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Düngen mit Gärstoffen : Ohne Grenzwerte geht es nicht

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Einem EU-Bericht zufolge haben Deutschland und Malta die höchsten Nitrat-Werte im Grundwasser. Zeit zum Handeln, meint Frank Jung im Kommentar.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 07:59 Uhr

Nein, es geht nicht um pauschale Bauern-Schelte. Es geht um den Schutz der Gesundheit aller, der von Landwirten eingeschlossen. Narrenfreiheit beim Düngen mit Gärresten aus Biogasanlagen darf es angesichts der inzwischen gewaltigen Mengen nicht mehr geben. Sonst wird es nie etwas mit einer niedrigeren Nitratbelastung des Grundwassers. Die ist aber  erforderlich, um langfristig Belastungen des Trinkwassers auszuschließen. Zu viel Stickstoff darin behindert die  Schilddrüse und steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

Deshalb ist das Ausbringen von Gülle aus tierischen Ausscheidungen schließlich auch gesetzlich begrenzt. Dass dies für das Düngen mit ebenso nitrathaltigen Gärrückständen pflanzlicher Herkunft jedoch nicht gilt, ist widersinnig und allein historischen Gründen geschuldet: Als die Düngeverordnung zuletzt 2005 geändert wurde, gab es längst nicht so viele Biogaserzeuger wie heute. Geradezu absurd mutet die Regelungslücke angesichts des Gülle-Bonus' ein, mit dem seit 2009 der Bau von Biogasanlagen nochmal zusätzlich gefördert wird: Wer sich verpflichtet, in seinem Öko-Kraftwerk mindestens 30 Prozent Gülle zu verwenden – damit davon weniger auf dem Acker landet – erhält einen Extra-Zuschuss. Verkehrte Welt: Wenn dann aber am Ende umso mehr Stickstoff aus Gärsubstrat in unbegrenzter Menge ausgebracht werden darf – dann hat der Gülle-Bonus das Gegenteil seines Zwecks erreicht. So schädigt die  Energiewende die Ökologie. Der Umwelt ist es egal, woher das Zuviel an Stickstoff kommt.

Dass ein EU-Bericht erst vor wenigen Tagen Deutschland mit Malta die ungünstigsten Nitrat-Werte im Grundwasser in ganz Europa bescheinigt hat, sollte Anlass genug für eine Kehrtwende sein. Gerade für Schleswig-Holstein ist es ein besonderes Anliegen. Außer in Niedersachsen ballen sich deutschlandweit nirgends so gigantische Mengen an Gülle und Gärresten.

Wie man mit überschüssigen Gärrückständen umgeht, wird der Landwirtschaft im Norden neue Konzepte abverlangen. Unweigerlich wird dies für Betreiber von Biogasanlagen mit einem Organisations- und Kostenaufwand einhergehen. Als Gegenleistung zu der sehr großzügigen Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz erscheint das aber als zumutbar.

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