Sicherheitsgründen zur Hälfte von der Polizei abgesperrt, da die Gefahr besteht, dass sich weitere große Teile des Daches bei den derzeit herrschenden starken Winden ablösen.

Seit 16 Uhr habe die Bahn den Nahverkehr in Niedersachsen vorläufig wie zuvor schon in Nordrhein-Westfalen gestoppt, teilte ein Sprecher der Bahn in Hamburg mit. In der Elbmetropole war der U- und S-Bahnverkehr gestört.  In Schleswig-Holstein senkte die Bahn aus Sicherheitsgründen das Tempo im Nah- und Fernverkehr auf 80 Stundenkilometer, in Waldgebieten sogar auf 40.

Wegen eines Sturmschadens war am Dienstag der Bahnverkehr zwischen Elmshorn und Tornesch (Kreis Pinneberg) für zwei Stunden gestört. Es lagen Äste auf den Gleisen, wie ein Bahnsprecher sagte. Die Strecke konnte gegen 14.30 Uhr wieder freigegeben werden. Betroffen war auch der Fernverkehr zwischen Hamburg und Kiel sowie zur Westküste.

In Schleswig-Holstein richtete der Sturm bis zum späten Nachmittag nur wenige Schäden an. Auf den Straßen war die Lage nach Auskunft der Polizei-Leitstellen relativ entspannt. Nur einige wenige Bäume seien umgeweht worden, hieß es.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab eine Unwetterwarnung für Norddeutschland heraus. Bis 22 Uhr müsse am Dienstag mit orkanartigen Böen gerechnet werden. Vereinzelt seien auch Orkanböen mit einer Windgeschwindigkeit von mehr als 120 Stundenkilometer möglich.

Wie das Orkantief „Niklas“ bis Donnerstagabend verläuft erfahren Sie in diesem „Strömungsfilm“ des DWD:

Auf die Hochbahnlinie U1 zwischen Volksdorf und Großhansdorf stürzten zwei Bäume. Ein Zug habe noch rechtzeitig bremsen können, als eine Sturmböe einen ersten Baum in der Nähe von Ahrensburg-West umriss, wie eine Hochbahnsprecherin sagte. Es wurde ein Busersatzverkehr eingerichtet. Als wenig später ein zweiter Baum auf die Strecke fiel, weitete die Hochbahn den Ersatzverkehr mit Bussen und Taxen von Volksdorf bis Großhansdorf aus. Die Hamburger Feuerwehr zählte Dutzende Einsätze. Mindestens zehn Bäume seien vom Sturm ungeknickt worden, hieß es.

Das Orkantief brachte an der Nordseeküste und auf der Elbe auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander: Heftige Böen mit Windstärke 11 bis 12 sorgten dafür, dass die Schiffe von und zu den Nordfriesischen Inseln und Halligen in den Häfen blieben. Auch die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen pendelte am Nachmittag nicht mehr zwischen den Ufern. Die Fährverbindung zwischen Helgoland und dem niedersächsischen Cuxhaven fällt ebenfalls dem Orkantief bis einschließlich Mittwoch zum Opfer. Auch die schon seit Wochen geplante Eröffnungsfahrt einer Fähre von Büsum nach Helgoland am Mittwoch wurde wegen des Wetters vorsorglich abgesagt, wie eine Sprecherin der Reederei „Cassen Eils“ sagte.

Da der Nord-Ostsee-Kanal wegen des hohen Wasserstandes der Elbe nicht mehr ausreichend entwässert werden kann, wird es am Mittwoch vermutlich zu Einschränkungen im Fährbetrieb kommen, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes.

