zur Navigation springen

Segelwettbewerbe 2024 : Olympia-Streit: Was für Kiel, Lübeck oder Rostock spricht

vom
Aus der Onlineredaktion

Sie alle wollen die Segelwettbewerbe austragen, doch nur eine Stadt könnte den Zuschlag bekommen. Drei Plädoyers.

shz.de von
erstellt am 09.04.2015 | 12:30 Uhr

Kiel/Lübeck/Rostock | Hamburg soll Olympia 2024 nach Deutschland holen. Die ernstzunehmenden Kandidaten für die Segelwettbewerbe: Kiel, Lübeck und Rostock. Wir haben für jede der Städte die besten Argumente gesammelt, warum nur sie das Großereignis ausrichten sollten.

Kiel: erfahren, leidenschaftlich, zentral und ein bisschen veraltet

von Christina Norden

Kiel kann Olympia

Das olympische Feuer erreicht Kiel 1972 bei Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von München.
Das olympische Feuer erreicht Kiel 1972 Foto:Imago/Pressefoto Baumann

 

Aller guten Dinge sind drei: Nach 1936 und 1972 könnte Kiel 2024 zum dritten Mal olympische Segelwettbewerbe austragen. Jetzt mögen Lübeck und Rostock den Finger heben und schreien: „Jetzt sind wir aber mal dran!“ Aber ganz ehrlich: Bei einer Veranstaltung mit solch großer Kragenweite ist Erfahrung Trumpf. Die Erfahrung von damals ist mittlerweile ausgestorben? Und wenn schon: Immerhin organisiert Kiel jedes Jahr das weltgrößte Segelsport-Event - die Kieler Woche. Immer in der letzten kompletten Juni-Woche gehen bis zu 6000 Seglerinnen und Segler aus über 50 Nationen mit rund 2000 Booten auf den Regattabahnen der Innen- und Außenförde an den Start. Dagegen ist Olympia ein Kinderspiel! 

 

Schilksee und Holtenau: Kiel hat sogar zwei Austragungsorte

Foto:Stadt Kiel

Kiel bringt zwei mögliche Segelquartiere ins Gespräch: Neben dem Olympiastützpunkt Schilksee ist auch das Marineflieger-Areal in Holtenau eine Alternative. Dort sind mehrere moderne Neubauten geplant. Schilksee hingegen versprüht noch immer den Olympia-Charme der 70er und hätte dringend eine Modernisierung nötig. Der zu 1972 erbaute Hafen wird zwar noch den Anforderungen gerecht, sieht aber alles andere als schön aus. Jedem Kieler wäre wohl ein Gefallen damit getan, Schilksee zu einer Frischekur zu verhelfen.

 

Kiel liegt zentral

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU, Mitte), Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD, re.) und der Hamburger Senator Frank Horch (parteilos, li.). beim offiziellen Auftakt für das Projekt zum Ausbau der Autobahn 7 zwischen Hamburg-Schnelsen und dem Autobahndreieck Bordesholm. Foto:dpa

 

Der Weg von Hamburg nach Lübeck ist laut Google Maps zwar 28,5 Kilometer kürzer als nach Kiel, die Fahrzeit ist mit knapp einer Stunde aber jeweils gleich lang. Wenn der Ausbau der Autobahn 7 aber pünktlich 2018 abgeschlossen sein wird (was ganz bestimmt der Fall sein wird), trumpft Kiel mit einer sechsspurigen Super-Verkehrsroute auf. Beamen wäre kaum schneller. Abgesehen davon würden alle Schleswig-Holsteiner, die jenseits von Ostholstein, Stormarn oder dem Herzogtum-Lauenburg wohnen, so oder so für Kiel stimmen. Denn die Verkehrverbindungen aus dem Rest des Landes nach Lübeck sind wirklich schlecht.

 

„Sailing City“: Die Zuschauer sind die Experten

Kiel vermarktet sich selbst als „Sailing City“.
Kiel vermarktet sich selbst als „Sailing City“. Foto:Kiel-Marketing / K. Steigueber

Nicht Handball, nicht Fußball, nicht Tennis – nein, Segeln ist DIE Kieler Sportart. Kiel ist die Welthauptstadt des Segelns. Als einziger Olympia- und Segel-Bundesstützpunkt ist Kiel nicht nur Trainings- sondern auch Wohnort des Großteils der Segel-Nationalteams. Das wäre ein klarer Heimvorteil für unsere Sportler. Und noch etwas: In Kiel leben 20.000 aktive Segler. Kiel hätte sicher das beste und fachkundigste Olympia-Publikum!

 

Lübeck: Hanseatisch, erfahren und wunderschön

von Hendrik Mulert

Lübeck ist die schönste Stadt der Welt

Lübeck bietet unzählige Motive für die Kamera.
Lübeck bietet unzählige Motive für die Kamera. Foto:Imago/Westend71


Wer nach Lübeck kommt, sollte seine Kamera nicht vergessen.

