„iversity“ : Online-Dozent für alle

Er erreicht seine Studenten am Bildschirm: Prof. Dr. Marc Oliver Opresnik beim Aufnehmen eines Lernvideos.
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Er erreicht seine Studenten am Bildschirm: Prof. Dr. Marc Oliver Opresnik beim Aufnehmen eines Lernvideos.

In Deutschland nimmt eine neue große Internetuni ihren Betrieb auf. Ihre Dozenten kommen auch aus Schleswig-Holstein.

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17. November 2013, 09:45 Uhr

Lübeck/Kiel | Ein Hörsaal mit über 5000 Studenten – das klingt nach Rockkonzert, nicht aber nach Vorlesung. Doch die neue Internet-Lernplattform „iversity“ verspricht trotzdem Lernergebnisse „auf Universitätsniveau“ und könnte damit die Bildung in Deutschland revolutionieren. Ihr Hörsaal ist virtuell und die Studenten verstreut auf der ganzen Welt. Drei Wissenschaftler aus Schleswig-Holstein sind von Anfang an mit erfolgreichen Kursen dabei.

Passend zum Beginn des Wintersemesters startete das Projekt aus Bernau bei Berlin seine sogenannte „Massive-Open-Online-Course“-Plattform (MOOC). 220.000 Internetnutzer haben sich bereits eingeschrieben. „Das sind mehr Studierende, als beispielsweise an den Universitäten von Stanford, Oxford, Cambridge und der Freien Universität Berlin zusammen“, verkünden die Betreiber stolz. Zum Vergleich: Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) unterrichtet zurzeit als größte Uni im Land etwa 24.000 Studenten. Allerdings hinkt der Vergleich. Auf der Online-Plattform kann man zwar für einige Kurse Abschlusszertifikate erhalten, aber keinen akademischen Grad. Hinzu kommt, dass das Angebot – zumindest am Anfang – kostenlos ist. Nur für Abschlüsse und Zertifikate müssen die Studenten zahlen.

Viele Menschen, verteilt auf der ganzen Welt, nehmen an für jeden offenen Kursen im Internet teil. Dieses einfache Prinzip steckt hinter dem sperrigen Begriff MOOC. Es ist in Amerika schon weit verbreitet. Dort haben Online-Dozenten ein Millionenpublikum.

Heraus sticht bei „iversity“ der Onlinekurs der FH Lübeck mit 5249 Teilnehmern. Denn in einer abschließenden Präsenzprüfung erhalten Teilnehmer hier sogenannte Credit-Points, die sie sich für jeden europäischen Studiengang anrechnen lassen können. Der Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Prof. Dr. Marc Oliver Opresnik, führt darin in die Welt des Marketings ein. In kurzen Videos erklärt er die verschiedenen Aspekte von der dahinterstehenden Philosophie bis zu konkreten Marketing-Strategien. Kleine Quiz-Runden, Diskussionsforen und Hausaufgaben lockern das Angebot auf. „Es sind sind nicht mehr nur abgefilmte Vorlesungen, wie wir sie schon erfolgreich auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht haben“, so Opresnik. Hinzu komme ein gesellschaftspolitischer Aspekt: „Auch der Handwerker und die Schülerin können sich in diesen Kurs eintragen und etwas über Marketing lernen.“

Das Team um die beiden Kieler Wissenschaftler Prof. Dr. Christoph Corves und Dr. Linda Kleemann bietet einen Kurs über sozialverantwortliches Unternehmertum mit dem Titel „Changemaker“ an. 5307 Teilnehmer haben diesen Kurs bereits belegt. „Wir zeigen, wie man ökosoziale Ideen zu Projekten entwickelt und umsetzt“, erklärt Kleemann. Beide Dozenten unterrichten das Thema seit zwei Jahren „offline“ an der CAU und haben daraus das Projekt „Yooweedoo“ entwickelt. „Wer möchte, kann an einem Ideenwettbewerb teilnehmen und Startkapital für sein Projekt gewinnen“, sagt Corves. Für ihn könnten Onlineangebote wie „iversity“ zunehmend an Bedeutung gewinnen: „Immer mehr Menschen machen Abschlüsse an Hochschulen. Arbeitgeber werden zukünftig bei der Personalauswahl auch auf solche Zusatzqualifikationen schauen.“

Ob „iversity“ kostenlos bleibt, ist fraglich. Nach außen präsentiert sich das Projekt als „Elite-Universität für alle“. Aber dahinter steckt kein gemeinnütziger Verein, sondern ein von Investoren über Risikokapital finanziertes Unternehmen, das langfristig Geld verdienen muss.

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