In Ammersbek im Kreis Stormarn zersägten arbeiter einen Baum, der von Sturm „Niklas“ entwurzelt wurde – und auf eine Straße stürzte.
In Ammersbek im Kreis Stormarn zersägten Arbeiter einen Baum, der von Sturm „Niklas“ entwurzelt wurde – und auf eine Straße stürzte. Foto: Markus Scholz/dpa

Der Sylt-Shuttle nahm am Dienstag nur noch Pkw ohne Anhänger mit. Für Pkw mit Anhänger und Lastwagen über 7,5 Tonnen war die Rader Hochbrücke auf der Autobahn 7 (Hamburg-Flensburg) gesperrt. Ebenfalls gesperrt war die Fehmarnsundbrücke für Pkw mit Anhänger und leere Lkw.

„Niklas“ wirbelt auch den Flugplan am Hamburger Flughafen durcheinander. Bis zum frühen Dienstagnachmittag wurden vier Ankünfte und drei Abflüge wetterbedingt gestrichen, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Die Flugzeuge aus Frankfurt, London und Amsterdam seien gar nicht erst gestartet, darum seien auch die Rückflüge abgesagt worden, hieß es. Weitere Streichungen schloss die Sprecherin nicht aus.

In Lübeck-Travemünde kämpfen Spaziergänger mit Windböen des Sturms „Niklas“.
In Lübeck-Travemünde kämpfen Spaziergänger mit Windböen des Sturms „Niklas“. Foto: dpa

Wegen des Sturmtiefs bleibt der Hamburger Dom am Dienstag geschlossen. Gleiches gilt für den Jahrmarkt in Flensburg.

Auch der HSV reagiert auf den Sturm. Der Fußball-Verein teilte am Dienstagnachmittag auf Twitter mit:

In mehreren Bundesländern, darunter Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, wurden Windkraftanlagen ausgeschaltet, um zu verhindern, dass zu viel Strom produziert wird, wie ein Sprecher des überregionalen Stromtrassenbetreibers 50Hertz in Berlin sagte.

Bereits in der Nacht zum Dienstag wurde ein Frachter in Brunsbüttel von einer heftigen Sturmböe erfasst und gegen ein Lotsenboot gedrückt. Bei der Havarie wurden beide Schiffe erheblich beschädigt, teilte die Wasserschutzpolizei mit. Verletzt wurde niemand.

Frank Böttcher vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg riet, wegen der Gefahr vor Orkanböen Wälder zu meiden. Die Böden seien durch den Regen der vergangenen Tage aufgeweicht, gerade Nadelbäume könnten schnell umkippen. Wer schon Blumenkästen mit Stiefmütterchen am Balkon angebracht hat, sollte diese sichern. Am Morgen registrierte die Polizei noch keine größeren Schäden durch Sturmböen. Erst in den Abendstunden soll das Unwetter langsam abklingen.

Unterdessen schneit es in weiten Teilen Schleswig-Holsteins am Dienstagmorgen - zum Beispiel in Glücksburg.
Unterdessen schneit es in weiten Teilen Schleswig-Holsteins am Dienstagmorgen - zum Beispiel in Glücksburg. Foto: Dreykluft

Das passiert außerhalb von SH:

Während des Orkans sind in Deutschland bis zum frühen Dienstagabend drei Menschen ums Leben gekommen. In Rheinland-Pfalz erschlug ein umgestürzter Baum zwei Menschen. Wie die Polizei mitteilte, fiel der Baum bei Montabaur im Westerwald auf ein Dienstfahrzeug der Straßenmeisterei. Rettungskräfte konnten die beiden Männer nur noch tot aus dem Wrack auf einer Landstraße bergen. In Sachsen-Anhalt starb nach Behördenangaben ein Mann, als ihn eine umstürzende Betonmauer begrub.

Besonders betroffen von Sachschäden sind bereits seit dem Vormittag Teile von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Am Nachmittag stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr in Bayern komplett ein. Zudem komme es im Regionalverkehr zu massiven Einschränkungen, teilte die Bahn am Dienstagnachmittag mit. Mehrere Verbindungen seien wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt. Im gesamten Regionalverkehr gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen, wie es weiter hieß.

Die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs wurde am Dienstagnachmittag wegen Orkanschäden geräumt. Ein Sprecher der Bundespolizei bestätigte einen entsprechenden Bericht des Bayerischen Rundfunks. Dachfenster hätten sich durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen.

