Falsche Beschuldigung : Organspende: Vorwürfe widerrufen

Ein TV-Magazin hatte behauptet, die Kieler Uniklinik habe Organe reichen Patienten zugeteilt. Jetzt ist sicher: Die Beschuldigung war falsch.

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20. Juli 2009, 07:01 Uhr

Kiel | Die Vorwürfe waren damals heftig: Im August 2007 behauptete das TV-Magazin "Monitor", an der Kieler Uniklinik (UKSH) würden Organe verschoben. Spenderlebern seien reichen Patienten aus Saudi-Arabien transplantiert worden, obwohl diese Organe eigentlich Kassenpatienten zugeteilt gewesen seien. Dabei habe sich die Uni von wirtschaftlichen Erwägungen leiten lassen, so das TV-Magazin.

Jetzt muss die ARD diese Vorwürfe widerrufen und klarstellen, dass die Beschuldigungen durch nichts begründet waren. In Kiel wird "die Entscheidung darüber, ob ein Empfänger eine zu transplantierende Leber erhält, nicht davon abhängig gemacht, ob er ein Kassenpatient oder Privatpatient ist", heißt es im Widerruf.
Spitzenplatz in der deutschen Transplantationsmedizin

Eine späte Genugtuung für den damals öffentlich demontierten Kieler Chirurgen Dieter Bröring. Nicht nur, dass das Landgericht Hamburg die unhaltbaren Vorwürfe gegen den Operateur und die Klinik für Thoraxchirurgie am UKSH in das Reich der Lügen verbannte und Monitor zum Widerruf zwingt. Auch die Staatsanwaltschaft hat ihm eine weiße Weste bescheinigt.

Und es kommt noch besser: Dem Kieler Klinikum wird jetzt sogar ein Spitzenplatz in der deutschen Transplantationsmedizin bescheinigt. Wie eine aktuelle Untersuchung der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung bestätigt, konnte Kiel sowohl 2007 als auch im Jahre 2008 die besten Überlebenschance nach einer Lebertransplantation vorweisen. 96,3 Prozent der Patienten überstanden die schwierige Operation. Bundesweit liegt der Schnitt bei 84 Prozent. Gleichzeitig hat das größte Uniklinikum im Norden seine jährlichen Fallzahlen von 2005 auf 2008 mit 61 Eingriffen vervierfacht.
Bisher keine Entschuldigung

"Wir sind stolz darauf, dass wir das Fehlerrisiko bei den Operationen minimieren konnten", sagte der international renommierte Operateur am Wochenende. Traurig für Bröring und sein Team: Der Widerruf steht zwar auf der Monitorseite im Internet. Auf eine Entschuldigung für die falsche Berichterstattung, die dem Ansehen des UKSH erheblichen Schaden zugefügt hat, warten die Kieler bis heute. "Monitor hat erreicht, dass spendenbereite Menschen erheblich verunsichert sind", so Bröring. "Für unsere Patienten, die in Zeiten des Organmangels auf diese Spenden angewiesen sind, kann dies ein Todesurteil sein." Die ihm per Gericht zugesprochene finanzielle Entschädigung hat der Professor an die Selbsthilfeorganisation Transplantationsbetroffener in Schleswig-Holstein überwiesen.

Ob hinter dem Rücken Brörings andere ein Geschäft mit Operationen an Ausländern gemacht haben, wird derzeit von der Kieler Staatsanwaltschaft noch geprüft. Ins Visier ist ein entlassener Mitarbeiter des International Departement des UKSH geraten, der private und betriebliche Interessen vermengt haben soll.

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