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Neue Erkenntnisse über Eismumie : „Ötzi“ bringt Historiker ins Schwitzen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kieler Forscher sind sich sicher: Ein Bakterium könnte die Geschichte Europas über den Haufen werfen.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 20:22 Uhr

Kiel | Es gibt kaum einen anderen Leichnam, der so intensiv untersucht wurde wie der legendäre „Ötzi“, eine vor 25 Jahren in Südtirol entdeckte Eismumie. Und doch können die Wissenschaftler dem vor etwa 5200 Jahren verstorbenen Steinzeit-Menschen immer wieder neue Geheimnisse entlocken. Ein internationaler Forschungsteam der Europäischen Akademie (EURAC) in Bozen konnte jetzt belegen: Ötzi hatte Magenprobleme, er litt wohl an Gastritis oder sogar an Magengeschwüren.

Erheblichen Anteil an dieser Entdeckung hatten Juniorprofessor Ben Krause-Kyora und Professorin Almut Nebel vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Universität Kiel. In einem aufwendigen Labor-Verfahren konnten sie bei Ötzi das Bakterium Helicobacter pylori nachweisen. Auch heute in Deutschland leiden Millionen von Menschen an diesem Bakterium, es wird zumeist von der Mutter an den Nachwuchs weitergegeben. Zwar war die Magenschleimhaut der Eismumie längst zerstört, doch aus dem Mageninhalt konnten die Forscher einzelne Sequenzen isolieren und daraus das komplette Genom rekonstruieren.

Die Ergebnisse der Molekular-Experten haben Auswirkungen auf die historische Forschung. Denn Ötzis spezieller Heliobacter-Stamm findet sich vor allem in Zentral- und Südasien, nicht in Europa. Bislang aber ging man davon aus, dass sich die „westliche“ Heliobacter-Unterart vor über 10.000 Jahren im Zuge jungsteinzeitlicher Wanderungsbewegungen in Europa ausbreitete. Dieses einfache Bild ist nicht mehr zu halten. Almut Nebel und Ben Krause-Kyora sind sich einig: „Die Besiedlung Europas verlief komplexer als angenommen. Es waren offenbar nicht die jungsteinzeitlichen Ackerbauern aus der Region des ‚Fruchtbaren Halbmondes‘, die den europäischen Helicobacter-Stamm mitbrachten.“

 

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