Extreme Orkanböen wurden laut dem Wetterdienst am Morgen auf der Zugspitze (164 km/h), dem Feldberg im Schwarzwald (151) und auf dem Weinbiet bei Neustadt an der Weinstraße (148) gemessen. Im Flachland habe es verbreitet Orkanböen von mindestens 118 Kilometern pro Stunde gegeben.

Sturmtief „Mike“: Das passierte am Montag

Das Sturmtief „Mike“ sorgte am Montag für zahlreiche Feuerwehreinsätze. Auf dem Gelände der Grundschule in Barsbüttel fiel eine etwa 16 Meter hohe Tanne auf ein Schulgebäude. Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehren Barsbüttel und Willinghusen zerlegten den Baum mit der Motorkettensäge Stück für Stück.

In Barsbüttel brachte der Sturm eine Tanne zum Umsturz.
In Barsbüttel brachte der Sturm eine Tanne zum Umsturz. Foto:Wüst

 

In Lohbrügge blockierte ein umgeknickter Baum die Hamburger Strasse. Dort kam es deshalb zu einem Auffahrunfall.

Es gab auch Behinderungen im Bahnverkehr. Grund waren Sturmschäden in Brandenburg und Niedersachsen, wie die Bahn am Montag mitteilte. Betroffen war demnach unter anderem die Route zwischen Hamburg und Hannover in beide Richtungen. Die Züge mussten über Bremen umgeleitet werden, es gab Verspätungen von bis zu einer Stunde.

Auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Lübeck hatte eine Windböe ein Trampolin auf die Gleise geweht, teilte die Bundespolizei in Kiel mit. Mitarbeiter der Bahn konnten das Trampolin aber schnell von der Strecke entfernen, bevor es zu Behinderungen kam. Außerdem war durch den starken Wind der Sylt-Shuttle-Verkehr am Montag bis in den Abend eingeschränkt.

Ein umgestürzter Baum blockierte am Montagabend die Gleise der U-Bahn in Großhansdorf. Eine Sturmböe hatte ihn quer über die Gleise zwischen Ahrenburg-Ost und Schmalenbek gelegt. Der U-Bahn-Fahrer hatte das Hindernis rechtzeitig erkannt und brachte den Zug noch vor dem Baum zum Stehen. Nachdem die Strecke von der Bahn stromlos geschaltet war, zerlegten Feuerwehrleute den Baum mit Motorsägen und räumten die Gleise frei. Nach etwa einer Stunde setzte der Zug seine Fahrt wieder fort.

Ein umgestürzter Baum blockierte am Montagabend die Gleise der U-Bahn in Großhansdorf.
Ein umgestürzter Baum blockierte am Montagabend die Gleise der U-Bahn in Großhansdorf. Foto:RTN

 

An der Flensburger Universität wurden am Montag Metallteile einer Außenjalousie losgerissen und drohten zu Boden zu stürzen. Da dies insbesondere für Fußgänger und geparkte Autos zur Gefahr geworden wäre, griff die Feuerwehr ein. Von der Drehleiter aus wurde die zerstörte Jalousie, die auch ein Fenster beschädigt hatte, demontiert. Weitere Einsätze für die Feuerwehren wegen umgestürzter Bäume und abgeknickter Äste gab es am späten Nachmittag unter anderem in Hürup und in der Nähe von Satrup im Kreis Schleswig-Flensburg.

In Hamburg rückten die Einsatzkräfte bis zum Montagnachmittag insgesamt über 50 mal aus. Unter anderem sei ein Baum auf ein Wohnhaus in Altona gestürzt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte richteten ihn mit einem Kran des Technik- und Umweltschutzes wieder auf.

Die Feuerwehr rät dazu, insbesondere Gartenmöbel und andere lose Teile auf Balkonen und in Gärten sicher zu verstauen oder zu befestigen, damit diese nicht umhergewirbelt werden können.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen