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Werbung für vegane Angebote : Öko-Kampagne: Bauern in SH drohen mit VW-Boykott

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„Vital – vegetarisch – vegan“: Die Internetseite der Autostadt-Restaurants sorgt für Wirbel.

Rendsburg/Wolfsburg | Die Empörung der deutschen Bauern über den Autokonzern Volkswagen nimmt seit Freitag richtig Fahrt auf. Durch Internet-Werbung für vegetarische und vegane Angebote in der Gastronomie der VW-Autostadt fühlen sich viele konventionell arbeitende Landwirte verunglimpft. Der Bauernverband Schleswig-Holstein erwägt bereits bei seiner Dienstwagenflotte den Umstieg von VW auf eine andere Marke. „Darüber wird bei uns diskutiert“, sagte Verbandssprecherin Dr. Kirsten Hess am Freitag in Rendsburg.

Ins gleiche Horn bläst der Landesbauernverband in Niedersachsen. Landvolk-Präsident Werner Hilse schrieb an VW: „Landwirte, die wie ich selbst ein Auto aus dem Angebot des VW-Konzerns gewählt haben, müssen sich doppelt diskriminiert fühlen.“ Wenn der Konzern seine Kunden derart herabwürdige, „müsse er in Kauf nehmen, dass sie sich für andere Marken entscheiden“.

Der Bauernverband habe keineswegs etwas gegen Veganer oder Vegetarier, betont Kirsten Hess. Doch bei der Imagekampagne der VW-Autostadt würden die Bauern im selben Atemzug zu Umweltsündern abgestempelt. 

So hat Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz empört, dass von „Antibiotika- und Hormonbelastung von Fleischprodukten“, die zu gesundheitlichen Problemen führten, auf der Homepage die Rede gewesen sei. „Über die Verbreitung solcher Unwahrheiten durch einen Weltkonzern sind wir entsetzt“, so Schwarz.

Zudem werde der Landwirtschaft vorgeworfen, sie sei der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgas-Emissionen, beklagt der deutsche Bauernpräsident Joachim Rukwied. „Das ist doch wirklich absurd, dass dieser Vorwurf ausgerechnet aus der Automobil-Industrie kommt“, pflichtet Kirsten Hess bei.

Tatsächlich lag der Anteil der Treibhausgas-Emission der deutschen Landwirtschaft im Jahr 2014 bei knapp 7,1 Prozent. Das ergibt eine erste Schätzung des Umweltbundesamtes. Die Industrie liegt demnach zwar mit 6,8 Prozent knapp darunter – der Verkehr insgesamt allerdings pustete einen Treibhausgas-Anteil von gut 18 Prozent in die Luft.

VW-Autostadt sieht sich dennoch zu Unrecht an den Pranger gestellt: „In allen zehn Restaurants – darunter ein ‚Beef-Club‘ – gibt es sowohl Gerichte mit Fleisch als auch vegetarische und vegane Angebote“, sagt Autostadtsprecher Tobias Riepe. „Und zwar völlig gleichberechtigt.“ Seit 2003 seien die Restaurants auf ökologisch produzierte, saisonale Erzeugnisse aus der Region umgestellt worden. Die Darstellung der unterschiedlichen Ernährungsformen sei nicht als Wertung zu verstehen und basiere zudem auf dem Sachstand von externen Partnern, vornehmlich der „Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH“.

Gleichwohl wolle VW-Autostadt auf die Emotionen eingehen und werde mit den Bauern in den Dialog treten, kündigt Riepe an. Landvolk-Chef Hilse hatte bereits „den Manager der Autostadt-Restaurants“ zu Besuchen auf die Höfe eingeladen. „Damit er sich ein zutreffendes Bild von moderner Landwirtschaft machen kann.“

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erstellt am 18.Apr.2015 | 09:10 Uhr

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