Wer schon einmal durch die Lübecker Altstadt spaziert ist, wird wenige Argumente finden, die gegen diese These sprechen. Eine subjektive Einschätzung? Von wegen. Die Unesco machte den mittelalterlichen Stadtkern 1987 zum Welterbe. Nicht nur die Stadtsilhouette mit den sieben Türmen der Kirchen war ausschlaggebend für diese Auszeichnung. Die Altstadtinsel ist aber alles andere als ein Museum. Die Bürger füllen die vielen unter Denkmalschutz stehenden Häuser mit Leben – und pflegen die Romantik der Höfe und Gänge. Zu Weltruhm verhalf Lübeck natürlich auch Thomas Mann mit seinen „Buddenbrooks“. Gleiches gilt für den Stadtteil Travemünde. Wer tatsächlich von der Schönheit Lübecks erschlagen wird, wird sein Glück in der „schönsten Tochter“ der Stadt finden. Und 2024 bestimmt die olympischen Segelwettbewerbe dort verfolgen können.

 

Lübeck-Travemünde ist schon längst gewappnet

Foto:Imago/Waldmüller


Knapp eine Million Besucher sind bei der Travemünder Woche dabei.

Die Travemünder Woche beweist Jahr für Jahr, dass das Ostseebad riesige Segelwettbewerbe problemlos durchführen kann. Verstecken muss sich Lübeck also nicht vor der Kieler Woche. Weiterer Vorteil Travemündes in Hinblick auf das Thema Nachhaltigkeit: Es müsste wenig extra für die Austragung der Spiele neu gebaut werden. Flächenverbrauch wird also kein Thema sein. Genauso wenig wie eine Betonburg, wie sie für die Spiele 1972 in Kiel-Schilksee entstand. Vor allem punktet Travemünde mit einer natürlichen Zuschauertribüne. Die Regatten werden in der Travemündung ausgetragen – das Motto lautet „Segeln zum Greifen nah“.

 

Lübeck hat Symbolwert


Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier lädt seine Amtskollegen zum G7-Treffen nach Lübeck ein.

Die Stadt steht bereits Mitte April im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Dann erwartet Lübeck die Außenminister der G7-Staaten. Kein Wunder. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier begründete die Wahl damit, dass Lübeck „ein echtes Schmuckstück“ ist. Aber nicht nur die schon beschriebene Schönheit ist der Grund. Es sei ein Zeichen, dass die Außenminister in einer Hansestadt über die Stärkung internationaler Beziehungen redeten, wird Steinmeier auf der Seite des Auswärtigen Amtes zitiert: „Die Hanse ist ja ein Beispiel dafür, wie man bei allen unterschiedlichen Interessen über staatliche, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg ein Modell der Zusammenarbeit gefunden hat, das großen Teilen Europas Wohlstand und ein friedliches Miteinander gebracht hat." In der Hansestadt Rostock könnte das Treffen ja auch stattfinden – tut es aber nicht. Dort wird ja auch nicht das Europäische Hansemuseum im Frühjahr eröffnet. Sondern in Lübeck.

 

Neues statt Altes

Foto:Imago/Meike Engels


Der Traditionssegler "Passat" im Hafen von Travemünde.

Über die Konkurrenz – Kiel und Rostock – müssen wir an dieser Stelle gar nicht sprechen, oder? Denn die Frage, ob Kiel eine schöne Stadt ist, stellt sich ja erst gar nicht. Historisch kann die Stadt auch nicht mit Lübeck mithalten. Außerdem wäre es doch auch langweilig, die Segelwettbewerbe ein drittes Mal nach 1936 und 1972 auszurichten. Und Rostock? Mag ja auch ganz nett sein, aber liegt nun mal nicht in SH. Und da sollen die Spiele ja nun mal hin.

Rostock: modern, maritim, weltoffen und einfach segelnswert

von Gerrit Hencke

Rostock ist die schönste Stadt der Welt

Die Rostocker Innenstadt.
Die Rostocker Innenstadt. Foto:Imago/Westend61

Ob Hamburg oder Berlin - Hauptsache: Rostock ist dabei. Vergessen Sie Kiel an der Förde, vergessen Sie Lübeck-Travemünde. Die größte Stadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern bietet eine Toplage an der Warnow und der Ostsee, sie bietet den Charme einer Küstenstadt mit Tradition und langer Geschichte sowie moderne Großstadtatmosphäre in einem. Sieht man in Kiel in erster Linie hässliche Architektur der 50er bis 70er Jahre, erfährt der Besucher in der Rostocker Innenstadt wahre Schönheit.

Steintor, Rathaus, Universität, Marienkirche, Kröpeliner Tor und die Lange Straße: Wer nicht sofort verliebt ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Ein Ausflug ins künftige Segelrevier Warnemünde überzeugt auch den letzten Skeptiker. Breite Sandstrände, Fischerhafen-Ambiente, Teepott und Leuchtturm. Die Lage macht Lust auf Meer und Strand, auf Segeln und Sommer. Optisch kann da maximal Lübeck mithalten. Kiel, ja Kiel ist aus dem Rennen.

 

Rostock hat geballte Erfahrung in Sachen Sport

„Wir hamm ne knallrote Kogge ... der F.C. Hansa Rostock wird niemals untergehn!“, schreien die Fans. Die „Kogge“ gehört zur Hanse und Hansa mit dazu.
Die Kogge gehört zur Hansestadt, wie die Segelwettbewerbe nach Warnemünde. Foto:Imago/Oliver Ruhnke

Bereits für Olympia 2000 und 2012 hat sich die Hansestadt mit dem Vorzeige-Stadtteil, dem Ostseebad Warnemünde, beworben. Damals hat es nicht geklappt mit den olympischen Sommerspielen in Deutschland. Dennoch bietet die Stadt sportlich gleich mehrere Argumente gegen Kiel und Lübeck. Der ehemalige Fußball-Bundesligist sehnt sich - zugegeben - nach besseren Zeiten. Doch mit der Kogge als Vereinslogo ist man hier maritimer als es Holstein Kiel oder der VfB Lübeck je sein werden. Handball gibt es auch in Rostock, wozu noch THW Kiel? Ein Ice-Hockey-Club sowie ein Unterwasser-Rugby-Team sorgen für beste Bewerbungschancen.

Und wenn erstmal Medaillen-Schwimmerin Peggy Büchse die Werbetrommel für ihre Heimatstadt rührt, kann nichts mehr den Rostocker Sieg gefährden. Olympiabewerber Berlin hat die „Wasser“-Kompetenz bereits erkannt und setzt ganz auf Rostock-Warnemünde. Der Punktsieg in der Kategorie „Sport“ geht nach MV.

 

Rostock will echte Nachhaltigkeit

Der alte Strom in Warnemünde. Rechts soll auf der Mittelmole das Olympiadorf entstehen.
Der alte Strom in Warnemünde. Rechts soll auf der Mittelmole das Olympiadorf entstehen. Foto:Imago/BildFunk MV

32 Millionen werden für die Austragung der Segelwettbewerbe zusätzlich in die Hand genommen, sollte es dazu kommen. Auf der Warnemünder Mittelmole im Herzen der Stadt am Meer wird dann ein Segelhafen mit olympischem Dorf entstehen, das natürlich nachhaltig genutzt werden soll – für andere Großveranstaltungen und als Wohngebiet. Pläne sahen bereits vor der Bewerbung eine städtebauliche Aufwertung vor. Alles wird neu, modern und zentral errichtet.

Das Komitee hat dann die Wahl: Betonloch Kiel-Schilksee im Charme der 70er Jahre, Holtenauer Förde am brackigen Nord-Ostsee-Kanal oder das noch recht anschauliche Travemünde. Die Antwort kann hier nur Rostock-Warnemünde heißen.

 

Rostock macht Pläne, keine Slogans

Der Leuchtturm mit Teepott in Warnemünde.
Wahrzeichen: Der Leuchtturm mit Teepott in Warnemünde. Foto:Imago/Chromorange

 

„Gemeinsam Segel setzen“ will Lübeck-Travemünde, Kiel ist ganz offiziell die „Sailing City“ – und Rostock? Die Hansestädter bleiben mecklenburgisch kühl und verzichten erstmal auf diese Spielerei. Vielmehr geht es um Machbarkeitsstudien und genaue Vorstellungen für das nächste Olympia-Segelrevier. 2002 bewarb man sich mit dem Slogan „Ich bin ein Rostock-Olymp“ und holte DJ Ötzi zu Promozwecken auf die Bühne. Genützt hat es nicht, vielmehr erntete man Häme. Heute hat sich Rostock-Warnemünde weiterentwickelt. Heute sprechen die Stadt und das Segelrevier für sich selbst. Ganz ohne plumpen Slogan. Das macht sympathisch und gibt daher einen weiteren Pluspunkt.    

 

Hanse Sail, eine Liga für sich

Segelevent vor historischer Kulisse in Rostock an der Warnow.
Segelevent vor historischer Kulisse in Rostock an der Warnow. Foto:Imago/Imagebroker

Klar, die Kieler Woche ist die größte Regattaserie der Welt. Und danach kommt ja auch schon die Travemünder Woche. Die beiden Olympiabewerber sind hier also ganz vorne mit dabei. Nicht vergessen sollte man jedoch die „Hanse Sail“ in Rostock. Die besinnt sich ganz auf Geschichte, Traditionssegler und Windjammer-Paraden. Regatten spielen eine untergeordnete Rolle. Für Segelsportler gibt es ganz allein die Warnemünder Woche. Jedes Jahr kommen an neun Tagen 2000 Sportler aus 30 Nationen in norddeutsche Gefilde, um sich im Segeln zu messen. Rostock-Warnemünde bietet daher einen Doppelpack für Touristen und Wassersportenthusiasten. So übt die Stadt seit Jahren für potentielle olympische Segelwettbewerbe. Warnemünde zeigt also bereits, warum es als Segelrevier die besten Karten hat. Wann also, wenn nicht jetzt? Rostock 2024!

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen